Die Trumps Bleibt alles in der Familie

Donald Trump will sich als Präsident um die Regierungsgeschäfte kümmern, nicht mehr um seinen Konzern. Den sollen seine Kinder leiten - doch lassen sich Politik und Business so einfach trennen?

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Von , Washington


Wer als US-Präsident ins Weiße Haus einzieht, sollte zuvor Ballast abwerfen. Aktien, Anleihen, Firmenbeteiligungen - als US-Präsident erweckt man besser nicht den Verdacht, man lasse sich bei der politischen Entscheidungsfindung von knallharten Geschäftsinteressen leiten.

Doch genau vor diesem Problem dürfte Donald Trump schon sehr bald stehen. Der Immobilienunternehmer und Milliardär hat immer wieder betont, sowie er Präsident sei, werde ihn sein Konzerngeflecht nicht mehr interessieren.

"Meine Firma, das ist dann alles nur noch Peanuts für mich", sagte Trump im Wahlkampf. "Übernehmt ihr die Firma, Kids. Viel Spaß!"

Eine Aufforderung, die an seine drei ältesten Kinder gerichtet war: Donald jr., 38, Ivanka, 35, und Eric, 32, allesamt Vizepräsidenten der Trump Organization (Donald jr. mit dem Schwerpunkt auf Immobilien-Akquise, Ivanka ist für die Hotels zuständig, Eric für die Golf-Ressorts).

Steckbrief Donald Trump

Wie andere Präsidenten vor ihm, so beteuern die Trumps, werde auch Donald Trump sein Imperium in einen sogenannten blind trust überführen, es also treuhänderisch verwalten lassen - von seinen Kindern.

Geschäftliche Verbindungen zu mehr als 500 Firmen

Aber wer soll glauben, dass die Trump-Sprösslinge, die seit Jahren geschäftlich aufs Engste mit ihrem Patriarchen verflochten sind, ihn plötzlich nicht mehr in Entscheidungen einbinden?

Außerdem hat Trump anders als andere Präsidenten nicht nur ein Aktienpaket zu übergeben - er hat geschäftliche Verbindungen zu mehr als 500 Firmen, unter anderem in Problemländern wie Saudi-Arabien oder China.

"Wir könnten einer Situation ausgesetzt sein, dass ein Sohn oder eine Tochter des US-Präsidenten plötzlich in Moskau oder Usbekistan auftaucht, um dort einen Business-Deal abzuschließen, der den Namen des Präsidenten trägt", zitiert die "Washington Post" einen Politikberater.

Sinnbildlich für die trumpschen Verstrickungen ist sein neues Hotel in Washington: Das Gebäude hat der Unternehmer Trump in einem komplizierten Finanzdeal vom Staat gepachtet - dessen höchstes Amt er selber ab Januar bekleiden wird.

Und seine ältesten Kinder, denen er künftig angeblich das Geschäft überlässt, während er sich allein der Politik zuwendet, gehörten im Wahlkampf zu seinen engsten Beratern:

Donald Trump jr.
AFP

Donald Trump jr.

Donald jr., verheiratet, fünf Kinder, betont wie seine Geschwister gern das strenge Arbeitsethos im Trump-Clan. Er habe sich mit 13 Jahren das erste eigene Geld verdient, beim Boote-Vertäuen am Anleger des Hotel-Casinos Trump Castle in Atlantic City, erzählte er einst dem "New Yorker". "Wenn wir etwas haben wollten, mussten wir es uns verdienen. "Wie seine Geschwister tummelt sich Donald jr. seit seinem Hochschulabschluss in der Welt des Vaters: Er erhielt einen Job in der "Trump Organization", machte in der Reality-Show "The Apprentice" mit. Für Empörung sorgte im Wahlkampf sein menschenverachtender Vergleich zwischen Flüchtlingen und Kaudragees: Auf Twitter postete er ein Foto von einer Schüssel mit Skittles und fragte: "Wenn ich Ihnen sagte, drei davon können Sie töten: Würden Sie dann eine Handvoll nehmen? Das ist unser Problem mit syrischen Flüchtlingen."

Ivanka Trump
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Ivanka Trump

Ivanka Trump ist ohne Zweifel das Lieblingskind des Milliardärs. Auch sie trat nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaft (Abschluss: cum laude) in das Immobiliengeschäft ihres Vaters ein. Ihren steilen Aufstieg im Familienkonzern erklärte sie vor neun Jahren auf sehr clevere Weise in der Talkshow von David Letterman: "Das größte Lob, das mir mein Vater zollt, ist, dass er mir mehr Arbeit aufbürdet."

Sollte sie weltanschaulich ähnlich extreme Positionen vertreten wie die Männer der Familie, so ist sie klug genug, sie nicht kundzutun.

Die 35-Jährige, die mit ihrem Mann und drei Kindern in New York lebt, ist auch im Mediengeschäft bestens vernetzt. Sie ist die Diplomatin der Familie, Beispiel Megyn Kelly: Die Moderatorin des konservativen Senders Fox News bot Donald Trump in einer Vorwahldebatte der Republikaner die Stirn, der sie daraufhin zum Ziel seiner Pöbeleien machte - doch erst vor ein paar Wochen sah man Kelly und Ivanka Trump gemeinsam in New York beim Lunch.

