Trump und Russland Obamas Gift

Immer neue Russland-Details belasten Donald Trump, sein Justizminister gerät wegen zweier Treffen mit dem russischen Botschafter schwer unter Druck. Ein Manöver Barack Obamas wird für die neue Regierung zum Fluch.

Auslage eines Geschenkeladens in Moskau
REUTERS

Auslage eines Geschenkeladens in Moskau

Von , Washington


Ein Bild aus den Tagen nach der Wahl: Donald Trump und Barack Obama sitzen einträchtig im Weißen Haus. Sie lächeln zwischendurch, geben sich vor den Kameras die Hand. Ein Termin, der den Eindruck vermitteln soll, der Machtübergang werde kollegial verlaufen. Misstrauen? Keineswegs.

Das war schon damals schwer zu glauben. Im Rückblick wirken diese Bilder regelrecht komisch.

Donald Trump und Barack Obama in Washington am 10. November 2016
REUTERS

Donald Trump und Barack Obama in Washington am 10. November 2016

Donald Trump steckt mitten in einem großen Russland-Schlamassel. Es geht - mal wieder - um die Frage, ob und über wen er sich im Wahlkampf aus Moskau Hilfe holte, und dass er das Thema nicht loswird, hat viel mit seinem Vorgänger zu tun. Obama, das ist inzwischen klar, saß in seinen letzten Amtstagen auf etlichen vertraulichen Erkenntnissen der US-Geheimdienste, wonach Trumps Kontakte nach Russland stärker waren als von ihm geschildert. Der scheidende Präsident konnte die Informationen nicht einfach öffentlich machen - aber sie nur Trump überlassen, damit der sie womöglich verschwinden lässt? Auch keine gute Idee.

Die Lösung: Obamas Helfer erweiterten den Kreis der Mitwisser, indem sie die Details von Trumps Russland-Verbindungen schnell noch in Ministerien und anderen Zweigstellen der Regierung hinterlegten. Die "New York Times" machte die Aktion in dieser Woche öffentlich, aber seit Wochen schon sind die Folgen dieses Schritts zu besichtigen. Fast täglich landen pikante Trump-Details in den Redaktionsstuben der Hauptstadtpresse - und es spricht einiges dafür, dass auch die neuste Affäre mit Obamas Manöver zu tun hat.

Der Fall Sessions

Sie betrifft Jeff Sessions, einen der wichtigsten Männer in Trumps Welt. Der Justizminister, so sickerte nun völlig unvermittelt durch, traf sich vor der Wahl zwei Mal mit dem russischen Botschafter. Jenem Mann also, mit dem auch Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn mehrfach sprach. Das Heikle daran ist, dass Sessions erstens schon früh ein wichtiger Unterstützer Trumps war und zweitens bei seiner Anhörung im Senat unter Eid versicherte, im Wahlkampf niemals Kontakt zu russischen Vertretern gehabt zu haben.

Der Minister steht nun gewaltig unter Druck. Die Demokraten rufen nach Rücktritt, Parteifreunde sind irritiert. Am Donnerstagnachmittag beruft er hektisch eine Pressekonferenz ein. Sessions beteuert sichtlich verunsichert, er habe den Botschafter nicht in seiner Funktion als Trump-Unterstützer getroffen sondern als Senator. Aber warum hat er die Gespräche dann nicht gleich öffentlich gemacht? Im Rückblick, so Sessions, wäre das vielleicht besser gewesen.

Der Justizminister will sich nun aus allen Ermittlungen von Trumps Russland-Verbindungen heraushalten. Aber viele Fragen sind offen, darunter jene, ob er allein handelte oder auf Geheiß von Trumps Mannschaft und ob er andere russische Vertreter traf. "Ich glaube nicht", sagt Sessions auffallend vorsichtig.

Mit einer Reihe von Twitter-Nachrichten meldete sich Trump zu dem Fall zu Wort. Jeff Sessions sei ein ehrlicher Mann und habe nichts Falsches gesagt, schrieb der Präsident. "Er hätte seine Antwort genauer darlegen können, es war aber eindeutig keine Absicht", führte Trump fort. Die oppositionellen Demokraten wollten nur nach der verlorenen Präsidentenwahl das Gesicht wahren und überspannten dabei den Bogen. "Sie haben die Wahl verloren, und nun leiden sie unter Realitätsverlust." Das wahre Thema sei die illegale Weitergabe vertraulicher Informationen, twitterte Trump und fügte hinzu: "Es ist eine totale 'Hexenjagd!'"

