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Marc Pitzke

Trumps Nordkorea-Show Zum Totlachen

Donald Trump war mal unterhaltsam - als Sexprotz, Serienpleitier, Reality-Star. Als Präsident spielt er mit der Sicherheit der Welt. Daran ist nichts mehr lustig.

Na, haben wir noch Spaß?

Wie amüsant war Donald Trump, als er noch durch die New Yorker Society turnte, mit seinen Scheidungen und Sexprotzereien, für deren Weiterverbreitung er sich am Telefon als sein eigener Pressesprecher "John Barron" ausgab: "Ihm geht es finanziell ungeheuer gut!", log er schon da über sich selbst.

Wie faszinierend war er, als er sich, während seine Arbeiter auf der Straße landeten, durch ein halbes Dutzend Pleiten klagte, um sich ganz neu als "erfolgreicher Unternehmer" zu erfinden - mit einer TV-Realityshow, deren Bürokulisse so Fake war wie sein Urteilsspruch am Ende jeder Episode: "You're fired!"

Wie unterhaltsam, als er mit diesen stets gleichen Spiegeltricks schließlich Präsidentschaftswahlkampf machte, "wie es die Welt noch nie gesehen hat" (schon immer sein Lieblingssuperlativ), bis uns jeder Sinn für Realität und Fiktion, für Anstand und Abscheu abhandenkam: Politik ist Entertainment!

Hoffen auf die Babysitter

Das Lachen verging manchen, als Trump die Wahl gewann. Keine Sorge, fanden andere, das wird schon: Das Amt werde Trump läutern, und wenn nicht, würden die erwachsenen Babysitter um ihn herum seine schlimmsten Impulse in Schach halten. Lasst ihn toben - die Politik regelt sich von selbst.

Ex-General John Kelly, der neueste dieser rotierenden Babysitter, sollte ihn nun mit militärischem Drill zügeln. Elf Tage währte diese Hoffnung, bis Trumps Verbalsalve gegen Nordkorea, die auch Kelly "überrascht" haben soll, sie nun zunichtemachte. Der Begriff "Fire and Fury", Trumps Wortwahl, kommt übrigens auch im populären Online-Rollenspiel "World of Warcraft" vor, mit dem sein nationalistischer Ideologe Steve Bannon vor dessen politischer Karriere Geld verdienen wollte .

Trump feuerte einen Lügen-Tweet über das US-Atomarsenal hinterher und am Donnerstag sogar noch mehr Bombast: Nordkorea, tönte er in seinem Golfklub, wo er sich in einer Bürokulisse filmen ließ, solle "sehr, sehr nervös" sein. Später folgte ein 20-minütiges Festival weiterer, meist haarsträubender Statements, die seine Aufpasser erneut in Panik versetzten. Der Effekt war derselbe wie bei "You're fired!": Schalten Sie morgen wieder ein!

"Wir amüsieren uns zu Tode"

In der aktuellen Show spielt Trump nun aber nicht mehr den "erfolgreichen Unternehmer", sondern den "harten Feldherrn". Denn nichts eint die Nation - und zementiert die Macht - wie ein Krieg, das älteste aller Dokudramen. Selbst wenn es um Nordkorea geht, das gefährlichste Pulverfass der Welt - und um Millionen Menschenleben, die Trump als Cliffhanger missbraucht.

"Wir amüsieren uns zu Tode", warnte der postmoderne Prophet Neil Postman 1985 vor der Verschmelzung von Politik und Medien zum "Infotainment". Da war Trump noch mit Ivana verheiratet, der ersten seiner drei Ehefrauen.

Inzwischen ist der Joker, der mal harmlos war, zu Pennywise mutiert, dem Horror-Clown aus Stephen Kings Gruselkrimi "Es", dessen Verfilmung passenderweise im September in die Kinos kommt. Die Erwachsenen, die sein politisches Blutbad aufputzen müssen, werden dabei selbst dreckig.

Hinter den Kulissen des Weißen Hauses zanken sich die Fraktionen ums Drehbuch wie Gamer in "World of Warcraft": Auf der einen Seite eine kleine Fraktion halbwegs Vernünftiger, die es als ihre Mission sehen, die schlimmsten Ideen des Präsidenten abzublocken. Auf der anderen Seite die Lakaien, die ihm zweimal am Tag Ordner hinlegen mit bewundernden Tweets und Fotos, auf denen er kämpferisch aussieht.

Trumps düsteres Ablenkungsmanöver

Derweil konsolidiert Trump seine Macht, wie ein Diktator in spe. Er schuf einen eigenen TV-Propagandakanal. Er teilt Fake-Umfragen, die ihn preisen, mit 32 Millionen Twitter-Fans, von denen fast die Hälfte Bots sind mit dem einzigen Ziel, seine Tweets zu multiplizieren. Er sägt an der Pressefreiheit, versucht den Kongress zu entmachten und die Justiz zu delegitimieren.

Düstere Machenschaften, von denen er das Publikum aber immer wieder ablenkt, mit einem Tweet, einer Tirade - oder einem herbeigeredeten Atomkrieg.

Hinzu kommt die Endlosaffäre um Russland-Sonderermittler Robert Mueller, die im Hintergrund immer mitläuft. "Wird er Mueller feuern? Werden die USA Nordkorea angreifen? Und was ist mit Justizminister Jeff Sessions?", lockte CNN die Zuschauer am Donnerstagabend mit einer Eilmeldung. "Schalten Sie ein!"

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