Pressekonferenz mit Macron Trump verteidigt seinen Sohn in Russlandaffäre

"Das ist ein Standardverfahren in der Politik": US-Präsident Trump nimmt bei seinem Frankreich-Besuch seinen Sohn in der Russlandaffäre in Schutz. Dessen Treffen mit einer russischen Anwältin sei lediglich Recherche gewesen.

US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
REUTERS

US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron


US-Präsident Donald Trump hat die Entscheidung seines ältesten Sohnes verteidigt, sich im Wahlkampf mit einer russischen Anwältin zu treffen. "Praktisch gesehen denke ich, dass die meisten Leute dieses Treffen wahrgenommen hätten. So etwas nennt man Recherche über den politischen Gegner", sagte Trump in Paris bei einer Pressekonferenz mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Es sei normal im politischen Geschäft, Informationen über Konkurrenten einzuholen, sagte Trump, es handele sich um "ein Standardverfahren". Politik sei "nicht das netteste Geschäft der Welt", fügte er hinzu. Das Treffen an sich sei sehr kurz gewesen, und bei der Anwältin habe es sich auch nicht um eine Regierungsanwältin gehandelt.

Donald Trump junior hatte eingeräumt, dass er sich während des Wahlkampfes mit einer russischen Anwältin getroffen hatte. Er machte am Dienstag einen E-Mail-Wechsel öffentlich.

Daraus geht hervor, dass ihm belastende Informationen über Hillary Clinton, die Konkurrentin seines Vaters bei der Präsidentschaftswahl, in Aussicht gestellt worden waren. In einer E-Mail wurde ihm seine Gesprächspartnerin als Regierungsanwältin angekündigt.

"Es kann noch etwas passieren, bezüglich des Pariser Abkommens"

Zum Thema Klimaschutz sagte Macron, es gebe beim Pariser Abkommen Meinungsverschiedenheiten, man müsse aber weiter darüber reden. Trump deutete an, dass seine Position sich noch ändern könne: "Es kann noch etwas passieren, bezüglich des Pariser Abkommens", sagte er: "Wenn es passiert, dann wäre das wunderbar. Wenn nicht, dann ist das auch okay."

Er erneuerte damit seine Position, die er bereits vor Wochen bei der Ankündigung, das Abkommen zu verlassen, klargemacht hatte. Damals hatte er erklärt, er wolle nachverhandeln und für die USA bessere Konditionen herausholen. Trump ist derzeit beim Kampf gegen den Klimawandel international isoliert.

Trump und Macon bekundeten ihren Willen zur Zusammenarbeit. "Die Freundschaft zwischen unseren beiden Nationen und uns selbst ist unzerbrechlich", sagte Trump. Macron betonte die Kooperation unter anderem beim Anti-Terror-Kampf, verwies aber auch auf "Meinungsverschiedenheiten" beim Klimaschutz.

"Frankreich ist Amerikas erster und ältester Verbündeter", sagte Trump bei der Pressekonferenz. "Viele Menschen wissen das nicht." Es gehe jetzt unter anderem darum, die Partnerschaft in Sicherheitsfragen zu stärken.

Paris sei "eine der schönsten Städte der Welt", schmeichelte Trump den Gastgebern. "Und ich habe das Gefühl, dass Sie ein sehr, sehr friedliches und schönes Paris haben werden. Und ich komme wieder." Macron erwiderte auf Englisch: "Und Sie sind immer willkommen."

Gedenken an Terroranschlag in Nizza

Am Freitag ist Trump zu Gast bei der Militärparade auf den Pariser Champs-Elysées anlässlich des Nationalfeiertags. Dabei wird auch des Terroranschlags von Nizza mit 86 Toten gedacht. Macron wird am Nachmittag in der südfranzösischen Hafenstadt eine Trauerzeremonie leiten.

Ein Mann war vor einem Jahr nach einem Feuerwerk zum Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) beanspruchte den Anschlag für sich. Trump und Macron vereinbarten bei ihrem Treffen, im Kampf gegen den Terrorismus noch enger zusammenzuarbeiten und den Informationsaustausch der Geheimdienste zu verstärken.

cte/dpa/AFP



insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
egoneiermann 13.07.2017
1.
Trump ist einfach nur dumm und vertraut scheinbar niemanden. Hätte er sich einen professionellen Wahlkampfmanager geholt, könnte er diesen nun ganz einfach absägen und die ganze Schuld auf ihn schieben. Tja, mit der Familie geht sowas eben nicht.
Thoregon 13.07.2017
2. Wenn
eine Untersuchung durchgeführt wird, um festzustellen, ob jemand ein Gesetz gebrochen hat, ist das keine Hexenjagd. Wenn über diese Untersuchung berichtet wird, ist auch das keine Hexenjagd. Und zum wiederholten Mal: es geht nicht (nur) um die Russlandkontakte, sondern vor allem darum, dass darüber gelogen wurde.
debitorenschreck 13.07.2017
3. Wer sich rechtfertigt, hat Schuld!
Es ist ja wohl nicht davon auszugehen, dass der Trump-Spross auf eigene Faust solche dubiosen Recherchen anstellt, sondern vom Vater dazu instruiert wurde. Aufgrund der Salami-Taktik wird dies früher oder später wohl bestätigt werden. Die Schlinge wird sich peu à peu weiter zuziehen. Es dürfte eng werden, sehr eng.
firmentrottel 13.07.2017
4. Verzerrte Wahrnehmung
Sie scheinen ein wirklich schräge Brille auf der Nase zu haben, wenn sie das so, wie sie schreiben, wahrnehmen. Alleine die trumpsche Unlogik, das es in Ordnung ist, wenn er überall nach Dreck gräbt - auch in Russland - die Presse aber der größte Feind der USA ist, weil sie über das Offensichtliche berichtet, ist schon ziemlich bezeichned für diesesen Trump-Clan. Nein, sie liegen meilenweit daneben mit ihren schlichten und durchsichtigen Versuch einen Haufen Hundescheiße zum Schokoladenpudding bester Güte zu erklären.
Palmstroem 13.07.2017
5. Monty Python's Flying Circus
Da trifft sich ein Sohn von Donald Trump mit einer russischen Anwältin, deren Exmann ein ehemaliger Vizeminister einer russischen Regionalregierung war und die nichts über Hillary Clinton in der Hand hat. Vermittelt hat das Treffen Rob Goldston, ein kaum bekannter britischer Musikclown mit Sympathien für Putin auf Anregung seines aserbeidschaischen Musikerfreundes Emin Agalarow, dessen Popkarriere er zur Zeit managt. Der hat einen Vater, der 2013 zusammen mit Donald Trump in Moskau "Miss Universe" veranstaltete und ansonsten in Immobilien macht und angeblich auch mit Putin befreundet ist. "Im amerikanischen Strafrecht ist "Verschwörung" eine Übereinkunft von zwei oder mehr Personen, eine Straftat gegen die Vereinigten Staaten zu begehen." Diese Amateur-Truppe soll nun von Putin gesteuert eine Verschwörung gegen die USA geplant haben, wobei noch zu fragen ist, ob Hillary Clinton die Vereinigten Staaten repräsentiert. Die Story könnte aus Monty Python's Flying Circus stammen - bester britischer Humor.
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