Russland-Kontakte von Trumps Team Spuren in den Sumpf

Russland soll den US-Wahlkampf beeinflusst, Trumps Team Kontakte nach Moskau gehabt haben. Der Präsident bestreitet das, doch das FBI ermittelt. Alle wichtigen Enthüllungen und Vorwürfe im Überblick.

US-Präsident Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump

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Das FBI kommentiert laufende Ermittlungen nicht. Eigentlich. Nur in außergewöhnlichen Fällen mache man eine Ausnahme - etwa, wenn das öffentliche Interesse überwiege, erklärte Behördenchef James Comey vor dem Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses.

Eine ausländische Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf und die möglichen Absprachen zwischen dem Team von Donald Trump und Russland sind offenbar solch ein außergewöhnlicher Fall. Denn auch wenn Comey keine Details nannte, so stellte er doch klar, dass das FBI ermittelt.

Comeys Aussage vor dem Geheimdienstausschuss war der vorläufige Höhepunkt einer Affäre, die Donald Trump seit dem Wahlkampf verfolgt und die seine gesamte Präsidentschaft überschatten könnte. Die Entwicklungen im Überblick:

Vorwahlkampf 2015

16. Juni: Mit einer merkwürdigen Rede steigt Trump in den Präsidentschaftswahlkampf ein. Er will Kandidat der Republikaner werden, kaum jemand räumt dem umstrittenen Milliardär Chancen ein.

September: Bei einem Mitarbeiter eines Unternehmens, das sich um die Technik des Democratic National Committee (DNC) kümmert, geht ein mysteriöser Anruf ein: Ein Mann gibt sich als FBI-Agent aus und warnt, dass die Organisation der US-Demokraten eventuell gehackt wurde.

Michael Flynn und Wladimir Putin im Dezember 2015 in Moskau
REUTERS

Michael Flynn und Wladimir Putin im Dezember 2015 in Moskau

10. Dezember: Michael Flynn - den Trump 14 Monate später zu seinem Sicherheitsberater machen wird -, feiert in Moskau den zehnten Geburtstag des staatlichen Auslandskanals Russia Today (RT). Es bleibt nicht bei der Teilnahme: Flynn hält eine 40-minütige Festrede, für die er bezahlt wird. Neben ihm am Tisch sitzt der russische Präsident Wladimir Putin.

17. Dezember: Auf seiner jährlichen Pressekonferenz lobt Putin Trump. Der sei ein sehr talentierter Mensch und an der Spitze des Rennens - außerdem strebe er eine Vertiefung der Beziehungen zu Russland an. "Wie könnten wir das nicht begrüßen", sagt Putin. Trump erwidert das Kompliment, indem er Putin als hochrespektierten Mann bezeichnet.

Wahljahr 2016

Donald Trump und Paul Manafort
Getty Images

Donald Trump und Paul Manafort

März: Trumps Team nimmt Gestalt an: Er beruft den US-Senator Jeff Sessions in sein Sicherheitsteam und engagiert Paul Manafort. Im Juni rückt Manafort an die Spitze von Trumps Wahlkampfteam. Manafort hat mehrere Jahre lang den ukrainischen Präsidenten und Kreml-Freund Wiktor Janukowytsch beraten.

18. Mai: Der Direktor der US-amerikanischen Nachrichtendienste James Clapper erwähnt Hinweise auf Cyberattacken auf die Präsidentschaftswahl.

14. Juni: Das DNC teilt mit, dass die Partei Ziel russischer Hackerangriffe geworden sei. Einen Tag später veröffentlicht ein Hacker namens Guccifer 2.0 gestohlene Dokumente. Trump wirft den Demokraten vor, alles als Ablenkungsmanöver inszeniert zu haben.

18. bis 21. Juli: Beim Parteitag der Republikaner wird Trump zum Präsidentschaftskandidaten gewählt. Am Rande des dreitägigen Kongresses in Cleveland kommt Jeff Sessions zwei Mal mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak zusammen. In der Woche vor der Convention sollen sich bereits drei andere Sicherheitsberater Trumps mit Kisljak getroffen und ihm gesagt haben, dass sie auf bessere Beziehungen zu Russland hoffen.

22. Juli: Kurz vor dem Parteitag der Demokraten veröffentlicht die Plattform Wikileaks 20.000 E-Mails vom internen Parteiserver. Einige legen nahe, dass die Parteispitze im Vorwahlkampf Hillary Clinton bevorzugt und versucht habe, ihren linken Rivalen Bernie Sanders zu sabotieren - unter anderem mit Anspielungen auf seinen jüdischen Glauben. Die Veröffentlichungen vermasseln Clintons Parteitagsauftakt, dennoch wird sie später zur Präsidentschaftskandidatin gewählt.

Hillary Clinton beim Parteitag in Pennsylvania
AFP

Hillary Clinton beim Parteitag in Pennsylvania

25. Juli: Das FBI untersucht den Hackerangriff auf das DNC, "Daily Beast" berichtet, dass die Behörde Hacker der russischen Regierung verdächtige.