Ivanka Trump, Ehemann Jared Kushner, rechts Tiffany Trump
AFP

Ivanka Trump, Ehemann Jared Kushner, rechts Tiffany Trump

Letztere Begegnung sorgte für Gesprächsstoff, weil Ivankas Mann Jared Kushner angeblich auslotet, ein konservatives Medienimperium aufzubauen. Kushner ist wohl das Familienmitglied mit dem stärksten Einfluss auf Trump. Weniger eitel als seine Schwäger, zieht der 35-jährige Immobilienmakler und Multimillionär im Hintergrund die Strippen. Er hat die digitale Strategie der Wahlkampagne verantwortet und Trump sehr klug davon abgehalten, den verbrauchten Alt-Republikaner Newt Gingrich zu seinem Vize-Kandidaten zu machen. Kushner kümmert sich auch um den Aufbau eines Teams fürs Weiße Haus. Wenn sich der Trend fortsetzt, dass Amerika seine Präsidentschaftsanwärter aus den immer gleichen Familien rekrutiert, dann sind Ivanka und Jared Kushner mögliche Kandidaten für die Zukunft.

Unternehmerin Ivanka Trump bekam aber auch zu spüren, wie negativ sich die politischen Botschaften ihres Vaters auf die Marke Trump auswirken. In sozialen Medien riefen Frauen nach der Sexismus-Debatte um Trump dazu auf, Ivankas Modelabel zu boykottieren.

Und die als so "anmutig" Gepriesene zeigte im Wahlkampf Nerven, während eines Interviews: Eine Reporterin bohrte nach den Schwachstellen bei der Elterngeld-Regelung, für die Ivanka Trump sich stark machte - bis die das Gespräch genervt abbrach.

Eric Trump, Ehefrau Lara Yunaska Trump
AFP

Eric Trump, Ehefrau Lara Yunaska Trump

Eric Trump, 32, verheiratet, fällt vor allem durch seine Waffen- und Jagdleidenschaft auf. Er und sein älterer Bruder waren mehrfach auf Afrika-Safari, posierten mit ihrer Beute, unter anderem hält Eric einen toten Leoparden im Arm.

Trump hat aus der Kritik an diesen Bildern politisches Kapital bei seinen Wählern geschlagen: Seine Söhne seien stolze Mitglieder der NRA ("National Rifle Association") und würden Abstriche beim Waffenrecht nicht hinnehmen. "Meine Söhne sind Jäger. Eric liebt die Jagd fast so sehr wie Golf, nein, mehr."

Als der frühere Klu-Klux-Klan-Anführer David Duke seine Sympathien für Trump äußerte, fiel Eric Trump als Erwiderung nichts Besseres ein als eine Jagd-Analogie: Der Mann habe "eine Kugel verdient".

Tiffany Trump
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Tiffany Trump

Tiffany Trump, 23, von Klatschblättern gern als "Trumps vergessene Tochter" tituliert. Sie entstammt der zweiten Ehe Trumps mit dem TV-Sternchen Marla Maples und wuchs nach der Scheidung ihrer Eltern relativ entfremdet vom Vater in Kalifornien auf. Sie trat bislang als Model in Erscheinung und schloss in diesem Jahr ihr Soziologie-Studium ab. Beim Parteitag der Republikaner im Juli in Cleveland hielt sie eine kurze Rede. Sie habe alle ihre Zeugnisse aufgehoben, weil ihr Vater früher immer Anmerkungen an den Rand kritzelte - offenbar die einzige konkrete Kindheitserinnerung an ihn, mit der sie aufwarten konnte.

insgesamt 127 Beiträge
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Seite 1
ackergold 11.11.2016
1.
Das Establishment wird logischerweise nichts abgeben. Nichts ist klarer als das. Trump will jetzt Präsident sein? Wer hätte das gedacht. Vermutlich kann er gar nichts anderes sagen, aber er wird an seinen Taten gemessen werden.
Cardio84 11.11.2016
2. Omg...
Was soll uns denn jetzt dieser sinnfreie Artikel schon wieder suggerieren? Gab es nicht noch irgendwelche schmutzige Wäsche die man über den 10-jährigen Sohn Trumps hätte auspacken können? Ehrlich SPON so langsam entäuscht ihr mich!
_unwissender 11.11.2016
3. Wieso trennen?
Nur in Deutschland lassen sich wohl " Politik und Business so einfach trennen". Die USA haben eine einfache Antwort gegeben: Trump treibt Dow auf Allzeithoch ...
m.s.schneider 11.11.2016
4.
Trump wird das Land ausnehmen bis nix mehr zu holen ist. Er wird seine Familie und sein 'Netzwerk' versorgen und das war es dann. Und weil Krieg gut für's Geschäft ist, wir hier bestimmt auch noch was gehen und es werden interessante Zeiten werden und dies nicht mehr nur im 'Kleinen': kleiner Krieg ist gut für ein kleines Geschäft, für das ganz große Geschäft braucht es dann was? Um nix anderes geht es. Dafür hat es jedes Ressentiment bedient, jede falsche Hoffnung geschürt. Alles, was er geäußert hat, sollte direkt ans Reptiliengehirn gehen und es hat wunderbar funktioniert. Gegen diesen Haufen sind die Clan- und Familiengeflechte in den Ländern des Nahen Ostens ein Witz.
gegenpressing 11.11.2016
5.
Na Gott sei dank, dass Trump selbst behauptet, er sei ja gar nicht Establishment. Bei Betrachtung der Fakten könnte man ja fast auf andere Ideen kommen, aber Donald würde uns niemals belügen, nicht wahr?
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