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21. August 2016, 20:51 Uhr

Trump umgarnt schwarze Wähler

Wundersame Wandlung

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Wegen seiner Hasstiraden ist Donald Trump bei schwarzen Amerikanern unbeliebt. Nun versucht er es mit einer Charmeoffensive - doch die wirkt plump und beleidigend. Hinzu kommt: Weiße Rassisten fühlen sich von ihm inspiriert.

Bescheidenheit war nie die Sache des Donald Trump. Wenn er jetzt schwarze Wähler umgarnt, tut er das in gewohnt bombastischem Ton: 95 Prozent der Afroamerikaner würden ihn am Ende seiner Amtszeit als US-Präsident unterstützen, glaubt er. Dafür müsste er natürlich erst einmal ins Oval Office einziehen, was angesichts neuer Umfragen immer unwahrscheinlicher wird.

Daher nun ein Strategieschwenk. Am Samstag sagte Trump in Virginia, die Republikaner hätten Afroamerikaner bislang nicht überzeugen können. "Wir müssen uns da verbessern." Man wolle eine Partei sein, die alle willkommen heiße. Das klang vernünftig, aber so gar nicht nach dem Trump der vergangenen Monate.

Nicht nach dem Trump, der mit Ausfällen gegen Minderheiten punkten will, der Muslime herabwürdigt und seine Kandidatur mit Hasstiraden auf Latino-Einwanderer begann. Schwarze Amerikaner hat er nicht explizit beleidigt, aber der Populismus mit rassistischen Untertönen hat sie verschreckt. Er hat auch wenig dafür getan, dass ihre Sorgen und Ängste gehört werden.

Entsprechend holzschnittartig bis beleidigend geriet sein Appell an schwarze Wähler am Freitag: "Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr etwas Neues ausprobiert - wie Trump? Ihr lebt in Armut, eure Schulen sind nicht gut, ihr habt keine Jobs, 58 Prozent eurer jungen Leute sind arbeitslos - was zum Teufel habt ihr zu verlieren?"

Trump hielt seine Rede vor einem Saal voller Weißer in dem Ort Dimondale, wo 92,7 Prozent der Einwohner weiß und 0,7 Prozent schwarz sind. "Schlechter hätte Donald Trump es nicht machen können", urteilte die liberale "Washington Post".

"Wie ein Double Whopper mit Speck"

Trump den schwarzen Wählern schmackhaft zu machen, "das ist ähnlich schwierig wie einen Veganer davon zu überzeugen, sich von Double Whopper mit Speck zu ernähren", spottet das afroamerikanische Onlinemagazin "The Root". Selbst der konservative Kanal Fox News schrieb trocken, die schwarzen Wähler stünden seit Dekaden hinter den Demokraten, "und in diesem Jahr scheint das nicht anders zu sein".

Tatsächlich schlägt Trump große Ablehnung von schwarzen Wählern entgegen. Eine Umfrage von "Washington Post" und ABC News sah die Ablehnung gar bei mehr als 90 Prozent. Dagegen hatten 71 Prozent der befragten schwarzen Wähler ein positives Bild von Rivalin Hillary Clinton.

Die republikanische Partei fürchtet - auch dank Trump - um ihr Image. Bereits Anfang August hat die Partei ein Team von schwarzen Polit-Experten geholt, um gezielt Afroamerikaner anzusprechen. "To reconnect" nennen Amerikaner das - wieder eine Beziehung aufzubauen.

Denn das haben Trump und die Republikaner bislang stark vernachlässigt. Zwar hielten bei dem Parteitag im Juli viele Afroamerikaner Reden. Aber von den 2472 Delegierten, rechnete die "New York Times" vor, waren nur 18 Schwarze.

Ihre Interessen kommen bei Trump praktisch nicht vor. All das in einer Zeit, da sich der Konflikt zwischen Weißen und Schwarzen in den USA verschärft hat.

Doch mit der Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter" zeigte Trump bislang wenig Mitgefühl - im Gegenteil. Die Aktivistengruppe habe die Polizistenmorde angestachelt, so Trump. Auf dem Parteitag ließ er einen Polizeichef auftreten, der klare Positionen vertrat: Rassismus in der Polizei? Gibt es nicht! Die Bewegung "Black Lives Matter"? Reine Hassideologie! Barack Obama? Ein Lügner!

Neues Wahlkampfteam, neue Hasstiraden

Trump stachelt die Öffentlichkeit an, statt sie zu beruhigen. Mit seinem neuen Wahlkampfteam dürfte sich der Ton noch verschärfen. Vergangene Woche schasste er seinen früheren Wahlkampfchef Paul Manafort, der versucht hatte, seine täglichen Tiraden einzudämmen. Neuer Boss ist Steve Bannon, zuvor Leiter der rechtslastigen Website Breitbart.

Kritiker meinen, Bannon habe Breitbart zu einer "Plattform für rassistische, rechtsextreme und islamfeindliche Ideologien" gemacht. Auch Polemiken gegen Schwarze finden einen prominenten Platz auf der Seite. Artikel werden unter dem Schlagwort "Verbrechen von Schwarzen" eingeordnet, Aktivisten von "Black Lives Matter" als "Polizeikiller" gebrandmarkt. Gerade aber das Thema Polizeigewalt treibt die afroamerikanischen Gemeinden um. Trump habe Clinton somit einen Dienst erwiesen, meint "The Atlantic", indem er einen Mann in seinem Wahlkampf geholt habe, der bei dem Thema aufdrehen werde.

Weiße am ultrarechten Rand begrüßen das. So wie der Rassist Jared Taylor. Der neue Wahlkampfchef Bannon werde aus "Trump wieder Trump machen", so Taylor. Er ist Herausgeber des rechtsextremen Magazins American Renaissance und Autor des Buches "Weiße Identität. Rassisches Bewusstsein im 21. Jahrhundert".

Galten die Ultrarechten lange als Randphänomen, fühlen sie sich zurzeit im Aufwind. Trump bestärkt sie in ihren Ressentiments, er äußert rechtslastige Außenseiterpositionen zur besten Sendezeit. Er fühle sich von Trump "inspiriert", sagte vor wenigen Wochen auch der frühere Chef des Ku Klux Klan, David Duke, der sich um einen Sitz im US-Senat bewirbt.

Diese zweifelhaften Sympathiebekundungen für Trump wissen die Demokraten für ihren Wahlkampf zu nutzen. So schriebt Clintons Mitarbeiter Marlon Marshall bei Twitter: "Trump zweifelt die Staatsbürgerschaft des ersten schwarzen Präsidenten an, umwirbt weiße Rassisten und ist verklagt worden wegen Diskriminierung bei der Vergabe von Wohnungen."


Zusammengefasst: Donald Trump hängt in Umfragen hinter Hillary Clinton. Nun versucht er, schwarze Wähler für sich zu gewinnen - ob er damit erfolgreich ist, darf bezweifelt werden. Durch seine rechtspopulistischen Ausfälle hat er viele verschreckt, zudem hat er die Sorgen der Afroamerikaner bislang nicht ernst genommen. Sein neuer Wahlkampfchef war früher Leiter eines rechtslastigen Nachrichtenportals, das den Konflikt zwischen Schwarzen und Weißen noch schürt. Unterstützung erhält Trump auch von Ultrarechten wie dem früheren Ku Klux Klan-Chef.

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