Trumps Europa-Trip Reise ins Ich

Er hat die Queen getroffen, May und Macron; er hat beim D-Day-Gedenken dabeigestanden und in Irland Golf gespielt: Seine jüngste Europareise machte offenbar, wie trumpzentristisch und geschlossen Donald Trumps Weltbild ist.

Donald Trump besucht die Grenadier-Garde beim Buckingham Palace: Chaos-Politik
Toby Melville/ AP

Donald Trump besucht die Grenadier-Garde beim Buckingham Palace: Chaos-Politik

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Donald Trump ist zurück. Der US-Präsident ist am Freitag im Weißen Haus eingetroffen, statt englischem Tee darf es jetzt wieder Diet Coke sein.

Fünf Tage war Trump unterwegs, für ihn eine Ewigkeit: Er verabscheut Reisen in unvertraute Gefilde mit unvertrauter Kost, das weiß man mittlerweile, erst recht zu Terminen, bei denen er nicht im Mittelpunkt steht. Und genau das war diese Woche der Fall, es ging um Europa, um Geschichte, ums Gedenken.

Ein paar Millionen Dollar hat es gekostet, ihn und seine Entourage über den Atlantik zu bringen und zurück, ihm Speeddates mit Theresa May und Emmanuel Macron zu verschaffen und einen Abstecher zu seinem Golfklub in Irland zu ermöglichen.

Der will doch nur dealen

Bei dieser Reise muss sich dem letzten Beobachter offenbart haben, worauf Trumps affektgetriebene Chaos-Politik fußt: Alles, wirklich alles, dreht sich um ihn selbst. In dieser trumpzentristischen Welt kennt jede Kommunikation, ob zwischenmenschlich oder zwischenstaatlich, nur zwei mögliche Endpunkte: Entweder es gibt einen Deal - oder es gibt keinen Deal. Es ist eine Welt, in der man sich auf das Wort des anderen nicht verlassen darf.

Die EU, sagte Trump zu May, habe er verklagt wie eine lästige Bank. Im Brexit sieht er lediglich eine Finanztransaktion. Und ansonsten bleibt er fixiert auf Strafzölle, anscheinend das einzige Werkzeug, mit dem die USA aus seiner Sicht Diplomatie betreiben sollten. Auch die Nato-Partner rügte er erneut: Sie zahlten nicht genug für den Schutz durch die USA.

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75 Jahre D-Day: Erinnerungen an den Schrecken

Die Ich-Bezogenheit scheint im Ausland noch zuzunehmen: Die Blase aus Ja-Sagern, die ihn umgibt, wirkt noch undurchlässiger auf dieser Reise. Nichts darf die Illusion stören, die Welt respektiere ihn mehr als andere US-Präsidenten vor ihm. In London - dessen Bürgermeister ihn zur Persona non grata erklärte - legte er selbst kurze Strecken im Hubschrauber zurück und mied jeden Kontakt zu den Bürgern, selbst den Sichtkontakt soweit es ging. Die Massenproteste gegen ihn und seine Politik? Für Trump nur "Fake News". Zum Normandie-Festakt flog er von Irland ein, wo er in seinem eigenen Golfklub genächtigt hatte.

Ärgerlich für ihn, dass die Ja-Sager-Blase sich nicht auf europäische Medien erstreckt. "CNN ist die einzige Nachrichtenquelle hier", schimpfte er in London. "Alles negativ und so viel Fake News." Erst in der Normandie fand er in den Schoß von Fox News zurück: Im Live-Interview durfte er über Robert Mueller und Nancy Pelosi herziehen, bevor er die D-Day-Toten ehrte.

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Seine D-Day-Rede absolvierte er dann immerhin ohne Fauxpas. Zugleich drängte er sich am Rande der würdevollen Gedenkveranstaltung immer wieder in den Vordergrund.

Leere Worte

Auf dieser Reise zeigte sich auch, wie wenig Trumps Worte wert sind. Er bepöbelte Herzogin Meghan und leugnete das dann. Er beschwor die "besondere Beziehung" zu Großbritannien, dessen Spaltung er mit seinem Brexit-Jubel nur vorantreibt. Er sprach von "unzerbrechlichen" Banden mit der Nato, die er bei jeder Gelegenheit zersetzt. Er sprach vom D-Day-Horror und begrüßte einen Veteranen dann wie einen Lottosieger: "Herzlichen Glückwunsch!"

Die gute Nachricht: Es kam zu keiner Katastrophe, jedenfalls nach den Maßstäben, die man in Trump-Zeiten anlegt. Sicher, er bereitet sich auf nichts vor, weder auf die große Politik noch auf protokollarische Details. Über das geplante Handelsabkommen mit Großbritannien wusste er so wenig, dass Theresa May ihn vor laufenden Kameras korrigieren musste. Und als die Queen ihn herumführte, auf ein Zinnpferd deutete und fragte, ob er es erkenne, verneinte Trump - dabei hatte er es ihr geschenkt.

Die schlechte Nachricht: Dass man solche Maßstäbe anlegen muss.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Trump habe während seiner fünftätigen Europareise zum D-Day in Schottland Golf gespielt. Tatsächlich übernachtete er in einem Trump-Hotel im irischen Doonbeg, wo er auch ein paar Bälle schlug.



insgesamt 178 Beiträge
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Seite 1
dolfi 08.06.2019
1. Alles alte News
Was es zu und über Trump zu sagen gibt würde alles schon dutzende Male gesagt. Jede Zeile, auch diese, stützt Trumps Ego, weil sich alles um ihn dreht, ob Fake oder Fox. Also bitte, aufhören über Trump-News zu berichten. Und zwar völlig.
Mehrleser 08.06.2019
2.
Ich habe einen Traum: SPON & Co berichten nur noch darüber, was Herr Trump tatsächlich politisch tut. Keine Schlagzeilen mehr über seine Twitterfürze, keine Artikel mehr über seine Dumpfsprüche. Einfach nur über die Netto-Ergebnisse berichten. Das würde uns allen gut tun - ok, sind natürlich ein paar Millionen Klicks weniger...
n.strohm 08.06.2019
3.
Trump sieht um sich herum nur das Kuckucksnest und meint er fliegt drüber. Alle Insassen folgen ihm und seinen neuen Ideen willfährig und begeistert. Das ist wie er wahrgenommen werden will und wie er sich selbst sieht. Das macht ihm Spass Als Narzist kann er nicht sehen, dass er selbst Insasse ist. "Lock him up"
fungel99 08.06.2019
4. Puren Frust
liest man aus jeder Zeile dieses dümmlichen Kommentars. Hab von Hr. Pitzke aber auch nichts anderes erwartet.
Antila 08.06.2019
5. Ignorieren Sie den.
Jeder Gedanke über den ist Zeit-Verschwendung.
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