Twitter-Duell mit Trump "Leer. Total leer. Er hat kein Hirn"

Kein Mexikaner wehrt sich so laut gegen Donald Trump wie der frühere Präsident Vicente Fox. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er darüber, wie er den Amerikaner schlagen will: mit Kurznachrichten bei Twitter und einer deftigen Sprache.

Vicente Fox
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Vicente Fox weiß genau, was die sozialen Netzwerke lieben: das F-Wort. "TRUMP, wann wirst Du verstehen, dass ich nicht die verfickte Mauer bezahle", hat er kürzlich getwittert: "Sei ehrlich zu den US-Steuerzahlern. Sie werden dafür bezahlen."

Nun ist Vicente Fox kein ganz unbedeutender Mexikaner. Er war von 2000 bis 2006 Präsident des Landes. Aber dass sein Tweet derart um die Welt gehen würde, hätte er wohl selbst nicht geahnt. 194.000 User haben ihn bislang weiterverbreitet, fast 300.000 haben ihn favorisiert. Solche Werte hat nicht einmal sein Widersacher Donald Trump, der "Commander in Tweet", wie ihn der US-Sender ABC adelt, in diesem Jahr erreicht.

@VicenteFoxQue bietet Trump Paroli. Sobald der 74-jährige Ex-Präsident Mexikos den 70-jährigen Bald-Präsidenten der USA angreift, ist ihm der virtuelle Beifall Zehntausender Anhänger gewiss. Was wohl daran liegt, dass Fox ebenso wie Trump kein diplomatisches Blatt vor den Mund nimmt.

Mal nennt er Trump einen "Mobber", mal warnt er vor einer "neuen Ära der Diktatur" in den USA, mal verunglimpft er seinen Widersacher als "Baby Trump" - so wie dieser seine einstige Gegnerin Clinton "Crooked Hillary" nannte. Auch Fox versieht seine 140 Zeichen reichlich mit GROßBUCHSTABEN und Ausrufezeichen! Dass das Englisch nicht immer lehrbuchhaft ist, sehen ihm seine Anhänger nach.

Alles begann im Februar 2016, als Fox in einem Interview mit dem US-Fernsehsender FusionTV erklärte, er werde eben nicht für "diese verfickte Mauer bezahlen". Trump twitterte daraufhin: "Fox muss sich entschuldigen! Wenn ich das machen würde, gäbe es einen Aufschrei!" Prompt bekam Fox die nächsten Interviewanfragen.

Seither hat er das Tabuwort wieder und wieder um die Welt getwittert. "Manchmal muss man eine politische Botschaft so klar formulieren, damit alle sie verstehen", sagt er im Gespräch mit dem SPIEGEL. Auch wenn er derlei Begriffe normalerweise nicht verwende - es funktioniere bestens. "Twitter ermöglicht es einem normalem Bürger ohne politisches Amt, Millionen Menschen zu erreichen." Den letzten Satz würde Donald Trump ebenfalls unterzeichnen.

Der Mexikaner hat vieles gemein mit dem US-Amerikaner. Auch er war vor seiner Politkarriere ein berühmter Unternehmer: Jahrelang leitete er das gesamte Lateinamerikageschäft von Coca-Cola. Auch er wurde Präsident, weil er sich im Wahlkampf 2000 gegen das Hauptstadt-Establishment positionierte und einen radikalen Wandel verkündete: "Ya!" (Genug!) lautete damals sein Slogan. Auch er liebt die Show: Vor ein paar Monaten etwa schlug er vor laufenden Kameras mit einem Stock auf eine Piñata mit Trump-Antlitz ein. Kaum hatte Fox diese typische mexikanische Pappmaché-Figur kaputtgehauen, griff er ins hohle Innere und sagte: "Leer. Total leer. Er hat kein Gehirn."

Spricht man Fox auf die Parallelen zum Trump an, wird er ungehalten. Jeder solcher Vergleich sei eine "Beleidigung", sagt er dem SPIEGEL. "Er ist ein mittelmäßiger Unternehmer mit einer dunklen Vergangenheit, ein falscher Prophet, der andere beschimpft. Ich bin ein Demokrat, ich respektiere alle Menschen."

Donald Trump
DPA

Donald Trump


Sich selbst nennt Fox einen "Verteidiger" seiner Heimat. Als Trump im Wahlkampf die ersten Angriffe gegen Mexiko gestartet habe, hätten weder Regierung noch Parlament ernsthaft Gegenwehr geleistet. Und auch jetzt schweige die Staatsspitze noch viel zu oft, wenn der US-Präsident in spe etwa behauptet, Mexiko werde die Mauer zu den USA selbst bezahlen oder wenn er Autoherstellern Strafzöllen androht, die im Nachbarland produzieren.

"Wir dürfen nicht morgen weinen und jammern, wenn wir uns heute nicht verteidigen", sagt Fox. Er fordert vom Parlament eine offizielle Proklamation, dass Mexiko unter keinen Umständen die Mauer bezahlt. Außerdem müsse sein Land Trump jegliche Feindseligkeit vergelten: "Auge um Auge."

Wenn die neue US-Regierung etwa Geldtransfers mexikanischer Gastarbeiter in ihre Heimat mit einer Sonderabgabe belaste, müsse Mexiko alle Überweisungen von amerikanischen Firmen aus Mexiko besteuern. Und Strafzölle müssten mit Strafzöllen beantwortet werden. Wieder: "Auge um Auge."

Dabei hält Fox von Protektionismus eigentlich gar nichts. Er war Zeit seines Manager- und Politikerlebens Vorkämpfer für Freihandel und grenzüberschreitenden Warenverkehr. Sollten General Motors, Ford und Chrysler ihre gesamte Produktion zurück in die USA verlagern müssen, würden sie ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßen, glaubt er. Und "dann muss der amerikanische Steuerzahler sie wieder retten", so wie vor einigen Jahren im Zuge der Finanzkrise.

Seinen Tonfall ändern will Fox erst dann, "wenn Trump sich endlich wie ein Präsident benimmt und aufhört, andere zu diskriminieren: Mexikaner, Afro-Amerikaner, Muslime und Behinderte."

Es gibt noch viel zu twittern für Vicente Fox.



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