Nach massiver Kritik Trump verteidigt Glückwünsche an Putin

Der US-Präsident hat seinem russischen Amtskollegen zur Wiederwahl gratuliert - offenbar entgegen der ausdrücklichen Empfehlung seiner Berater. Nun wehrt sich Trump gegen die Kritik.
Putin und Trump (Juli 2017)

Putin und Trump (Juli 2017)

Foto: Evan Vucci/ AP

Ein Gratulationsanruf von US-Präsident Donald Trump bei seinem wiedergewählten russischem Kollegen Wladimir Putin hat für Ärger im Weißen Haus gesorgt. Trump sei wütend und sein Stabschef John Kelly frustriert und zutiefst enttäuscht, hieß es aus dem Präsidialamt. Sie ärgerten sich darüber, dass öffentlich bekannt wurde, dass enge Berater Trump ausdrücklich von Glückwünschen abgeraten hätten. Die "Washington Post"  berichtete, in Trumps Briefing-Unterlagen für das Gespräch mit Putin habe explizit gestanden: "NICHT GRATULIEREN".

Trump setzte sich darüber hinweg. Nach dem Gespräch sagte er Journalisten, er plane ein baldiges Treffen mit Putin. Wegen der Gratulation geriet Trump bei Senatoren der Demokraten in die Kritik - aber auch bei seiner eigenen republikanischen Partei. Sie zweifeln an einem fairen Ablauf der Wahl in Russland.

Der republikanische Senator John McCain aus Arizona - schon lange als Trump-Kritiker bekannt - schrieb via Twitter, ein US-Präsident führe die freie Welt nicht an, indem er einem Diktator zu einer "Schein-Wahl" gratuliere. Putin hatte bei der Wahl am Wochenende 76,7 Prozent der Stimmen erhalten. Er bleibt damit sechs weitere Jahre bis 2024 im Amt.

McCains Parteikollege Ed Royce vertritt den Bundesstaat Kalifornien im US-Kongress - und auch er kritisierte Trump deutlich: Putin verdiene keine Glückwünsche für seine "Schein-Wiederwahl", twitterte er. Der Ausgang sei unvermeidlich gewesen, weil Putin die Opposition zum Schweigen gebracht habe.

Nun verteidigte sich Trump gegen die Kritik: "Mit Russland (und anderen) klarzukommen ist gut und nicht schlecht", schrieb er bei Twitter. Russland könne bei Themen wie Nordkorea, Syrien, der Ukraine, der Terrormiliz IS, Iran oder dem Rüstungswettlauf helfen.

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist derzeit so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Washington wirft Moskau Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf vor, der Kreml dementiert. Die USA verhängten in der vergangenen Woche Sanktionen, Russland kündigte im Gegenzug eigene Strafmaßnahmen an.

aar/Reuters/dpa