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04. Juni 2019, 16:36 Uhr

Donald Trump und Theresa May

Es war schon mal herzlicher

Die britische Regierungschefin May absolviert ihre letzten Tage im Amt, Staatsgast Trump gibt Empfehlungen für ihre Nachfolge ab: Atmosphärisch ist sein Besuch kein Erfolg. Den Brexit aber will er mit einem "phänomenalen Deal" belohnen.

Die scheidende britische Premierministerin Theresa May hat in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump die "kostbare und tief greifende Freundschaft" zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten gelobt. Die beiden Länder teilten demokratische Werte und Interessen, sagte May am zweiten Tag des Staatsbesuchs Trumps nach ihrem gemeinsamen Gespräch.

Sie hob aber auch Differenzen hervor. So stehe Großbritannien zum Atomdeal mit Iran und zum Pariser Klimaabkommen. Beide Verträge hatte der US-Präsident einseitig aufgekündigt. May betonte, dass die Gespräche mit Trump auf die gemeinsame Zukunft abzielten: Ihre Partnerschaft gewährleiste nicht nur die eigene, sondern auch weltweite Sicherheit.

Trump: "Es gibt ein riesiges Potenzial"

Sowohl May als auch Trump wünschten sich für die Zukunft ein umfassendes Handelsabkommen. "Die USA fühlen sich verpflichtet zu einem phänomenalen Freihandelsabkommen", sagte Trump. Der gemeinsame Handel könne um das Zwei- oder Dreifache ausgeweitet werden. Beide Länder hätten bisher ausländische Investitionen im jeweils anderen Land von über einer Billion Dollar und seien jeweils der größte Auslandsinvestor im anderen Staat. "Es gibt ein riesiges Potenzial", sagte Trump. "Alles wird auf den Tisch kommen."

Trump kritisiert Deutschland - ohne Namen zu nennen

In seinem Statement rief Trump außerdem zum wiederholten Mal zu einer fairen Lastenteilung in der Nato auf. "Alle Mitglieder des Bündnisses müssen ihre Verpflichtungen erfüllen", einige täten das nicht. "Das können wir nicht zulassen." Trump erwähnte keine Länder namentlich. Allerdings hat der US-Präsident in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang immer wieder Deutschland kritisiert. Trump wirft der Bundesregierung vor, die selbst gesteckten Ziele der Nato bei Verteidigungsausgaben nicht zu erfüllen.

Der US-Präsident hatte seinen dreitägigen Staatsbesuch in Großbritannien am Montag begonnen. Am Abend wurde er von Queen Elizabeth II. zu einem Staatsbankett im Buckingham-Palast empfangen. Am Dienstag traf er dann May. Ein Gespräch mit dem Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat Trump nach eigenen Angaben abgelehnt. Er nannte den Oppositionsführer eine "negative Kraft".

Das Treffen zwischen Trump und May in London hatte unterkühlt begonnen. Der erwartete Handschlag vor den Kameras blieb aus, als Trump und First Lady Melania von May und ihrem Ehemann Philip im britischen Regierungssitz empfangen wurden.

Immer wieder war das Verhältnis zwischen Trump und May in der Vergangenheit erschüttert worden, etwa als Trump ihren Brexit-Kurs kritisierte oder ihren Widersacher Boris Johnson lobte. Die beiden haben außerdem Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich Trumps Position zum Klimawandel und dem Umgang mit dem chinesischen Mobilfunkkonzern Huawei.

Trump hofft auf Boris Johnson als nächsten Premier

Während May bei der Pressekonferenz neben ihm stand, sprach Trump sich erneut - und nicht besonders diplomatisch - für Boris Johnson als ihren möglichen Nachfolger aus. "Ich denke, er würde seinen Job wirklich gut machen!", sagte Trump. Auch den Kandidaten Jeremy Hunt sah Trump als vielversprechend. May lächelte gezwungen, während Trump über ihre Nachfolge sprach.

Während Trump sich mit May traf, wurde auf den Straßen Londons demonstriert. Organisatoren rechnen mit bis zu 250.000 Teilnehmern. Sie warfen dem US-Präsidenten Sexismus und Rassismus vor. Und forderten ihn auf einem Plakat auf: "Go home!" - "Geh heim!" Trump nahm die Demonstranten nicht ernst. Er habe Tausende gesehen, die ihm zujubelten. "Es gibt so viel Liebe für unser Bündnis", sagte Trump. Die Demonstrationen seien Fake News.

mfh/dpa

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