Rechtsanwalt Marc Kasowitz Trumps treuer Pitbull

Ob Scheidung, Casino-Pleite oder Grapsch-Vorwürfe: Wenn es eng wird für Donald Trump, ist Marc Kasowitz zur Stelle. Doch in der Russlandaffäre könnte der Anwalt des US-Präsidenten an seine Grenzen stoßen.

Marc Kasowitz
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Marc Kasowitz

Von , New York


Täglich gibt es neue Enthüllungen in der Russlandaffäre um Donald Trump. Die jüngste: Sonderermittler Robert Mueller nehme den US-Präsidenten nun auch direkt unter die Lupe. Trump schießt via Twitter zurück - und über seinen Rechtsanwalt: Dass solche Interna durchsickerten, ließ Marc Kasowitz von seinem Sprecher erklären, sei "unentschuldbar und illegal".

Zwei Dinge sind daran bemerkenswert. Erstens: Selbst der Anwalt hat einen Sprecher, so haarig ist das alles. Zweitens: Nicht den Inhalt der Meldungen greift Kasowitz an, sondern dass die Interna publik werden - ein klassisches Ablenkungsmanöver.

Diese Taktik beherrscht Kasowitz, 64, bestens. Der New Yorker Jurist, der Trump seit 15 Jahren vertritt, bellt laut, beißt aber selten - und wenn, oft ohne Erfolg. Doch darum geht's ihm auch nicht. Er operiert so: den Gegner diskreditieren, notfalls ruinieren, bevor die Wahrheit ans Licht kommt.

Damit wurde Kasowitz im Lauf seiner Karriere - er vertrat so umstrittene Klienten wie den geschassten Fox-News-Star Bill O'Reilly - zum "härtesten Anwalt der Wall Street" (CNBC), zum "Überanwalt" (Bloomberg) - und nun also zu Trumps letzter Bastion im ausufernden Russlandskandal.

Eigentlich hat der Präsident ein vom Steuerzahler finanziertes Anwaltsteam. Doch Trump heuerte Kasowitz jetzt mutmaßlich auf eigene Kosten an, zum Stundensatz von 1500 Dollar. Will heißen: Die Dinge haben sich derart brisant entwickelt, dass Trump nur noch seinem loyalsten, skrupellosesten Pitbull vertraut.

Der ist jedoch, wie sich schnell zeigt, unerfahren auf Washingtons politischem Parkett, das etwas glatter poliert ist als die Gerichtssäle New Yorks. Es ist also fraglich, ob Kasowitz' rüde Methoden auch weiter Erfolg haben.

Die meisten Amerikaner hörten erstmals im Oktober 2016 von Kasowitz, als er einen Brief an die "New York Times" (NYT) schrieb: "Ihr Artikel ist unverantwortlich, diffamierend und verleumderisch." Sollte die Zeitung den Bericht nicht widerrufen, werde er sie wegen Rufmords verklagen. In dem besagten Artikel beschuldigten zwei Frauen Trump, sie sexuell belästigt zu haben. Doch die NYT widerrief nichts: Trumps Ruf sei so schlecht, dass man den gar nicht noch mehr schädigen könne, antwortete der Justiziar der Zeitung, David McCraw. Kasowitz klagte nie, es blieb beim Bluff.

Ein vertrautes Muster. Schon vor seinem politischen Aufstieg galt Trump, nicht zuletzt dank Kasowitz, als der prozessfreudigste Prominente Amerikas - ob in Form tatsächlicher Klagen oder nur durch deren öffentliche Androhung.

Kasowitz setzte durch, dass Trumps erste Scheidung unter Verschluss blieb und Medien keinen Einblick in Gerichtsakten erhielten, er steuerte Trump durch die Insolvenzen seiner Casinos. 2009 formulierte er die Verleumdungsklage Trumps gegen den Journalisten Timothy O'Brien, der behauptet hatte, Trump sei nur ein Millionär. Ein Richter wies die Klage zwei Jahre später ab - aber erst, nachdem Trump sich unter Eid zu der Aussage hatte verleiten lassen, er stelle den Wert seines Vermögen "gefühlt" fest, je nach "Lage der Welt".

Donald Trump
AP

Donald Trump

Ab 2013 vertrat Kasowitz seinen prominentesten Klienten im Verfahren, das ehemalige Studenten der sogenannten Trump University angestrengt hatten. Im Wahlkampf beschimpfte Trump den zuständigen Richter Gonzalo Curiel, einen gebürtigen US-Bürger, als mexikanischen "Hasser". Der Fall wurde kurz nach der Wahl beigelegt, Trump zahlte den Klägern 25 Millionen Dollar.

