Trumps Russland-Affäre Ex-FBI-Chef Comey kündigt öffentliche Aussage an

Donald Trump feuerte ihn und nannte ihn einen "Spinner", doch James Comey ist noch lange nicht weg: Der Ex-FBI-Chef will in der Russland-Affäre vor dem Senat aussagen - öffentlich.

James Comey
REUTERS

James Comey


Der ehemalige FBI-Chef James Comey hat sich in der Russland-Affäre zu einer Aussage vor dem Geheimdienstausschuss des Senats bereit erklärt. Das gaben die Ausschussvorsitzenden bekannt. Die Entscheidung Comeys dürfte den Druck auf den ohnehin schwer angeschlagenen US-Präsidenten Donald Trump verstärken und mit im Fokus seines derzeitigen Besuches in Saudi-Arabien stehen.

"Ich hoffe, dass Comeys Aussage dabei helfen wird, einige der Fragen zu beantworten, die sich seit der Entlassung des Direktors durch den Präsidenten ergeben haben", erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, der demokratische Senator Mark Warner. Comey soll in einer öffentlichen Sitzung nach dem 29. Mai, einem Feiertag, aussagen.

Trump hatte Comey in der vergangenen Woche überraschend gefeuert. Er sieht sich deswegen Vorwürfen ausgesetzt, er habe Einfluss auf die Russland-Ermittlungen des FBI ausüben wollen. Trump hatte zunächst verschiedene Gründe für die Entlassung angegeben. Später sagte er in einem Interview, er habe dabei "dieses Russland-Ding" mit im Kopf gehabt.

"Er war verrückt, ein echter Spinner"

In der Untersuchung geht es um die Frage, ob es Absprachen mit Mitgliedern aus Trumps Wahlkampfteam und Moskau gab. Hintergrund sind die mutmaßlich russischen Hackerangriffe auf Computer der Demokraten während des Wahlkampfes im vergangenen Jahr. Das Justizministerium setzte in dieser Woche einen Sonderermittler ein, der den Fall leiten soll.

Einem Bericht der "New York Times" und anderer Medien zufolge soll Trump Comey bei einem Treffen im Februar gebeten haben, die Ermittlungen gegen Ex-US-Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Sollte das stimmen, hätte der Präsident versucht, auf das Justizministerium und laufende Ermittlungen der Bundespolizei Einfluss zu nehmen. Es wäre der bisher größte Skandal seiner Präsidentschaft.

Unmittelbar nach Trumps Abflug am Freitag wurden in Zeitungen neue schwere Vorwürfe gegen ihn bekannt. Nach einem Bericht der "New York Times" soll Trump bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in der vergangenen Woche gesagt haben, der Rauswurf von Comey habe Druck aus den Ermittlungen zu den angeblichen Moskau- Verstrickungen seines Wahlkampfteams genommen. Über Comey sagte Trump der Zeitung zufolge: "Er war verrückt, ein echter Spinner."

Im Video: "Das ist eine Hexenjagd!"

REUTERS

Trumps Sprecher Sean Spicer wies die Darstellung nicht direkt zurück. Er sagte der Zeitung: "Durch Selbstdarstellung und eine Politisierung der Ermittlungen zu den russischen Aktivitäten hat James Comey unnötigen Druck auf unsere Fähigkeiten ausgeübt, uns mit Russland austauschen zu können und mit ihnen zu verhandeln."

Die "Washington Post" veröffentlichte zur selben Zeit einen Bericht, wonach bei der FBI-Untersuchung nun auch ein enger Mitarbeiter Trumps aus dem Weißen Haus als "Person von Interesse" betrachtet werde. Es handele sich um einen hochrangigen Berater, schrieb die Zeitung unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Die Ermittler seien nach wie vor stark interessiert an Personen, die Einfluss in Trumps Wahlkampfteam und der Regierung hatten, darunter der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn und Trumps früherer Wahlkampfchef Paul Manafort, hieß es weiter.

mxw/dpa



insgesamt 164 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
seit1958 20.05.2017
1. Dann ist ja noch etwas Zeit
um ein paar mehr Indiskretionen in die Öffentlichkeit streuen. Mal sehen ob die Aussagen dann der Sargnagel für die Trump Administration bedeuten. Comey selbst sollte sich bis dahin nicht unbedingt allein im Straßenverkehr bewegen.
frankfurtbeat 20.05.2017
2. irgendwie ...
irgendwie schon seltsam das ganze Theater. Gäbe es bereits dies eindeutigen Hinweise wären diese längst publiziert worden und die Verantwortlichen festgenagelt. Anscheinend gibt es aber bisher nur Vermutungen welche vom anderen Lager politisch genutzt werden. Man mag kein Freund von Donald sein aber wenn permanent Vermutungen in den Raum geworfen werden müssen irgendwann stichfeste Resultate auf den Tisch kommen. Ansonsten ist dies lediglich als billige Racheaktion zu sehen ... also raus mit den Fakten dann glaubt man euch - ansonsten besser riúhig bleiben.
micromiller 20.05.2017
3. Wäre auch sinnvoll
wenn Comey zu dem permanenten Geheimnisverrats der Regieungsinterna an die 3 großen Antitrump Medien der USA befragt werden würde. Die Medien scheinen über Informationskanäle zu verfügen, die in jede Phase der Trumpadministration hinein reichen und die Welt im 24 Stunden Takt, mit neusten schlimmsten Vermutungen, Annahmen und Imterprtationen versorgen.
kobmicha 20.05.2017
4. Wie im richtigen Leben.
Wenn ein hochrangiger Manager aus einem Betrieb entlassen wird. Der glaubt besser zu sein als der Cheff. Da wird schmutzige Wäsche gewaschen ohne Ende. Und in diesem Fall stürzt sich die Presse auf jede negative Aussage,ob wahr,belegbar oder spekulativ. Und wenn sie auch nur aus eigenen Aufzeichnungen stammen. Sind doch die Journalisten auch von Trump aus ,dessen "Wahrnehmung",entlassen worden. Also zwei in einem Boot.
Hermes75 20.05.2017
5.
Zitat von seit1958um ein paar mehr Indiskretionen in die Öffentlichkeit streuen. Mal sehen ob die Aussagen dann der Sargnagel für die Trump Administration bedeuten. Comey selbst sollte sich bis dahin nicht unbedingt allein im Straßenverkehr bewegen.
Zum Verständnis: Die Informationen aus den Gesprächen zwischen Trump und Comey stammen aus Memos die Comey schon vor Monaten angefertigt und verteilt hat. Er selbst hat bisher nichts "geleakt", das waren seine Vertrauten die diese Memos in Verwahrung haben. Zusätzlich sind alle Memos im internen Archivsystem des FBI gespeichert. Selbst wenn Comey morgen tot umfällt werden seine Auszeichnungen schließlich an die Öffentlichkeit kommen, er hat sich dort mehrfach abgesichert und diese Memos, zeitnah angefertigt von einem FBI-Agenten werden von jedem Gericht der USA als Beweismittel anerkannt. Comey mag Kritiker haben, aber selbst die Republikaner würden seine Glaubwürdigkeit nicht in Zweifel ziehen. Er ist seit Jahren bekannt dafür extrem penibel bei seiner Arbeit zu sein. Wenn in den Memos steht was berichtet wurde (und das ist wahrscheinlich), dann hat Trump ein gewaltiges Problem.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.