Vorwurf der versuchten Vergewaltigung Trump verteidigt seinen Richter-Kandidaten

Brett Kavanaugh wird der versuchten Vergewaltigung beschuldigt. Der US-Präsident nimmt seinen Kandidaten für den Supreme Court in Schutz: Er sei sicher, dass es am Ende wie geplant zur Bestätigung des Richters kommen werde.

Brett Kavanaugh und Donald Trump
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Brett Kavanaugh und Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat seinen Wunschkandidaten für den Supreme Court, Brett Kavanaugh, gegen den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung verteidigt. Kavanaugh sei ein herausragender Richter und ein untadeliger Mensch, sagte Trump am Montag in Washington. Es habe in Kavanaughs Werdegang nie einen Makel gegeben. Auch das FBI habe diesen mehrfach durchleuchtet.

Er sei sicher, dass es am Ende wie geplant zu Kavanaughs Bestätigung für den obersten Gerichtshof der USA kommen werde, sagte Trump. "Wenn sich das etwas verzögert, dann verzögert es sich eben etwas." Er erwarte aber keine besonders große Verzögerung. Er selbst habe nicht mit Kavanaugh über die Vorwürfe gesprochen. Die Nachfrage, ob dieser seinen Rückzug angeboten habe, nannte Trump "lächerlich".

Trump sagte auch, ihm sei daran gelegen, dass das Prozedere vollständig sei und alle Beteiligten angehört würden. Den Demokraten warf er vor, dass sie die Vorwürfe nicht früher an die Öffentlichkeit gebracht, sondern damit bis zur letzten Minute gewartet hätten.

Bisher war geplant, dass der Justizausschuss des Senats am kommenden Donnerstag über Kavanaugh abstimmen wird. In dem Votum geht es darum, ob das Gremium die Personalie für die endgültige Abstimmung an das Plenum weiterreicht. Nun gibt es allerdings Forderungen - auch vonseiten der Republikaner - das weitere Prozedere bis zur Klärung der Vorwürfe zu unterbrechen.

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Kavanaugh und Ford sollen am Montag aussagen

Die Professorin Christine Blasey Ford behauptet, Kavanaugh habe nach einer Party Anfang der Achtzigerjahre versucht, sie zu vergewaltigen. Den Vorfall hatte sie am Sonntag in der "Washington Post" geschildert. Bereits in der vergangenen Woche waren erste Berichte über die Vorwürfe veröffentlicht geworden, dabei war Ford allerdings namentlich noch nicht genannt worden.

Kavanaugh bestreitet die Vorwürfe energisch. Sowohl er als auch Ford haben inzwischen angeboten, vor dem US-Kongress in der Sache Stellung zu nehmen. Kavanaugh sagte laut einer Erklärung des Weißen Hauses, er wolle vor dem Ausschuss die "völlig falsche Anschuldigung" zurückweisen und seine "Integrität verteidigen". Kavanaugh und Ford sollen am kommenden Montag vor dem Justizausschuss des Senats aussagen. Das bestätigte inzwischen der Vorsitzende des Gremiums, Senator Chuck Grassley. Um genügend Transparenz zu gewährleisten, werde die Anhörung öffentlich sein.

Trumps Beraterin Kellyanne Conway hatte zuvor dem TV-Sender Fox News gesagt, der Präsident sei mit einer Befragung der Professorin durch den Justizausschuss einverstanden. "Diese Frau sollte nicht beleidigt werden, und sie sollte nicht ignoriert werden."

Video: Tumulte bei Kavanaugh-Anhörung im Senat

aar/dpa/AFP

insgesamt 38 Beiträge
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velofisch 18.09.2018
1. Heiligt der Zweck die Mittel?
Trump will den Supreme-Court so besetzen, dass dieser Roe v. Wade umkehrt und den Bundesstaaten das Recht gibt, Abtreibung strafbar zu stellen. Rechtfertigt dies die Legende einer versuchten Vergewaltigung? Beweise gibt es keine und nach 35 Jahren wäre das sowieso verjährt, von daher wird da nie ein Gericht darüber urteilen, aber ein Richterkandidat kann darüber stürzen. Abgesehen von den moralischen Abgründen kann das vielleicht tatsächlich helfen, die Abtreibung in den USA legal zu halten. Aber es ist gleichzeitig ein Dolchstoss in den Rücken der Frauen, die tatsächlich vergewaltigt wurden. Wird Trump den Kandidaten nun trotzdem durchboxen, so hätte der Feminismus dadurch aber doppelt verloren: Einmal durch den Verlust an Glaubwürdigkeit und zum anderen durch einen erzkonservativ besetzten Supreme Court.
Europa! 18.09.2018
2. So nicht!
Wenn eine gestandene Juristin (!) nach 35 Jahren (!) plötzlich erklärt, sie sei "Anfang der 80er Jahre" (!) auf einer Party (!) beinahe (!) vergewaltigt worden, dann ist das nicht nur lächerlich, sondern eigentlich nur infam. Es ist völlig in Ordnung, dass die Taten von Kinderschändern auch nach Jahrzehnten verfolgt werden. Aber unbewiesene (und unbeweisbare) Anschuldigungen wie diese, sind nichts als ehrabschneidende Verleumdungen.
DerÜblicheVerdächtige 18.09.2018
3.
natürlich wird er am ENde bestätigt werden, weil die GOP Leute wissen, dass ein Einknicken in diesem Fall verheerende Folgen haben könnte. warum lassen die Reps Trump machen? Weil seine Skandale von ihrer Agenda weitgehend ablenken und Kavanaugh ist rep. Agenda in Richterrobe. Ihn nicht zu bestätigen wäre eine Niederlage. Das geht ja gar nicht. Plus die Agenda ist in Gefahr. Man hat dem Präsidenten sexuelle Übergriffe durchgehen lassen und man wird sie auch seinem Wunschkandidaten durchgehen lassen. Dass er nebenbei noch Trumps legale Bastion gegen die Absetzung ist, ist nur das Tüpfelchen auf dem i.
neutralfanw 18.09.2018
4.
Dieser feine Herr passt ideal zu dem Trump Team. Ich hoffe, alle verführten Trump-Wähler (Lemminge) werden die Auswirkung ihrer Entscheidung im eigenen Leben noch zu spüren bekommen. Ich vermute jedoch, sie werden die Ursache nicht erkennen.
thousandguitars 18.09.2018
5. Ist doch klar...
...dass "Pussygrapscher-Trump" seinem Wunschkandidaten die Stange hält.
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