Obwohl kein Regierungsangestellter, mischt sich Kasowitz offenbar schon länger auch in die Politik ein. So prahlte er nach Informationen der Investigativ-Website "ProPublica", Trump bewegt zu haben, den New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara zu feuern, obwohl Trump dem versprochen hatte, ihn im Amt zu halten. Bharara ermittelte demnach gegen Trumps Gesundheitsminister Tom Price, der mit Pharma-Aktien gehandelt haben soll, außerdem gegen den verstorbenen Fox-News-Gründer Roger Ailes, einen Freund Trumps, sowie gegen andere Figuren im Dunstkreis Trumps.

Preet Bharara
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Preet Bharara

Als Kandidat für Bhararas Nachfolge wird Edward McNally gehandelt, ein Kanzleipartner von Kasowitz. Kasowitz selbst soll vorübergehend als neuer US-Justizminister im Gespräch gewesen sein.

Auch mit Russland hat Kasowitz juristische Erfahrung. Zu seinen weiteren Klienten zählen die russische Sberbank, die von den US-Sanktionen betroffen ist, und der Oligarch Oleg Deripaskadie, ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin und einst der reichste Mann Russlands.

Wie erfolgreich Kasowitz nun gegen Sonderermittler Mueller sein wird, entscheidet sich am Ende daran, ob er Trump bändigen kann. Manchmal gelingt es ihm, dessen Twitter-Tiraden zu stoppen - doch immer nur kurz. Am Ende ist der US-Präsident selbst sein schlimmster Gegner.



insgesamt 48 Beiträge
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emobil 16.06.2017
1. Dafür...
... hält man sich doch wohl einen Pitbull, oder? "Nichts macht die Menschen so unverträglich wie das Bewußtsein, genug Geld für einen guten Rechtsanwalt zu haben."
jujo 16.06.2017
2. ...
Kasovitz ist um seinen Klienten nicht zu beneiden. Für den Stundensatz kann man die Schmerzgrenze aber schon ganz schon hoch ansetzen.
Hermes75 16.06.2017
3.
Hinweis: Der Anwalt des Weißen Hauses ist dafür zuständig das Amt des Präsidenten zu vertreten, nicht die Person die das Amt innehat. Wenn der Präsident angeklagt wird gegen seine Amtspflichten zu verstoßen, dann steht der Anwalt des Weißen Hauses nicht auf der gleichen Seite wie Herr Trump - deshalb braucht Herr Trump einen privaten Rechtsbeistand. Dass Herr Trump sich auf einen Herrn Kasowitz verlässt liegt daran, dass ihn mehrere große Anwaltskanzleien als Klienten abgelehnt haben. Die Gründe hierfür waren: 1. Trump ist beratungsresistent und wird sich nicht an das halten, was die Anwälte ihm raten. 2. Trump hat in der Vergangenheit schon öfter seine Anwälte nicht bezahlt. 3. Die Kanzleien haben Sorge um ihren Ruf die Möglichkeit in Zukunft gutes Personal zu bekommen, wenn sie einen Donald Trump verteidigen.
hefe21 16.06.2017
4. Kursiv
"aber erst, nachdem Trump sich unter Eid zu der Aussage hatte verleiten lassen, er stelle den Wert seines Vermögen "gefühlt" fest, je nach "Lage der Welt"." Was heisst "verleiten", genau so werden "Reichtümer" an Märkten bewertet. Je nach Weltlage kulminiert das dann als "Kurs", der in Wahrheit einfach ein vermuteter zu finanzierender Preis bei einem Verkauf ist. In dieser Hinsicht ist Trump der Forbesklamauklistenhörigen Presse an Einsicht voraus. Das Kassowitz(igste) an der bald zweijährigen Dauerbeschäftigung mit der tollen Tolle ist der geschätzt 80%ige Anteil an Namen der Söhne Moses in seiner Umgebung. Das allgemeine aber unbeschreibliche Unbehagen hängt vielleicht auch an dieser traditionellen Massierung einer Bevölkerungsgruppe an den politwirtschaftlichen Schalthebeln der Weltmacht.
thomas haupenthal 16.06.2017
5. Also....
"seither verstorben", das ist wirklich putzig! Wacht er also irgendwann wieder auf? Ausserdem heisst es immer noch "bewogen" und nicht"bewegt". Es ist ja offensichtlich, dass SPON mit der deutschen Sprache zuweilen auf Kriegsfuss steht, macht nichts, das geht mittlerweile vielen so, aber ich frage mich oft, ob sich die Autoren die Texte wenigstens einmal durchlesen, bevor sie sie in Umlauf bringen. Oder haben sie dafuer keine Zeit?
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