27. Juli: Trump ruft Russland quasi zu einem Hackerangriff auf die E-Mails seiner Kontrahentin Clinton auf. "Russland, wenn ihr zuhört. Ich hoffe, ihr schafft es, die 30.000 E-Mails zu finden, die verschwunden sind. Ihr würdet von unserer Presse dafür belohnt", sagt er wörtlich.

August: Der Name von Trumps Wahlkampfchef Manafort taucht bei Korruptionsermittlungen in der Ukraine auf. Einem Bericht der "New York Times" zufolge könnte er zwischen 2007 und 2012 bis zu 12,7 Millionen Dollar an Schwarzgeld von der Kreml-freundlichen Janukowytsch-Partei bekommen haben. Kurz nach diesen Enthüllungen und einem CNN-Bericht über Ermittlungen des FBI und Justizministeriums in dieser Sache verlässt Manafort das Team von Trump. "Ich bin sehr dankbar für seine großartige Arbeit, die uns dahin gebracht hat, wo wir heute stehen", teilt Trump mit und lobt ihn als "echten Profi". Für Manafort engagiert er Kellyanne Conway und Stephen Bannon.

Trumps Freund Roger Stone
REUTERS

Trumps Freund Roger Stone

September: Jeff Sessions empfängt den russischen Botschafter Kisljak in seinem Büro. Trump sagt dem russischen Staatssender, es sei unwahrscheinlich, dass sich Moskau in den US-Wahlkampf einmische und beschuldigt die Demokraten, diese Nachricht zu verbreiten. Den Vorwurf wiederholt er später bei der ersten Präsidentschaftsdebatte.

2. und 3. Oktober: Trumps langjähriger Vertrauter und Berater der US-Republikaner, Roger Stone, veröffentlicht zwei mysteriöse Tweets, in denen er über eine anstehende Enthüllung bei Wikileaks spekuliert. Wenige Tage später veröffentlicht die Plattform tatsächlich Tausende E-Mails von Clintons Chefstrategen John Podesta mit teilweise brisanten Details zur Präsidentschaftskandidatin.

10. Oktober: Bei einem Auftritt in Pennsylvania sagt Trump: "Ich liebe Wikileaks".

8. November: Die US-Amerikaner wählen Trump zu ihrem 45. Präsidenten.

Dezember: Sicherheitsberater Flynn und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner treffen den russischen Botschafter Kisljak im Trump Tower. Ex-Berater Carter Page reist nach Moskau.

29. Dezember: Der scheidende Präsident Barack Obama lässt 35 russische Diplomaten ausweisen und verhängt neue Sanktionen gegen Russland. In einer Erklärung verurteilt Obama "Russlands Cyberoperationen gegen die US-Wahlen" und kritisiert die "aggressive Belästigung von US-Beamten" in Russland.

30. Dezember: Der russische Präsident reagiert anderes als erwartet auf Obamas Sanktionen: Er werde keine Vergeltung üben, kündigt Putin an.

Amtsübernahme 2017

6. Januar: Der US-Geheimdienst NSA veröffentlicht einen Bericht, wonach Putin eine Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf angeordnet habe. Er habe Clinton schwächen wollen.

Jeff Sessions
REUTERS

Jeff Sessions

10. Januar: Sessions soll Trumps Justizminister werden, bei seiner Anhörung im Senat antwortet er auf die Frage nach russischen Kontakten des Trump-Teams: "Ich hatte keine Kommunikationen mit den Russen." Bei seiner Aussage steht er unter Eid.

11. Januar: Mehrere US-Medien berichten, Trump sei von den US-Geheimdiensten gewarnt worden, dass Russland allem Anschein nach "kompromittierendes Material" über ihn besitze, um ihn "zu erpressen". Die Informationen sollen aus einem 35-seitigen Dossier des ehemalige Agent endes britischen Geheimdienstes MI6, Christopher Steele, stammen. Trump nennt die Nachricht "Fake News".

13., 14. und 15. Januar: Trumps Sprecher Sean Spicer teilt zunächst mit, Flynn habe mit dem russischen Botschafter lediglich Organisatorisches besprochen. Später bestätigt er weitere Kontakte. Der designierte Vizepräsident Mike Pence verteidigt den Sicherheitsberater nach einem Gespräch - Flynn habe mit Kisljak nicht über die Sanktionen gesprochen. Trump kündigt an, die von Obama verhängten US-Sanktionen gegen Russland auf den Prüfstand zu stellen.

20. Januar: Trump übernimmt das Amt des US-Präsidenten, Pence wird Vize.

26. Januar: Die amtierende Justizministerin Sally Yates warnt Trumps Chefjustiziar Donald McGahn, dass Flynn ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstelle, da er sich erpressbar gemacht habe.

9. Februar: Die "Washington Post" berichtet, dass Flynn anders als bislang dargestellt sehr wohl mit dem russischen Botschafter auch über die US-Sanktionen gesprochen haben soll. Einen Tag später sagt Trump, davon habe er nichts gewusst.

