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Trumps Uno-Debüt Preisen und beißen

Zum ersten Mal spricht Donald Trump vor der Uno-Vollversammlung. Einer seiner Top-Berater kündigt an: Der US-Präsident werde "extrem harte Töne anschlagen". Bei einem Vorabtermin war davon nicht viel zu spüren.

Seinen ersten Auftritt bei den Vereinten Nationen beginnt Donald Trump in typischer Manier: Er lobt sich selbst.

"Ich erkannte großes Potenzial - auf der anderen Straßenseite", prahlt der US-Präsident in Anspielung auf den Trump World Tower, seinen Wolkenkratzer gleich gegenüber der historischen Uno-Zentrale. "Nur weil die Vereinten Nationen hier sind, wurde der ein so erfolgreiches Projekt."

Die Uno-Generaldebatte ist so schon ein Spektakel aus Zeremoniell, Zwietracht und Zwischentönen - "eine Art höllisches Speeddating", wie ein Diplomat klagt. Trumps Debüt zerrt aber selbst an den stärksten Nerven: Erstmals tritt der nationalistischste US-Präsident seit Generationen mit seiner kontroversen "America First"-Doktrin vors ganze große Weltpublikum.

Das ist gespannt: Wird sich Washington vollends abkehren - und der 1945 unter Federführung der USA gegründeten Uno die Zukunft rauben? Dagegen war Trumps Reise zum G20-Gipfel nur eine Kostümprobe.

Trump preist sogar die Uno selbst

Trumps offizielle Uno-Premiere findet zwar erst an diesem Dienstag statt, mit einer Rede vor den fast 200 Staatschefs der Vollversammlung. Doch schon tags zuvor gibt er bei einer ersten Randveranstaltung den Ton an. Seine Eigenwerbung kommt gleich im ersten Satz. Trump bleibt Trump.

Das Thema der Randveranstaltung ist ein Dauerbrenner: "Reform der Vereinten Nationen". Seit Jahren müht sich die Uno, ihre aufgeblähte, teure und oft ineffiziente Bürokratie zu verschlanken. Schon viele US-Präsidenten forderten das, schon viele Uno-Generalsekretäre scheiterten daran.

Auch Trump hat die Uno immer wieder gerne beschimpft. Doch als er das Reform-Treffen am Montag eröffnet, belässt er es bei auffallend zahmen Plattitüden: Die Uno könne mehr, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme nicht, die Mission sei konfus. Er ist damit weder der Erste - noch der Letzte. Mehr noch: Mehrfach preist Trump nicht nur den neuen Uno-Generalsekretär António Guterres, der die Reform als Top-Priorität wiederbelebt hat. Sondern, ja, auch die Uno selbst.

"Die Uno wurde mit wahrhaft noblen Zielen geschaffen", liest Trump vom Blatt und fügt an die Adresse des Uno-Chefs hinzu: "Wir unterstützen Ihre Bemühungen." Und: "Wir versprechen, bei Ihrer Arbeit Partner zu sein." Als er später im Auto sitzt, legt er sogar ein paar schmeichelhafte Tweets nach.

"Bemerkenswert", reagierten diplomatische Kreise auf den ungewohnten Großmut. Allein, dass Trump mit großem Gefolge anrauscht und vier Tage bleibt, länger als frühere Präsidenten, anstatt abzusagen, wie manche lange erwartet hatten, zeige, dass er "ein politisches Zeichen setzen" wolle.

Nur welches? Hoffnungen, Trump sei über Nacht zum Uno-Fan mutiert, sind ebenso verfrüht wie die Idee, er sei plötzlich ein Freund der Demokraten. Diese Illusion zerstreuen seine Top-Berater schnell. Trump werde in seiner Uno-Rede vor allem zu Nordkorea und Iran "extrem harte Töne anschlagen", versichert einer dieser Berater. Zumal diese Rede von Stephen Miller geschrieben wurde, Trumps rechtsnationalem Adlatus.

Zugleich wolle Trump aber zeigen, dass "America First" nicht mit der Uno-Idee unvereinbar sei, hieß es. Motto: "Gemeinsame Gefahren, gemeinsame Chancen." Hinter solchen Schlagworten steckt wiederum die konventionellere Handschrift von Stabschef John Kelly. Der weiß, dass sich die geopolitischen Krisen mit Trump'schem Chaos nicht mehr lösen lassen. Allen voran:

  • Nordkorea: Der Atomkonflikt stehe in New York "an vorderster Front", sagt Trumps Uno-Botschafterin Nikki Haley. Insider erwarten vorerst jedoch keine weiteren Schritte über die aktuellen Sanktionen des Sicherheitsrats hinaus. Klassische Uno-Ironie: Bei Trumps Rede wird Pjöngjangs Delegation dank der per Los bestimmten Plenar-Platzordnung direkt vor ihm sitzen.
  • Iran: Auch hier will Trump in seiner Rede knallharte Gefolgschaft verlangen. Schon zuvor liebäugelt er mit einer Aufkündigung des Atomabkommens: "Wir werden sehen", lockt er am Montag, als kündige er die nächste Folge einer Realityshow an. Irans Präsident Hassan Rohani droht, die USA würden dafür einen "hohen Preis zahlen".

Für viele jedoch ist Trump selbst eine dieser geopolitischen Krisen. Und wenn er glaubt, mit einem halbwegs gelungenen Uno-Auftritt auch die lästige Russlandaffäre vergessen zu machen, hat er sich sehr geirrt: Alle großen US-Medien beginnen den Dienstag mit neuen Enthüllungen dazu.