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06. Februar 2019, 20:21 Uhr

Reaktion auf Trump-Rede

"Pelosi hat das 'Fuck-you-Klatschen' erfunden"

Eine Geste wie ein Statement: Mit betont gestreckten Armen und herausforderndem Blick applaudierte die Sprecherin des Repräsentantenhauses dem US-Präsidenten während dessen Rede.

Im weißen Kostüm und mit versteinerter Miene saß Nancy Pelosi rechts hinter Donald Trump, als er zum zweiten Mal eine Rede zur Lage der Nation gab. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses war in den vergangenen Wochen mehrfach öffentlich mit dem US-Präsidenten aneinandergeraten. Und auch jetzt bekundete sie ihr Missfallen - etwa in dem Moment, als der US-Präsident für seine Mauer-Pläne zum Schutz vor Migranten an der Grenze zu Mexiko warb.

Eigentlich hatte Trump bereits in der vergangenen Woche im Abgeordnetenhaus sprechen wollen, doch Pelosi untersagte ihm das wegen des teilweisen Regierungsstillstands, den Trump im Streit über die Finanzierung seiner Mauer in Kauf genommen hatte. Nun, knapp eine Woche später als geplant, rief Trump in seiner Ansprache zur Einheit, zum Kompromiss und zur Überparteilichkeit auf.

Eines der einprägsamsten Bilder des Abends entstand aber von Pelosi, die ihm mit ausgestreckten Armen und herausforderndem Blick zuklatschte. "Gratulation an Pelosi, sie hat das 'Fuck-you-Klatschen' erfunden", kommentierte etwa der Schauspieler Patton Oswalt die Szene.

Andere setzten die Szene der klatschenden Pelosi in ganz neue Kontexte, montierten sie etwa zum Bild von Trump vor einem Burger-Berg, den er Football-Spielern im Weißen Haus vorgesetzt hatte.

Pelosi selbst äußerte sich zwar nicht zu dem Bild, verhehlte ihre Haltung über Trumps Rede aber nicht: "Es wird Tage dauern, um all die Falschangaben Donald Trumps in seiner Rede zur Lage der Nation einem Faktencheck zu unterziehen", twitterte sie. Zu einem Bild von ihr, das sie beim Lesen von Zetteln während der Rede zeigt, schreibt ein Twitter-Nutzer: "Pelosi sitzt da hinten und liest den Mueller-Report". Sonderermittler Robert Mueller untersucht die Russland-Affäre des Wahlkampfteams von Trump.

Auch mit ihrem Hosenanzug setzte Pelosi - wie weitere Demokratinnen - ein Zeichen: Mit ihrer weißen Kleidung erinnerten die Frauen an die Suffragetten-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA. Damals protestierten Frauen in weißer Kleidung für ein flächendeckendes Frauenwahlrecht.

vks

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