Donald Trump in Mexiko "Jeder Staat muss das Recht haben, eine Mauer zu bauen"

Im US-Wahlkampf verunglimpfte Donald Trump Mexikaner pauschal als Kriminelle. Jetzt reist er ins Nachbarland und wirbt dort für sein Lieblingsprojekt, den Mauerbau. Doch sein Gastgeber widerspricht ihm in einem entscheidenden Punkt.

 Enrique Peña Nieto und Donald Trump
AFP

Enrique Peña Nieto und Donald Trump


Er will die illegale Einwanderung stoppen, und zwar mit der Hilfe des mexikanischen Präsidenten: Donald Trump hat sich bei seiner ersten formellen Auslandsreise als US-Präsidentschaftskandidat mit Enrique Peña Nieto getroffen. Die Idee, eine verstärkte Grenze zwischen beiden Ländern zu bauen, verfolgt Trump noch immer. "Jeder Staat muss das Recht haben, eine Mauer oder Barriere an seinen Grenzen zu bauen", sagte der 70-Jährige.

"Ich bin mir sicher, dass Donald Trump ein aufrichtiges Interesse daran hat, sich um das Wohlergehen unser beider Länder zu kümmern", sagte Peña Nieto während der gemeinsamen Pressekonferenz mit Trump im Präsidentenpalast von Mexiko-Stadt. Er habe ihm gesagt, dass Mexikaner zum Leben in den USA auf verschiedenste Weise beitragen. "Sie sind ehrlich und arbeiten hart", sagte Peña Nieto. Sie verdienten Respekt. Die Grenzschützer müssten sich der Probleme mit Waffenhandel Richtung Süden ebenso annehmen wie der illegalen Einwanderung Richtung Norden.

Ein erboster Ex-Präsident tobte bei Twitter

Im Vorfeld des Treffens hatte der Präsident in der mexikanischen Öffentlichkeit harsche Kritik eingesteckt, unter anderem von Ex-Präsident Vicente Fox, der sich auf Twitter erbost zeigte. Kein Wunder, schließlich ist Donald Trump bisher vor allem mit Beleidigungen des Nachbarlands aufgefallen. Zu Beginn seines Wahlkampfes hatte er mexikanische Einwanderer pauschal als Drogendealer und Vergewaltiger verunglimpft. Er will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten lassen, um Immigranten abzuwehren. Für den Bau will er jedoch die Nachbarn zahlen lassen - so hat er es zuletzt immer wieder dargestellt.

Bei dem Gespräch in Mexiko soll nun alles viel versöhnlicher und diplomatischer abgelaufen sein. "Wir hatten einen inhaltsreichen, direkten und konstruktiven Ideenaustausch", sagte Trump. "Unsere Länder müssen schnell daran arbeiten, die illegale Einwanderung zu beenden, das muss schnell gelöst werden."

Trump sagte, man habe nicht besprochen, wer für den Bau einer Grenzmauer aufkommen solle. Dem widersprach Peña Nieto via Twitter: Demnach habe er Trump schon zu Beginn des Gespräches gesagt, Mexiko werde keinesfalls für einen Bau zahlen.

Ein Hauch von Häme aus dem Weißen Haus

Trump und Peña Nieto mühten sich bei der Pressekonferenz beide, ein gutes Verhältnis erkennen zu lassen. "Ein pulsierendes und wohlhabendes Mexiko ist nur im Interesse der Vereinigten Staaten", sagte der US-Republikaner. "Ich habe riesige Gefühle für mexikanischstämmige Amerikaner." Sein Gesprächspartner bekannte, man werde konstruktiv mit dem jeweiligen Gewinner der US-Präsidentschaftswahl zusammenarbeiten.

Aus dem Weißen Haus wurde die Reise mit einem Hauch von Häme kommentiert. Mit Blick auf den umjubelten Auftritt des damaligen demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama 2008 in Berlin sagte Sprecher Josh Earnest: "Wir werden sehen, ob Mr. Trump ähnlich empfangen wird."

mja/dpa/Reuters/AP



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