Cyberattacken im US-Wahlkampf Trump-Vertrauter hatte Kontakt zu russischem Geheimdienst

Eine neue Anklageschrift von US-Sonderermittler Robert Mueller belastet einen engen Vertrauten von US-Präsident Trump. Wusste er, dass er mit Hackern des russischen Geheimdienstes Kontakt hatte?
Trump, Putin

Trump, Putin

Foto: MIKHAIL KLIMENTYEV/ AFP

Die Veröffentlichung ist so getimt, dass sie maximale Wirkung erzielt: Kurz vor einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Helsinki hat US-Sonderermittler Robert Mueller eine neue Anklageschrift veröffentlicht.

Das 29-seitige Dokument (Originalquelle hier ) ist die bislang detaillierteste Anklageschrift der Russlandaffäre. Sie enthält gleich mehrere Informationen, die das Treffen der beiden Staatschefs belasten dürften.

Hier die drei wichtigsten Punkte im Überblick.

1. Direkte Anklage gegen den russischen Geheimdienst

Hillary Clinton

Hillary Clinton

Foto: ANGELA WEISS/ AFP

In der Schrift belastet Mueller erstmals konkret den russischen Geheimdienst für Hackerangriffe auf Computer der US-Demokraten und des Wahlkampflagers von Donald Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton zur Zeit der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016.

Mueller erhebt gleich gegen zwölf russische Geheimdienstler Anklage. Sie sollen demnach in "offizieller Tätigkeit" mit Cyberangriffen in die Wahl eingegriffen haben.

Die Anklageschrift zeichnet das Bild eines koordinierten, komplexen, minutiös geplanten Cybergroßangriffs auf mehr als 300 Mitarbeiter der Clinton-Kampagne und anderer Organisationen der demokratischen Partei.

Die Hacker implantierten unter anderem Computercode auf den Rechnern dieser Mitarbeiter, überwachten ihre Tätigkeiten am Computer und stahlen haufenweise vertrauliche Dokumente, die später als Leaks in die Öffentlichkeit gelangten - mit dem Ziel, Clintons Glaubwürdigkeit zu beschädigen. Zudem beschuldigt Muellers Team die Russen der Geldwäsche.

Die Anklageschrift erhält keine Einschätzung über die Wirksamkeit der russischen Cyberangriffe. Ob sie das Ergebnis der US-Wahl tatsächlich verfälscht haben oder nicht, lässt er offen.

2. Direkte Anklage gegen Trump-Vertrauten

Trump-Vertrauter Roger Stone

Trump-Vertrauter Roger Stone

Foto: © Brendan McDermid / Reuters/ REUTERS

Noch heikler ist, dass in der Anklageschrift offenbar auch ein enger Trump-Vertrauter belastet wird.

In dem Dokument ist von einer Person die Rede, die in regelmäßigem Kontakt zu Trumps Präsidentschaftskampagne gestanden habe und die eine Zeitlang Mails mit "Guccifer 2.0" austauschte - einer Figur, die Mueller einer Gruppe des russischen Militärgeheimdienstes zuordnet.

Am 15. August 2016 schrieb "Guccifer 2.0" demnach an den Mann aus Trumps Umfeld:

"Danke, dass Sie zurückgeschrieben haben. [...] Haben Sie irgendetwas Interessantes in den Dokumenten gefunden, die ich Ihnen geschickt habe?"

Am 17. August 2016 habe "Guccifer 2.0" geschrieben:

"Bitte sagen Sie mir, wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann. [...] Es wäre mir ein großes Vergnügen."

Laut Muellers Anklageschrift gibt es allerdings bislang keinen Hinweis, dass der Mann aus Trumps Umfeld wusste, dass er mit Russen kommunizierte.

Nach Angaben der "New York Times"  handelt es sich bei dem Mann aus Trumps Umfeld um Roger Stone, einen langjährigen Berater und Vertrauten des heutigen US-Präsidenten. Stone war bereits zuvor ins Visier von Muellers Ermittlungen geraten.

Mitte Juni war bekannt geworden, dass es ein geheimes Treffen zwischen Stone und einem russischen Staatsbürger in Florida gegeben haben soll, bei dem der Russe Stone angeblich schädliche Informationen über Hillary Clinton für zwei Millionen Dollar verkaufen wollte. Stones Anwalt teilte später mit, sein Klient habe das Angebot abgelehnt.

Stone hat sich bislang nicht zu dem Bericht der "New York Times" geäußert.

3. Ein sehr seltsamer Zufall

Sonderermittler Robert Mueller (Archivbild)

Sonderermittler Robert Mueller (Archivbild)

Foto: Alex Wong/ Getty Images

Der neue Mueller-Bericht geht schließlich indirekt auf den recht merkwürdigen Zusammenfall zweier Ereignisse ein.

Laut der Anklageschrift sollen Russlands Cyberspione ausgerechnet am 27. Juli 2016 erstmals sogenannte Lock-Mails an E-Mail-Accounts eines Anbieters verschickt haben, den auch Clintons Mitarbeiter nutzten.

Wer auf Links in einer Lock-Mail klickt, verseucht oft nicht nur den eigenen Rechner, sondern gleich sein ganzes Computer-Netzwerk. Die Mails können demnach ein Versuch gewesen sein, Zugriff auf Daten des Clinton-Teams zu bekommen.

Ebenfalls am 27. Juli 2016 hatte sich Donald Trump auf einer Pressekonferenz zu Vorwürfen gegen Hillary Clinton geäußert. Es ging damals um Vorwürfe, dass die Ex-Außenministerin private Mail-Accounts für vertrauliche Korrespondenz benutzt haben könnte.

"Russland, wenn du zuhörst", sagte Trump damals. "Ich hoffe, du kannst die 30.000 verschwundenen E-Mails finden. Ich glaube, du könntest von unserer Presse reich belohnt werden."

Trump-Gegner fragen sich nun: Hat Russland wirklich zugehört? Sind die Hacker Trumps Aufforderung gefolgt?

Es spricht einiges gegen diese Theorie. Zum Beispiel, dass es auch schon im März 2016 ähnliche Cyberattacken gegeben hatte. Auch geht Muellers Bericht auf Trumps Äußerungen vom 27. Juli 2016 gar nicht ein.

Zumindest aber führt Mueller den Lock-Mail-Angriff vom 27. Juli 2016 explizit als Beispiel an. Ist das wirklich Zufall? Oder vielleicht doch ein subtiler Seitenhieb gegen den US-Präsidenten und sein loses Mundwerk?

Und jetzt?

Trump hat die Ermittlungen zu den russischen Manipulationsversuchen stets heruntergespielt. Er bezeichnet Muellers Untersuchung als "Hexenjagd".

Nun aber steht der US-Präsident unter Druck. Trump müsse die neuen Enthüllungen bei seinem Treffen mit Putin am Montag ins Zentrum rücken, sagen einige Republikaner. Manche Demokraten fordern gar, den Termin abzusagen.

Und Trump? Der sagt, er werde "definitiv und streng fragen". Er glaube aber nicht, dass Russlands Antwort besonders erhellend sein werde.

Ein "Mist, ich habe es getan, ich habe es getan, du hast mich erwischt" werde er wohl nicht zu hören bekommen, sagte Trump.

Mit Material der Agenturen
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