Vor möglichem Nordkorea-Gipfel Trump will sich eng mit Abe abstimmen

Der US-Präsident und Japans Regierungschef haben in einem Telefonat die Notwendigkeit zur vollständigen Abrüstung Nordkoreas betont. Die beiden wollen sich noch vor einem möglichen Trump-Kim-Gipfel treffen.
Abe und Trump in Florida (April 2018)

Abe und Trump in Florida (April 2018)

Foto: MANDEL NGAN/ AFP

Vor dem "erwarteten Treffen" mit Nordkoreas Machthaber will US-Präsident Donald Trump mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zusammenkommen. Das teilte das Weiße Haus am Montagabend nach einem Telefonat von Trump und Abe mit. Die beiden Politiker wollten sich eng abstimmen. Sie hätten das gemeinsame Ziel bekräftigt, dass Nordkorea sein Atom-, Chemie- und biologisches Waffenarsenal sowie das ballistische Raketenprogramm vollständig und dauerhaft auflösen müsse.

Wann Trump und Abe zusammentreffen könnten, wurde nicht mitgeteilt. Beide werden auf einem G7-Treffen in Kanada am 8. und 9. Juni erwartet. Japanische Medien zitierten Regierungsvertreter, wonach Abe vor dem G7-Termin nach Washington reisen könnte. Der Japaner sagte einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, er und Trump wollten zusammenarbeiten, damit der Gipfel zwischen dem US-Präsidenten und Kim Jong Un bedeutsam werde.

Japan vertritt eine weitaus härtere Linie als die Nachbarn China und Südkorea und sieht die Annäherung an eine aus seiner Sicht nicht vertrauenswürdige Regierung in Pjöngjang skeptisch.

Spitzenberater Kims offenbar in Singapur eingetroffen

Der Gipfel mit Kim, den Trump am vergangenen Donnerstag offiziell abgesagt hatte, sollte bisherigen Planungen zufolge am 12. Juni in Singapur stattfinden. Dieser Termin steht laut Trump nun doch noch im Raum. Am Sonntag twitterte der US-Präsident, ein US-Verhandlungsteam sei in Nordkorea eingetroffen, um den Gipfel vorzubereiten (eine Chronologie der jüngsten Ereignisse können Sie hier nachlesen).

Am Dienstag berichtete dann der japanische Sender NHK, Kims de facto Stabschef Kim Chang Son sei Montagnacht via Peking nach Singapur geflogen. Gleichzeitig sei eine US-Regierungsdelegation vom US-Militärstützpunkt Yokota in Japan Richtung Singapur aufgebrochen. Die südkoreanische Agentur Yonhap wiederum meldete, der frühere nordkoreanische Geheimdienstchef Kim Yong Chol sei nach einem Zwischenstopp in Peking nun auf dem Weg in die USA.

Video: Treffen sich Trump und Kim nun doch?

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Die USA fordern die vollständige und überprüfbare Denuklearisierung Nordkoreas im Gegenzug für wirtschaftliche Erleichterungen. Pjöngjang wiederum ist tief besorgt, dass eine Aufgabe des Atomwaffenprogramms das Land verwundbar machen könnte - es verfügt eigenen Angaben zufolge über Atomraketen, die das US-Festland erreichen können.

aar/dpa/Reuters/AFP