Trump und die Medien "Das Treffen war ein Desaster"

Donald Trump hält die Presse für verlogen. Jetzt hat der designierte US-Präsident Amerikas wichtigste Journalisten eingeladen - und einen Neustart im Verhältnis mit den Medien wohl trotzdem vermasselt.
Designierter US-Präsident Trump

Designierter US-Präsident Trump

Foto: © Carlo Allegri / Reuters/ REUTERS

Eigentlich sollte nach diesem Treffen alles besser werden: Nachdem er sie wochenlang beschimpft und ihnen Lügen vorgeworfen hatte, empfing Donald Trump am Montag Vertreter der fünf größten US-Fernsehsender in seinem Hochhaus in New York. Hinter verschlossenen Türen sollte "off the record" darüber geredet werden, wie die künftige Zusammenarbeit zwischen den Journalisten und dem designierten US-Präsidenten aussehen könnte.

Doch daraus wurde offenbar zunächst nichts: Einige Teilnehmer waren ob Trumps Auftritt so schockiert, dass sie die Schweige-Vereinbarung brachen und hinterher über Details des Gesprächs berichteten. Wie am Dienstag bekannt wurde, habe Trump mit einer Tirade über die "verlogene Presse" begonnen und die Sender CNN und NBC News als Negativbeispiele genannt, heißt es auf "Politico". 

"Das Treffen war ein Desaster", zitiert die "New York Post"  einen Gast. Trump habe CNN-Chef Jeff Zucker persönlich angegangen und ihm gesagt, dass er den Sender hasse und die Mitarbeiter Lügner seien.

Trump habe sich unerhört verhalten, sagte ein Teilnehmer dem Magazin "The New Yorker" . Er selbst sei mit großer Offenheit in das Treffen gegangen. Doch nach Trumps Auftritt denke er nun: "Fuck him!"

Rache für US-Wahlkampf?

Seit seiner Wahl hat Trump die etablierten US-Medien - bis auf wenige Ausnahmen - auf Abstand gehalten. Die Mehrheit der Zeitungen und TV-Sender hatte sich im Wahlkampf gegen Trump gestellt und empfohlen, Hillary Clinton zu wählen. Trump, der großen Wert auf Loyalität legt, dürfte das sehr getroffen haben.

Lediglich dem Sender CBS gab er nach seinem Wahlsieg gemeinsam mit seiner Familie ein Interview. Zur traditionellen Pressekonferenz, die die Sieger in den vergangenen Jahren üblicherweise binnen Tagen nach der Wahl hielten, hat Trump bislang nicht eingeladen. Und als er in der vergangenen Woche Japans Regierungschef Shinzo Abe empfing, durfte die Presse nicht wie üblich selbst Aufnahmen machen, sondern bekamen von Trumps Team Fotos zur Verfügung gestellt. Aus Protest zeigten die meisten US-Medien das Material nicht. So sei keine unabhängige Berichterstattung möglich, kritisierten sie.

Angesichts dieses Vorgehens ist die Sorge groß, dass Trump den Medien den Zugang zur Regierung mit seinem Einzug ins Weiße Haus noch weiter erschweren könnte. "Ermutigt durch seinen Wahlsieg könnte er sich weigern, die traditionell zwar kritische, aber auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit zwischen dem US-Präsidenten und den Journalisten, so fortzusetzen", schreibt die "New York Times".

Zeichen der Annäherung

Einige Teilnehmer der Runde im Trump Tower sehen trotzdem Anlass, auf eine Annäherung des Unternehmers an die Medien zu hoffen. Zwar heißt es auch auf CNN , Trump habe den Sender und anderen Nachrichtenunternehmen scharf kritisiert.

Gleichwohl habe der designierte US-Präsident die Teilnehmer jedoch auch um eine gute Beziehung zwischen dem Weißen Haus und den Medien gebeten. Er habe Fragen beantwortet, den Argumenten der Journalisten zugehört und zugesagt, den Zugang der Presse zu sich und seinem Team zu verbessern. Es seien "echte Fortschritte" gemacht worden, berichtete CNN Money unter Berufung auf einen Teilnehmer.

Noch positiver sieht es naturgemäß Trumps Team. Das Treffen sei sehr aufrichtig, produktiv und angenehm gewesen, beschreibt Beraterin Kellyanne Conway. "Und sehr offen und ehrlich." Aus ihrer Sicht genau das Richtige, um den "Reset"-Button zu drücken.

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Wie sich Trump an den Neustart-Plan seines Teams hält, könnte sich schon am heutigen Dienstag zeigen. Geplant ist ein Treffen bei seinen Lieblingsgegnern, Journalisten der "New York Times". Doch ob es wirklich zustande kommen würde, war zunächst mehr als fraglich: In den frühen Morgenstunden zog Trump auf Twitter über die Zeitung her, warf ihr vor, fehlerhaft zu berichten, und teilte mit, das Treffen sei abgesagt. 14 Minuten danach schrieb er: "Vielleicht wird ein neues Treffen mit der @nytimes angesetzt." Die endgültige Entscheidung enthielt er seinen Lesern auf Twitter vor, sein Team aber bestätigte: Trump werde am Treffen teilnehmen.

brk
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