Ideen zur US-Außenpolitik Donald Trump und wie er die Welt sieht

Donald Trump irritiert mit neuen Ideen zur Außen- und Sicherheitspolitik. Seine Ausführungen zeigen: Er ist außenpolitisch vollkommen unerfahren.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: JIM WATSON/ AFP

Um Washington macht Donald J. Trump normalerweise einen großen Bogen. Die "Washingtoner Bürokraten" sind sein liebstes Feindbild. Doch der Mann will Präsident werden, und da muss man sich in der Hauptstadt zeigen und ein wenig präsidiale Aura verströmen. Es hilft ja nichts.

Bei einer Kurzvisite am Regierungssitz versuchte der US-Milliardär, einige Eckpunkte seiner Außen- und Sicherheitspolitik ausführlicher zu erläutern. Trump wollte möglichst seriös wirken. Statt frei zu reden, wie er es sonst gern tut, nutzte er sogar einen Teleprompter.

Wer allerdings glaubt, nun herrsche mehr Klarheit über seine außenpolitischen Ideen, täuscht sich.

Die einzige Konstante in Trumps Außenpolitik scheint weiterhin zu sein, dass es keine wirkliche Konstante gibt. Stattdessen herrscht amateurhaftes Durcheinander.

So geht das schon seit Beginn des Wahlkampfs. Mal gibt Trump den Isolationisten, der Amerika am liebsten aus allen Konflikten heraushalten würde, frei nach dem Motto: "America first." Dann wieder markiert er den starken Mann und verspricht hartes Durchgreifen. Mit seinem Zickzackkurs irritiert Trump Freund und Feind. Eine außenpolitische Linie ist allenfalls schemenhaft erkennbar.

  • Beispiel Israel: Noch vor Kurzem hatte Trump verkündet, er werde sich als Präsident im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern "neutral" verhalten. Das hatte ihm reichlich Kritik von pro-israelischen Gruppen eingebracht. Auch die Regierung in Jerusalem zeigte sich alarmiert. Nun präsentierte er sich bei einem Auftritt vor den Anhängern der wichtigen Israel-freundlichen Lobbygruppe AIPAC als größter Freund Israels. "Ich liebe Israel", tönte er. Die Palästinenser bezichtigte er gleichzeitig, eine "Kultur des Hasses" zu fördern. Wieder einmal versprach Trump, sich für einen "Deal" zwischen Israelis und Palästinensern einzusetzen. Nur: Wie dieser Deal aussehen könnte, erklärte Trump nicht. Entsprechend verhalten fiel bei dem AIPAC-Treffen der Applaus für ihn aus.
  • Beispiel Iran: Im Falle eines Wahlsieges will Trump den Atomkompromiss mit Iran infrage stellen. "Der Deal ist eine Katastrophe", so Trump. Iran fördere weltweit den Terrorismus. Er werde alles dafür tun, um den Einfluss Irans im Nahen Osten zurückzudrängen. Ob er dafür auch militärische Gewalt einsetzen werde, ließ Trump allerdings offen. Er versprach lediglich wolkig eine Lösung, die den ganzen Nahen Osten friedlicher machen werde. Was immer das heißen mag.
  • Beispiel Nato: Seine Ankündigung gegenüber der "Washington Post" , das amerikanische Engagement in Europa deutlich zurückzufahren, wäre ein Bruch mit der Tradition der amerikanischen Außenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg. Trump fordert von Europa, insbesondere von Deutschland, mehr Engagement etwa im Ukraine-Konflikt. Für die Bundesregierung muss das wie ein schlechter Witz klingen: Wie kaum ein anderes Land engagiert sich Deutschland dort seit Jahren. Wirr auch: Unlängst hatte Trump sich noch für eine Erweiterung der Nato ausgesprochen - durch einen Beitritt der Ukraine.
  • Beispiel Asien: Auch das US-Militär-Engagement in der Pazifikregion stellt Trump infrage. Das sei nur teuer und bringe Amerika nichts, sagte er. Zuvor hatte Trump bereits die wichtigsten amerikanischen Verbündeten Südkorea und Japan vor den Kopf gestoßen. Er erklärte, beide Länder würden seit Jahren vom US-Militär beschützt, müssten dafür aber kaum eine Gegenleistung erbringen. Originalton Trump: "Wenn jemand Japan angreift, sollen wir direkt den Dritten Weltkrieg anfangen. Aber wenn wir angegriffen werden, muss Japan keinen Finger rühren."

Klar ist: Trump ist außenpolitisch vollkommen unerfahren. Obwohl er stets stolz hervorhebt, er habe sich "wie kein anderer" mit den Themen beschäftigt, reicht sein Wissen über das eines durchschnittlichen amerikanischen Nachrichtenkonsumenten kaum hinaus. Daran wird wohl auch die Riege von außenpolitischen Beratern nicht viel ändern, die er jetzt vorstellte. Als Trump neulich gefragt wurde, wer sein wichtigster Ratgeber in außenpolitischen Fragen sei, verkündete er stolz: "Das bin ich selbst."

Offensichtlich versteht Trump Außenpolitik vor allem als Geschäft, ähnlich wie den Verkauf von Immobilien. Er will "Deals" machen und für Amerika das Beste herausholen. Wer nicht spurt, soll durch militärischen oder finanziellen Druck auf Linie gebracht werden. Der Einsatz für mehr Demokratie und Wohlstand in der Welt, bislang ein wichtiger Eckpfeiler amerikanischer Außenpolitik, ist aus Trumps Sicht vollkommen unwichtig. In anderen Ländern, wie etwa dem Irak, Schulen mit amerikanischem Geld aufzubauen, bringe nichts, so Trump. Wichtiger seien Schulen in Brooklyn.

Kein Wunder, dass auch führende US-Außenpolitik-Experten Trumps Kurs mit Sorge betrachten. Trump habe ja in einigen Punkten durchaus recht, stellte das Fachblatt "Foreign Policy" schon vor einiger Zeit fest. "Aber das ist wie bei einer kaputten Uhr: die geht auch zweimal am Tag richtig."

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