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Trump vor Gipfel mit Koreas Staatschef Kim Diktator trifft Dealbreaker

Donald Trump brüskiert die G7-Verbündeten und spaltet den Westen. Bei seinem Gipfel mit Kim Jong Un am Dienstag will der Präsident nun beweisen, dass er mit seinem chaotischen Stil erfolgreich sein kann.

Es ist schon spät am Abend in Singapur, als Donald Trump vor dem Fünf-Sterne-Hotel Shangri-La im Herzen der Stadt vorfährt. Eine Schar Trump-Unterstützer ist auch da. Sie jubeln und rufen "Trump, USA" als die Limousine des Präsidenten an ihnen vorbeirollt. Trump winkt aus dem Fond und lächelt glücklich. So gefällt ihm das.

Der US-Präsident ist in diesen Tagen wieder einmal in seinem Element. Alles dreht sich nur um ihn. Trump hält die Welt in Atem, mit seiner unberechenbaren Politik, mit seinen Ausfällen gegen Verbündete, mit großen Treffen, die wahlweise stattfinden, scheitern oder abgesagt werden.

Am Dienstag will Trump in Singapur mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un zu einem historischen Gipfel zusammentreffen. Zuvor hat er mit nur einem Tweet den G7-Gipfel im kanadischen Quebec zum Explodieren gebracht, indem er sich weigerte, die gemeinsame Abschlusserklärung zu unterstützen.

Mehr Drama geht kaum: Trump ist um die halbe Welt geflogen, um sich mit Kim zu treffen. Auf dem Weg konnte er in der Air Force One in Echtzeit via TV und Internet miterleben, wie sein Angriff auf die G7 und die wichtigsten Verbündeten zum alles beherrschenden Thema wurde.

In Europa schwanken die Reaktionen zwischen Entsetzen und Wut, auch in den USA hagelt es Kritik am Alleingang des Präsidenten, vornehmlich von der demokratischen Opposition. "Ich glaube, eine gemeinsame Erklärung nicht zu unterschreiben, die alles verkörpert, wofür wir stehen, ist ein großer Fehler", sagte Senatorin Diane Feinstein. Und ihr Parteifreund Chuck Schumer warf Trump vor, den Westen zu spalten und damit Russland zu helfen: "Wird hier Putins Außen- und Sicherheitspolitik betrieben oder unsere?"

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Trump stört das alles nicht. Wer glaubt, der Präsident würde nun wieder freundlichere Töne anstimmen, täuscht sich. Trump und seine Berater werden wohl eher in die Offensive gehen und ihre Kritik an den Handelspraktiken von Verbündeten wie Kanada, aber auch Deutschland verschärfen.

Es gibt im Weißen Haus niemanden mehr, der die aggressiven Instinkte des Chefs zu bändigen vermag. Im Gegenteil: Seine Berater feuern ihn noch an. Beim Zwischenstopp der Präsidentenmaschine auf einem Nato-Stützpunkt auf Kreta twitterte Trumps Sicherheitsberater John Bolton das inzwischen berühmte, ursprünglich von Angela Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert veröffentlichte Bild, das Trump beim G7-Treffen mit verschränkten Armen und ernstem Blick zeigt. Dazu schrieb er: "Wieder so ein G7-Gipfel, bei dem die anderen Staaten von uns erwarten, dass wir ihre Bank sind. Der Präsident hat ganz klar gemacht: Damit ist nun Schluss."

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Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow ging sogar noch einen Schritt weiter. Er warf Kanadas Premierminister Justin Trudeau "Verrat" vor. Weil der Kanadier nach dem Abflug des Präsidenten aus Quebec erklärt habe, sein Land werde sich in den Handelsfragen von den USA nicht herumschubsen lassen, sei Trump keine andere Wahl geblieben, als seine Unterstützung für die gemeinsame Gipfelerklärung zurückzuziehen. Gerade vor dem wichtigen Gipfeltreffen mit Kim Jong Un in Singapur könne Trump nicht "schwach" wirken.

Trump und seine Unterstützer gehen davon aus, dass die harte Linie des Präsidenten gegenüber Kanada und Europa bei den Wählern gut ankommt. Sie fühlen sich durch Umfragen bestätigt, die zeigen, dass Trumps Beliebtheitswerte in den vergangenen Monaten leicht angestiegen sind. Heute sagen demnach im Durchschnitt 44 Prozent der Amerikaner, dass sie mit der Arbeit des Präsidenten zufrieden sind.

Drama, Streit, Chaos sind aus Trumps Sicht nicht schlecht, sondern gut. "Ich liebe Chaos", sagt er gern. Aus seiner Sicht entstehen allein aus der Reibung mit dem Gegner gute Ergebnisse. Außerdem ist so garantiert, dass immer einer im Mittelpunkt steht: er.

Das Problem ist: Bislang hat Trump in den internationalen Beziehungen der USA schon viel Porzellan zerschlagen, aber noch keine konkreten Ergebnisse präsentiert. "Er ist eher ein Dealbreaker als ein Dealmaker", kommentiert die Zeitschrift "New Yorker" süffisant .

Genau aus diesem Grund ist das Gipfeltreffen in Singapur für Trump so wichtig: Hier will er beweisen, dass er ein großartiger Verhandler und Außenpolitiker ist. Das Treffen mit Kim soll der Einstieg in einen Friedensprozess mit den Koreanern sein, der Trump einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert.

Ob Kim Trump diesen Gefallen tun wird, ist indes weiterhin unklar. Der Koreaner ist wie Trump ebenfalls in Singapur gelandet und hat sich mit seiner Entourage gleich um die Ecke von den Amerikanern im feinen Hotel St. Regis einquartiert. Dort hüllt er sich in Schweigen. Bis auf einen kurzen Abstecher zum Besuch bei der Regierung von Singapur, hat er seine Herberge seit seiner Ankunft nicht mehr verlassen.

Der Gipfel soll am Dienstag um 9 Uhr Ortszeit beginnen (3 Uhr in Deutschland). Trump hat bereits angekündigt, dass er notfalls auch dieses Treffen platzen lassen würde. Er sei jederzeit bereit, vom Tisch aufzustehen, sagt Trump.

Vielleicht läuft der Gipfel mit dem Diktator aber am Ende sogar weit friedlicher ab als die Zusammenkunft mit den wichtigsten Verbündeten bei G7. Das wäre dann ja auch eine Botschaft.