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Krise am Persischen Golf Amerikas brandgefährliches Kräftemessen mit Iran

Die USA rüsten in der Golfregion massiv auf, die Geheimdienste befürchten offenbar Anschläge. Iran hat eine teilweise Abkehr vom Nuklearabkommen mit dem Westen verkündet. Wie groß ist die Kriegsgefahr?

Mehr diplomatisches Drama geht kaum: Erst sagte US-Außenminister Mike Pompeo völlig überraschend eine Visite in Berlin ab, "aufgrund dringender Angelegenheiten", wie es hieß. Dann flog er mit seinem Flugzeug von Finnland aus zu einem geheimen Ziel. Und plötzlich tauchte er nach mehreren Stunden wieder auf: in Bagdad. Dort traf sich Pompeo mit irakischen Regierungsvertretern.

Die Hauruck-Aktion passt zur derzeitigen Politik der US-Regierung im Nahen und Mittleren Osten. Präsident Donald Trump, Außenminister Pompeo und ihre Berater schalten in den Krisenmodus: Schritt für Schritt scheinen die USA auf eine weitere Eskalation des Konflikts mit Iran zuzusteuern. Sogar eine direkte militärische Auseinandersetzung ist nicht mehr ausgeschlossen.

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Es ist ein brandgefährliches Pokerspiel: Mit immer schärferer Rhetorik und immer härteren Sanktionen will Washington dem Regime in Teheran seinen Willen aufzwingen. Teheran wiederum schaltet - noch - auf stur.

Der Forderungskatalog der Amerikaner ist lang: Iran soll nicht nur sofort die massive Einmischung in regionale Konflikte wie im Jemen oder in Syrien beenden, sondern auch der Entwicklung von ballistischen Raketensystemen abschwören. Ziel sei es, dass sich Iran endlich wie eine "normale Nation" verhalte, sagt Pompeo.

Öl-Sanktionen setzen Teheran zu

Iran gerät durch die Sanktionen spürbar unter Druck. Vor allem die Entscheidung der USA, vom 1. Mai an praktisch den gesamten Ölhandel des Landes zu blockieren, setzt den Mullahs zu. Die Iraner halten gleichwohl weiter dagegen: Man werde sich vor "wirtschaftlichem Terrorismus" zu schützen wissen, heißt es aus Teheran trotzig.

Heute hat Irans Präsident Hassan Rohani eine erste - wenn auch sehr begrenzte - Abkehr seines Landes von dem Nuklearabkommen verkündet, das sein Land noch unter Präsident Barack Obama unterzeichnet hatte. Nachdem sich die USA unter Donald Trump vor genau einem Jahr einseitig aus dem Nukleardeal verabschiedet hatten, wollte Iran zunächst eigentlich voll und ganz an der Vereinbarung festhalten. Doch damit ist nun Schluss.

Zwar werde man sich weiterhin im Grundsatz an das Abkommen halten, sagte Irans Außenminister Mohammad Zarif. Jedoch sollten einige "freiwillige" Zusagen seiner Regierung in dem Abkommen zurückgenommen werden.

Irans Außenminister Mohammad Zarif

Irans Außenminister Mohammad Zarif

Foto: Carlo Allegri/ REUTERS

Dazu passt, dass sowohl in Teheran als auch in Washington das Säbelrasseln immer lauter wird. In Iran drohen Offizielle in diesen Tagen damit, die für den weltweiten Ölhandel wichtige Straße von Hormus zu blockieren. Als der Nachbarstaat Bahrain jüngst Protest dagegen anmeldete, erklärte ein iranischer Regierungsvertreter auftrumpfend, das kleine Land solle sich gefälligst nicht mit einem Staat anlegen, "der viel größer ist".

Die Amerikaner wiederum haben den Flugzeugträger Abraham Lincoln und mehrere Begleitschiffe vom Mittelmeer an den Persischen Golf verlegt. Der Einsatz war wohl bereits seit längerer Zeit geplant, wurde nun aber beschleunigt. Außerdem sollen zusätzliche US-Bomber vom Typ B-52 in der Region stationiert werden.

Plant Teheran Anschläge?

Die genauen Hintergründe für die militärische Machtdemonstration der Amerikaner sind unklar. Stück für Stück sickern auf amerikanischer Seite jedoch Informationen über angebliche Geheimdiensterkenntnisse durch, nach denen Iran oder mit Iran verbündete Gruppierungen Angriffe auf amerikanische Einrichtungen in der Region planen sollen. Konkret wurde im US-Sender CNN über die Lieferung von Raketen auf Segelbooten aus Iran in Richtung Irak berichtet. Im Irak gibt es mehrere von Iran unterstützte Milizen, gleichzeitig sind dort immer noch insgesamt 5000 US-Soldaten stationiert.

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Beim Blitzbesuch von US-Außenminister Mike Pompeo ging es deshalb wohl auch darum, die irakische Regierung über die amerikanischen Geheimdiensterkenntnisse ins Bild zu setzen. Der Irak solle in die Lage versetzt werden, die Amerikaner im Land ausreichend zu schützen, sagte Pompeo.

Die Amerikaner lassen keinen Zweifel daran, dass sie im Falle eines Angriffs auf US-Einrichtungen in der Region sofort mit einem Vergeltungsschlag reagieren würden. Daraus könnte sich innerhalb kürzester Zeit ein Krieg entwickeln. Vor allem der Sicherheitsberater im Weißen Haus, John Bolton, gilt seit Langem als Anhänger einer besonders harten Linie gegenüber dem Regime in Teheran. Ihm ist zuzutrauen, dass er wohl vor einem Waffengang nicht zurückschrecken würde.

Donald Trump und John Bolton im Weißen Haus

Donald Trump und John Bolton im Weißen Haus

Foto: NICHOLAS KAMM/ AFP

Ob am Ende auch sein Chef Donald Trump zu einem Großkonflikt bereit wäre, darf bezweifelt werden. Auch Trump weiß: Ein Krieg in der hochsensiblen Region würde die globale Wirtschaft massiv erschüttern und könnte so auch den Aufschwung in den USA gefährden.

Zudem hat Trump bereits in seinem Wahlkampf immer wieder deutlich gemacht, dass er von militärischen Aktionen der USA im Grundsatz nichts hält. Seine Anhänger sind - wie die meisten Amerikaner - eher kriegsmüde.

Allerdings sollte sich auch niemand allzu sicher sein, dass Trump gegenüber Iran nur blufft. Wenn bei ihm eine Sache berechenbar ist, ist es seine Unberechenbarkeit. Das wissen sie auch in Teheran.