Kalifornien Trump verurteilt tödlichen Angriff auf Synagoge

"Unsere gesamte Nation trauert": US-Präsident Donald Trump spricht nach dem Angriff auf eine Synagoge in Kalifornien von einem Hassverbrechen. Der mutmaßliche Attentäter ist ein 19-Jähriger.


Nach dem tödlichen Angriff auf eine Synagoge in Kalifornien hat US-Präsident Donald Trump jeglichen Antisemitismus scharf verurteilt. "Unsere gesamte Nation trauert um den Verlust von Leben, betet für die Verletzten und ist solidarisch mit der jüdischen Gemeinschaft", sagte Trump am Samstagabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Green Bay im Bundesstaat Wisconsin. "Mit Nachdruck verurteilen wir das Übel des Antisemitismus und des Hasses, das besiegt werden muss." Trump versprach, dass die Hintergründe der Tat vom Samstag aufgeklärt werden würden. Sie sehe nach einem Hassverbrechen aus.

Bei dem mutmaßlich antisemitisch motivierten Angriff auf eine Synagoge der orthodoxen Chabad-Bewegung in Poway nördlich der Stadt San Diego war am letzten Tag des jüdischen Pessachfests eine Frau getötet worden. Nach Polizeiangaben wurden drei weitere Menschen verletzt, als der Angreifer am Samstagvormittag in das Gotteshaus eindrang und das Feuer eröffnete. Der mutmaßliche Todesschütze - ein weißer 19-Jähriger - wurde festgenommen. Trump sagte vor seinem Abreise nach Wisconsin, die Tat sehe nach einem Hassverbrechen aus. Auch Poways Bürgermeister Steve Vaus sprach von einem Hassverbrechen.

Bill Gore, Sheriff im San Diego County, sagte, man prüfe, ob eine im Internet veröffentlichte Kampfschrift, die dem Festgenommenen zugeschrieben wurde, authentisch sei. Darin schreibt der Autor, dass Juden "nichts als die Hölle" verdienten. "Ich werde sie dorthin schicken." Der Verfasser bezieht sich darin auch auf Brenton Tarrant, den mutmaßlichen Attentäter von Christchurch. Der Rechtsextremist soll für den Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern in Neuseeland verantwortlich sein.

Der Autor bekennt sich in dem nicht verifizierten Schreiben auch zu einem bislang nicht aufgeklärten Brandanschlag auf eine Moschee im kalifornischen Escondido kurz nach dem Anschlag in Christchurch. Sheriff Gore sagte, es werde geprüft, ob es eine Verbindung zu dieser Tat gebe.

Hassverbrechen in die USA haben deutlich zugenommen

In der Synagoge wurde während des Angriffs das jüdische Pessachfest begangen, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und ihre Befreiung aus der Sklaverei erinnert. Die einwöchigen Feierlichkeiten hätten am Samstagabend mit einem Essen beendet werden sollen.

In Kalifornien war es kürzlich erst zu einem weiteren Angriff gekommen, der nach Überzeugung der Polizei Muslimen galt. Bereits am Dienstag war ein 34-jähriger US-Armeeveteran in Sunnyvale mit seinem Auto in eine Menschengruppe gefahren. Neue Beweise zeigten, dass der Verdächtige die Opfer aus rassistischen Gründen angegriffen habe, teilte die Polizei nun mit. Er habe sie für Muslime gehalten. Acht Menschen waren bei dem Vorfall am vergangenen Dienstag verletzt worden, ein 13-jähriges Mädchen schwebt weiterhin in Lebensgefahr.

Nach jüngsten Statistiken der Bundespolizei FBI haben Hassverbrechen in den USA 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zugenommen. 2017 registrierten die Behörden 7175 solche Verbrechen. 1679 davon wurden als religiös motiviert eingestuft. Von diesen Taten richteten sich wiederum 58,1 Prozent gegen Juden, 18,7 Prozent gegen Muslime. Kritiker werfen Trump vor, nicht energisch genug gegen rechtsradikale Position zu beziehen oder sie mit seiner hitzigen Rhetorik sogar zu ermutigen.

Auf den Tag genau sechs Monate vor dem Angriff in Poway hatte ein Rechtsradikaler in der "Tree of Life"-Synagoge in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania elf Menschen erschossen. Es handelte sich um das folgenschwerste antisemitische Verbrechen in der Geschichte der USA. Dem Täter wird derzeit der Prozess gemacht. Ihm droht nach Angaben des Justizministeriums die Todesstrafe.

hen/dpa



insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Leider3 28.04.2019
1. Pure Heuchelei
Gestern noch waren Trump und sein Vizepräsident Pence auf der Tagung der NRA (National Rifle Association) und sie haben beide unisono betont, dass sie nie zulassen werden, dass der Besitz von Waffen in der USA in irgendeiner Form eingeschränkt wird...
Alkyone 28.04.2019
2. Thema
Zitat von Leider3Gestern noch waren Trump und sein Vizepräsident Pence auf der Tagung der NRA (National Rifle Association) und sie haben beide unisono betont, dass sie nie zulassen werden, dass der Besitz von Waffen in der USA in irgendeiner Form eingeschränkt wird...
Trump und seine Freunde sehen da keinerlei Widerspruch zu ihrem Auftritt auf der Tagung der NRA. Wären alle Gläubigen bewaffnet gewesen, dann hätte nichts passieren können. Mehr Waffen für alle!
baba01 28.04.2019
3. Es ist immer
das gleiche = Politiker, wie Trump, die den Hass befeuern - sind hinterher entsetzt, trauern mit den Angehörigen, verurteilen die Tat, usw. - um nach kurzer Zeit im gleichen Stil, weiterhin ihren Mist abzusondern. In Europa das gleiche Bild. Wer wählt bloß diese Leute?
mirage122 28.04.2019
4. Ein amerikanisches Problem
Wenn jeder mit einer Waffe, welcher Art auch immer, durch die Gegend rennen kann, verstehe ich nicht, wie dieser Präsident nun so scheinheilig daher redet. Hass auf andere entsteht oft durch die eigene Frustration, dadurch dass man selbst kaum Chancen hat , die allgemeine Verlogenheit und die Unzufriedenheit mit sich und dem System. Schon mal darüber nachgedacht, Donny?
geboren1969 28.04.2019
5. Anstieg der Hassverbrechen
Tja, Herr Trump, das sind die Früchte ihrer "Politik". Aber vielleicht lässt sich das Problem mit noch mehr Waffen lösen?! Die USA werden langsam zur "NoGo-Area". So schön das Land auch ist, ich habe es schon länger auf meine "Schwarze Liste" für Urlaube gesetzt. Hass gegen Juden, Muslime, Latinos, Schwarze, Homosexuelle etc. Man höre sich nur die Reden von Herrn Trump und seinen Leuten an, dann verwundern solche Taten nicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.