Donald Trump Gestern Merkel-Fan, heute Merkel-Kritiker

Donald Trump zieht über Angela Merkel her. Doch ihm geht es gar nicht um die deutsche Flüchtlingspolitik. Der US-Präsidentschaftskandidat verfolgt zwei andere Ziele.
US-Präsidentschaftskandidat Trump

US-Präsidentschaftskandidat Trump

Foto: Gerald Herbert/ AP

Wenn es um den Umgang mit Flüchtlingen geht, hat Donald Trump schnell ein Negativbeispiel parat: Deutschland und Angela Merkel. Die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sei bekanntlich "eine Katastrophe", sagte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner auch am Montagabend in seiner Rede zur Außenpolitik. Und er zeichnete ein düsteres Bild von der Bundesrepublik im Jahr 2016: Die Kriminalität sei auf ein Niveau gestiegen, "von dem niemand gedacht habe, dass er es jemals sehen würde".

Das Szenario soll die Wähler abschrecken: "Hillary Clinton will die Angela Merkel Amerikas werden", warnte Trump. Die Flüchtlingspolitik seiner demokratischen Konkurrentin sei genauso verfehlt wie die der Bundeskanzlerin.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump in seinen Reden Merkel persönlich attackiert. Der Milliardär nannte die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin schon mal "irrsinnig" und unterstellte Merkel, Deutschland zu ruinieren. Der Bundesrepublik wiederum prophezeite er Aufstände und "radikalislamischen Terrorismus" - und nach den Anschlägen in Würzburg und Ansbach teilte er mit, Deutschland sei selbst schuld.

"Merkel ist fantastisch"

Vor ziemlich genau einem Jahr klang das noch ganz anders. Im Interview mit dem US-Magazin "Time"  forderte Trump Mitte August 2015 von Deutschland mehr Härte und Kampfbereitschaft in der Ukrainekrise - für Merkel fand er jedoch ansonsten nur anerkennende Worte. Sie sei die "wahrscheinlich größte Führerin der Welt", sagte Trump. Damit nicht genug: "Sie ist fantastisch", "sehr respektiert".

Auch von Deutschland schien Trump bis dahin begeistert: "Ich liebe Deutschland", sagte er 2015. Und auch für die Heimatstadt seiner Großeltern, Kallstadt in Rheinland-Pfalz, hatte er nur Liebesbekundungen übrig.

Clinton und Merkel in Berlin (Archivbild)

Clinton und Merkel in Berlin (Archivbild)

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Mitte Oktober dann aber wetterte Trump im US-Fernsehen gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. "Ich dachte immer, Merkel wäre diese große Führerin, doch was sie in Deutschland getan hat, ist irrsinnig. Es ist irrsinnig, so viele Menschen reinzulassen." Es scheint so, als habe die Flüchtlingskrise binnen weniger Wochen Trumps Bild von Deutschland und Merkel gewandelt.

Trump geht es nicht um Deutschland oder Merkel

Wie konnte es zu diesem Meinungswandel kommen? Der Politikwissenschaftler und Professor für Innenpolitik Nordamerikas an der FU Berlin, Christian Lammert, sieht den Grund dafür nicht in der Flüchtlingskrise. Dem Präsidentschaftskandidaten gehe es bei seinen Aussagen nicht explizit um Deutschland oder Angela Merkel. "Ich bezweifle, dass Trump überhaupt weiß, was genau gerade in Deutschland passiert", sagt Lammert.

Die Rede sei eher ein Versuch gewesen, sich ein außenpolitisches Profil zu geben. "Aber es ist kein Profil erkennbar", so Lammert. Trump habe weder Deutschland noch Europa wirklich eine außenpolitische Haltung gegenüber. Die vermeintlichen Fakten, die er dabei anführe, würden regelmäßig widerlegt. "Doch den Wählern scheint das nicht wichtig zu sein", so Lammert. Trump fehle es an einem Wissensfundament. "Was wir sehen, ist eine Karikatur von Wahlkampf."

Vielmehr bediene Trump Ängste und Vorurteile, um bei seinen Wählern zu punkten. So auch bei dem Vergleich zwischen Clinton und Merkel, sagt Lammert. Nach dem Motto: Wenn man das eine Frau machen lässt, sieht man ja, was dann passiert. Mit diesem chauvinistischen Gender-Argument versuche Trump, vor allem bei weißen Männern zu punkten.

"Trumps Bild von Deutschland wird sich dauernd ändern", sagt Lammert. Beim nächsten Mal könnte es sein, dass der Milliardär Merkel für ihre Wirtschaftspolitik lobe - wenn ihm danach ist. Wie willkürlich Trump seine Meinung ändert, zeigt seine Einstellung zu seiner Konkurrentin Clinton. 2008 schien er noch keine Zweifel an deren Fähigkeiten als Präsidentin zu haben, im Gegenteil: "Ich unterstütze Hillary, sie ist eine fantastische Person", sagte er im Wahlkampf und spendete an Clintons Kampagne .