Roland Nelles

Helsinki-Gipfel Zum Gruseln

Männerfreundschaft statt klarer Worte für den russischen Alleinherrscher: Der kumpelhafte Auftritt von Donald Trump mit Wladimir Putin in Helsinki war der Tiefpunkt der desaströsen Europareise des US-Präsidenten.
Donald Trump und Wladimir Putin

Donald Trump und Wladimir Putin

Foto: Alexei Nikolsky/ dpa

Die frohe Botschaft vom Helsinki-Gipfel zuerst: Mit dem Treffen in Finnland beendet Donald Trump seine Europareise und fliegt zurück in die Heimat. Das ist positiv zu bewerten, denn jeder Tag, den dieser US-Präsident nicht mit Außenpolitik verbringt, ist ein guter Tag.

Trumps Europatrip war ein Desaster in jeder Hinsicht, er hat alte Alliierte wie Deutschland oder Großbritannien vor den Kopf gestoßen und die Kluft zwischen Europa und den USA vertieft. Das Treffen zwischen Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin in Helsinki hat die Sache nun nicht besser gemacht. (Lesen Sie hier das Minutenprotokoll des Treffens.)

Keine Zugeständnisse Russlands

Natürlich ist im Grundsatz nichts dagegen zu sagen, dass die USA und Russland bessere Beziehungen zueinander unterhalten. Auch ein Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem russischen Präsidenten wäre eigentlich zu begrüßen. Die Spannungen zwischen Moskau und dem Westen sollten abgebaut werden. Doch Trump hat in Helsinki ein Mal mehr bewiesen, dass er für diese Aufgabe ungeeignet ist.

Trump hat dort praktisch alles falsch gemacht, was er falsch machen konnte. Wladimir Putin missachtet die Menschenrechte im eigenen Land, er führt in Syrien seit Jahren einen Krieg gegen Frauen und Kinder, und er verstößt mit der Annexion der Krim dauerhaft gegen das Völkerrecht. Er ist kein Mann, mit dem der US-Präsident als Anführer der freien Welt eine Männerfreundschaft oder Kumpanei zelebrieren sollte. Aber Trump tat in Helsinki genau das.

Video zum Trump-Putin-Treffen: "Der Ball liegt jetzt in Ihrem Feld!"

SPIEGEL ONLINE

Allein die Tatsache, dass Trump sich mit Putin ohne jede Vorbedingung oder die Forderung nach russischen Zugeständnissen in Syrien traf, war schon bemerkenswert. Die Botschaft ist klar: Putin kann sich in der Welt aufführen, wie er will. Es stört Trump praktisch gar nicht. Putin erhält trotz seines Verhaltens endlich die internationale Anerkennung, ja, die Legitimation, nach der er sich schon lange sehnt. Was für ein Erfolg für den Russen!

Trump scheint Putin mehr zu trauen als den eigenen Leuten

Und dann das Treffen selbst: Dass sich Trump und Putin mehr als eine Stunde lang praktisch allein, ohne Mitarbeiter besprochen haben, muss misstrauisch machen. Was dort verabredet wurde, welche geheimen "Deals" die beiden womöglich auf Kosten Dritter (oder sogar zulasten der USA) gemacht haben, bleibt nicht nur für die Welt, sondern auch für Trumps engste Berater undurchschaubar. So entsteht der Eindruck, dass Trump Putin mehr traut, als seinen eigenen Leuten.

Völlig absurd erschien schließlich der Auftritt von Putin und Trump vor der Weltpresse. Dabei stellten sich Trump und Putin gemeinsam gegen die Ermittlungen in der Russlandaffäre durch das FBI: Putin unterstützte Trumps Behauptung, dass es keine Zusammenarbeit zwischen Trumps Wahlkampfteam und russischen Agenten gegeben habe. Trump nickte zufrieden. Einen besseren Verbündeten kann er sich wohl kaum wünschen. Es ist zum Gruseln.

Alle US-Geheimdienste haben US-Präsident Trump klargemacht, dass sich Russlands Agenten massiv in die amerikanische Wahl eingemischt haben. Sonderermittler Robert Mueller hat gerade erst gegen zwölf russische Agenten Anklage erhoben, weil sie mutmaßlich in das Computernetz der Demokraten eingedrungen sind. Was tut Trump? Statt den Angriff auf die amerikanische Demokratie durch die Russen zu verurteilen, tut er so, als sei auch das ausgemachter Unsinn. Er stellt das Wort des russischen Präsidenten über die Expertise seiner eigenen Sicherheitsbehörden.

Warum das alles so ist, welche Motive Trump für diese Art von Politik gegenüber Putin hat, bleibt nebulös. Natürlich kann man, so wie viele Gegner Trumps, mutmaßen, dass Putin Trump mit "Kompromat" - also mit kompromittierendem Material - in der Hand hat.

Es kann aber auch schlicht sein, dass Trump einfach seinen üblichen Motiven folgt: Er sieht sich selbst als den größten Dealmaker, will alles anders machen als sein Vorgänger Barack Obama - auch im Verhältnis zu Russland. Also, er will alles schlechter machen.

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