Trumps Einwanderungspolitik Hart statt menschlich

Donald Trump umgarnt Afroamerikaner, sein Team deutete eine Kehrtwende bei der Einwanderungspolitik an - es sah nach einem echten Strategiewechsel aus. Doch mit seinem jüngsten Auftritt zeigt der Kandidat: Er ist noch ganz der alte.

Trump in Ohio
REUTERS

Trump in Ohio


Es waren turbulente Wochen für Donald Trump: Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner hatte viel Kritik einstecken müssen, seine Umfragewerte sackten ab, als Konsequenz krempelte er sein Team um. Und seine neue Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway sorgte rasch für Schlagzeilen.

Dem Sender CNN sagte Conway, Trump plane einen "fairen und menschlichen" Ansatz im Umgang mit den Millionen von Menschen ohne Bleiberecht in den USA. Auf die Frage, ob Trump an seinem Vorschlag für eine Art Deportationspolizei festhalte, sagte sie, dies werde noch geprüft.

Nun hat sich Trump selbst zum Thema geäußert: Bei ihm hieß es nicht "fair und menschlich", stattdessen kündigte er in einem TV-Interview an, gegenüber den elf Millionen illegalen Einwanderern in den USA "fair, aber hart" zu sein. "Es muss sehr hart sein." Es werde bei diesem "strittigen Thema" kein Hin und Her seinerseits geben.

"Falls und wenn ich gewinne, werden wir als allererstes die Bösen loswerden", sagte er dem Sender Fox News. "Wir haben Gangmitglieder, wir haben Mörder, wir haben jede Menge Leute, die das Land verlassen sollten. Und wir werden dafür sorgen, dass sie das Land verlassen."

Schon in der Vergangenheit hatte Trump Mexikaner pauschal als Kriminelle und Vergewaltiger beleidigt. Er wiederholte am Montag seine Ankündigung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu lassen. "Die wird so schnell in die Höhe schießen, dass euch ganz schwindlig wird."

Ausfälle eines Präsidentschaftskandidaten

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

"Was zur Hölle habt ihr zu verlieren?"

Dabei hatte es zuletzt nach einem Strategiewechsel ausgesehen: Einflussreiche Hispanics aus Wirtschaft und Religion hatten von privaten Treffen mit Trump berichtet, in denen er angedeutet haben soll, seine rigide Einwanderungspolitik abzuschwächen.

Bei einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Ohio zeigten sich Trumps Anhänger laut einem Medienbericht verwirrt über die widersprüchlichen Berichte. Sollte Trump seine Position gegenüber illegalen Einwanderern tatsächlich ändern, "wäre das eine riesige Enttäuschung", zitierte die Nachrichtenagentur AP eine Besucherin der Veranstaltung, die 52-jährige Robin Luich. "Das ist nicht, wofür er stehen sollte."

Im Kampf gegen die schlechten Umfragewerte konzentrierte sich Trump in den vergangenen Tagen verstärkt um Minderheiten in den USA. Mit einer Charmeoffensive buhlte er am vergangenen Wochenende um afroamerikanische Wähler. Und auch am Montag sagte er an Schwarze und Hispanics gewandt, er werde Amerika für sie sicherer machen. "Was zur Hölle habt ihr zu verlieren? Gebt mir eine Chance."

Video: Trump umgarnt Afroamerikaner

REUTERS

Neuer Ärger für Clinton

Trump kritisierte in Ohio die Einwanderungspolitik seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton. Ihre Pläne würden zu "offenen Grenzen" führen.

Clinton liegt in den Umfragen derzeit vorne. Ihr droht aber in der Affäre um die Nutzung eines privaten E-Mail-Kontos neuer Ärger. Das FBI ist auf 14.900 weitere Nachrichten gestoßen und hat sie an das Außenministerium zur Überprüfung übergeben. Bei den meisten dürfte es sich um Nachrichten handeln, die Clinton in ihrer Zeit als US-Außenministerin verschickte oder empfing.

Einige davon stammen offenbar von der engen Clinton-Vertrauten Huma Abedin und sollen den Verdacht nahelegen, dass Spender für die Clinton-Stiftung von Hillarys Ehemann Bill leichter Zugang zur Außenministerin bekommen hatten. Die Auswertung der E-Mails soll bis Ende September abgeschlossen sein - und könnten damit vor der Wahl am 8. November öffentlich werden. Trump forderte in einer Mitteilung nun erneut, die Stiftung müsse geschlossen werden.

Mehr zum Thema

aar/AP/Reuters/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.