13. Februar: Flynn tritt als Sicherheitsberater des US-Präsidenten zurück.

14. und 15. Februar: Die "New York Times" und CNN berichten unter Berufung auf Behördenvertreter, dass Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam mehrfach Kontakt zu hochrangigen russischen Geheimdienstmitarbeitern gehabt hätten. Trump nennt die Vorwürfe "Unfug". Einen Tag später sagt er: "Ich habe nichts mit Russland zu tun."

20. Februar: Der russische Botschafter bei der Uno in New York stirbt.

24. Februar: US-Medien berichten, dass der Stabschef im Weißen Haus, Reince Priebus, mehrere FBI-Mitarbeiter angewiesen habe, Russland-Kontakte des Wahlkampfteams von Trump zu dementieren. Sprecher Spicer bestätigt das.

1. März: Die "Washington Post" berichtet von Sessions' Treffen mit dem russischen Botschafter und widerlegt damit seine Aussage bei der Senatsanhörung.

2. und 3. März: Demokraten fordern angesichts von Sessions' verschwiegenen Kontakten seinen Rücktritt als Justizminister. Sessions kündigt an, sich aus Befangenheit aus Ermittlungen wegen mutmaßlicher russischer Einmischung in den Wahlkampf herauszuhalten. Die Demokraten fordern die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Das Weiße Haus bestätigt, dass auch Jared Kushner vor der Amtseinführung seines Schwiegervaters den russischen Botschafter traf.

4. März: Trump wirft seinem Vorgänger Obama eine Abhöraktion auf den Trump Tower vor.

20. März: FBI-Chef James Comey bestätigt vor dem Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses Ermittlungen seiner Behörde zu einer möglichen russischen Einflussnahme im Wahlkampf. "Das schließt eine Untersuchung aller Verbindungen zwischen Personen aus Trumps Team und der russischen Regierung ein und ob es Absprachen gegeben hat", sagt Comey.

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sachse78 22.03.2017
1. Und da heißt es immer
Die Wahlen in dritten Welt seien nicht rechtens. Hier wird meiner Meinung nach viel konstruiert. Wer überprüft überhaupt die Geheimdienste? Schläft der allmächtige Putin überhaupt noch, wenn er überall seine Finger im Spiel hat? Ist er das neue goldene Kalb? Armer Donald... Als Präsident darf man sich eben keine Feinde machen, indem man eigenständige Entscheidungen trifft.
bigmitt 22.03.2017
2. Danke für die Timeline. ..
...es fehlt jedoch am 05.03.2017 die Aussage des ehemaligen Geheimdienstchef Clapper das es keine Hinweise auf Kollusion zwischen Trumps Wahlkampfteam und den Russen gab. http://www.nbcnews.com/meet-the-press/video/full-clapper-no-evidence-of-collusion-between-trump-and-russia-890509379597 Wenn die DNC Server gehackt wurden, wieso weigern sich die Demokraten diese an das FBI für Ermittlungen zu übergeben ? Könnte mir bisher niemand erklären.
magier 22.03.2017
3. Gefährliche Feindkontakte
Es wäre interessant zu erfahren, welche Kontakte Trumps Team mit Vertretern anderer Staaten, z.B. Deutschland oder England hatten. Warum wird wegen der Kontakte zu russischen Vertretern eine solche Hysterie geschürt. Vaterlandsverrat! Sind wir schon im Krieg, wo jeder "Feindkontakt" und insbesondere jedes Normalisierungsangebot als Verrat gilt. Bisher wurde ja das Verschweigen der Kontakte als Vergehen angeprangert. In diesem Artikel sind es aber jetzt die Kontakte zum bösen Russland an sich. So etwas kann doch nur einem aggressiven Freund/Feind-Denken entspringen. Und immer wieder meine Frage: Worin bestand denn nun die massive und entscheidende Wahlmanipulation der Russen und insbesondere Putins? War es nur die Veröffentlichung von Tatsachen durch Wikileaks? Früher hätten so etwas die kritischen investigativen Journalisten gemacht, die diesmal nur die negativen Veröffentlichungen zu Trump im Wahlkampf publiziert haben.
dirk1962 22.03.2017
4. Präsident auf Abruf
Über Präsident Trump schwebt vom ersten Tag an das Damoklesschwert einer Amtsenthebung. Für die Demokratie in den USA ist das ein Desaster. Ich hoffe das sich alle im Raum stehenden Fragen schnell klären lassen. Bis dahin bleibt Trump ein schwacher Präsident auf Abruf.
Bin_der_Neue 22.03.2017
5. Jack Ryan, übernehmen Sie
Schade, dass Tom Clancy nicht mehr unter uns weilt. Hier hätte er genug Stoff für den nächsten Hollywood-tauglichen Roman gehabt. Man könnte fast lachen, wenn es nicht so ernst wäre.
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