Wer weiß schon, was da noch kommt? Auch Flynn rechnete wohl kaum damit, dass er über Durchstechereien stolpern würde. Der Sicherheitsberater wurde letztlich der Lüge überführt, weil in Behörden Abschriften von Telefonaten mit dem russischen Botschafter kursierten. Wer hat die Information über Sessions Treffen mit demselben Mann weitergegeben? Die Geheimdienste? Oder womöglich die eigenen Leuten im Justizministerium?

Überall herrscht in der US-Regierung dieser Tage Misstrauen, im Weißen Haus sind sie hochnervös. Am Donnerstagabend plötzlich neue Berichte: Zwei Vertraute Trumps sollen sich am Rande des Parteitags in Cleveland ebenfalls mit dem russischen Botschafter getroffen haben. Mit jedem neuen Detail erhärtet sich der Verdacht, das Team Trump habe im Wahlkampf heimlich mit dem Kreml kooperiert, um Hillary Clinton zu besiegen. Und je besser sich dieser Verdacht belegen lässt, desto stärker könnte die Legitimität des Präsidenten beschädigt werden. Das ist das Problem.

Viele neue Fragen

Und Obamas Gift dürfte weiter tröpfeln. Mehrere Behörden ermitteln im Hintergrund, wie die Kontakte zwischen Trumps Leuten und Moskau genau aussahen. Kurz vor den Sessions-Vorwürfen wurden weitere Erkenntnisse bekannt, die Fragen nach sich ziehen. So hielt das FBI offenbar den Ex-Agenten, der jenes Dossier über Trump anfertigte, in dem unter anderem von einer Sause mit russischen Prostituierten die Rede war, für so glaubwürdig, dass die Behörde ihn beschäftigen wollte. Stimmen also auch die Details des Dossiers?

Öffentlich wurde in dieser Woche auch, dass ausländische Geheimdienste ihren US-Partnern vor der Wahl Informationen über vertrauliche Treffen zwischen Trumps Leuten und Russen in Europa steckten. Wann und wo fanden die Treffen statt? Und zu welchem Zweck wurden sie angesetzt? Es gibt unzählige Rechercheansätze, für Investigativjournalisten sind es goldene Zeiten.

Trump ist schwer genervt vom unaufhörlichen Strom an Meldungen aus dem Inneren seiner Behörden. Über seine Rede am Dienstag vor dem Kongress spricht niemand mehr. Sein Besuch auf einem Flugzeugträger am Donnerstag geht im Sessions-Drama unter. Der Präsident will nun die Jagd auf anonyme Informanten verstärken. Aber ob ihm das hilft? Die Masse an auf Regierungsquellen beruhenden Berichten zeigt, wie viele Fährten Obamas Leute kurz vor Schluss gelegt haben könnten.

Der Kongress dürfte bald noch weiter nachhelfen. Denn mit jedem Tag und jeder neuen Enthüllung wird nun ein unabhängiger Prüfausschuss wahrscheinlicher. Die Demokraten drängen seit Langem darauf. Auch einzelne Republikaner zeigen sich nun offen. Für Trump wäre das schlecht: Der Fall ließe sich von seinen Leuten nicht mehr lenken. Die Regie führten dann andere.



insgesamt 468 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
muellerthomas 03.03.2017
1.
Wie vor der Wahl erwartet: Die Trump-Regierung ist ein einziger heuchlerischer, inkompetenter Sauhaufen, der nur dank Hilfe des russischen Regimes gewonnen hat. Vermutlich sehen wir bisher nur die Spitze des Eisbergs, das volle Ausmaß wird frühestens nach dem möglichst schnellen Ende dieser "Regierung" ans Licht kommen.
solltemanwissen 03.03.2017
2.
Ach so ein Meineid... ist doch nicht so schlimm... Trump und seine Anhänger sind nicht nur die mit Abstand größten Lügner, die es jemals in der Politik gab, sondern auch die größten Heuchler.
guentherzaruba 03.03.2017
3. Alte Themen treten in den Hintergrund....
... zum Beispiel, Die Steuererklärung.... WAS ist damit ?? Das war doch ein Super Thema.
andreas.s 03.03.2017
4. Wenn es so war,
dann war es ein cleverer Schachzug. Allerdings lässt Trumps Persönlichkeitsstruktur befürchten, er könne sich durch die Leaks so weit in die Ecke gedrängt fühlen das er einen "Reichstagsbrandmoment" inszenieren lässt oder einen erdoganischen Putsch.
frenchie3 03.03.2017
5. Wieso von Obama?
Kann ja auch sein daß ein paar Aufrechte mit dem Ablauf der Wahlen und der Ausführung des Amtes unter schmutzigen Bedingungen nicht einverstanden sind. Aber wer auch immer es war und ist: feste druff, schön wenn es auch mal lügende Politiker trifft. Übrigens: guten Appetit Donnie, schmeckt sie, die eigene Medizin?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.