Merkel, Kushner, Russland Drei Tests für Trump

Die Kanzlerin verschreckt mit einem Auftritt halb Amerika, der Schwiegersohn ist in Nöten, das Weiße Haus in Russland-Panik: Nach seiner Rückkehr aus Europa steht Donald Trump vor harten Tagen. Wie reagiert er?

Von , Washington


Es war alles so schön gedacht. Zur Wochenmitte sollte Donald Trump endlich mal wieder in Iowa sein. Weg aus Washington, weg von diesen internationalen Gipfeln, hin zu seinen treusten Anhängern, die stolz auf ihn sind, dass er den Mächtigen in der Welt mal wieder gezeigt hat, wo es langgeht. Iowa also, das war der Plan.

Bis zum Wochenende.

Trumps Leute haben den Trip vorsichtshalber abgesagt, die Unruhe in Washington ist schlicht zu groß, er muss sich jetzt kümmern um die Krisen, die seine Präsidentschaft umklammern. Mit seiner langen Auslandreise in den Nahen Osten und nach Europa wollte er ihnen entfliehen. Das, so viel lässt sich schon sagen, hat nicht geklappt. Drei Fragen muss er in den kommenden Tagen beantworten.

Wie reagiert er auf Angela Merkel?

Ob Handel, Klima oder Flüchtlingskrise - Trump hat mit seiner Blockadehaltung in fast allen großen Fragen des jüngsten G7-Gipfels seine Amtskollegen schwer genervt, nicht zuletzt Angela Merkel. Die Kanzlerin ließ am Sonntag bei einem Wahlkampfauftritt in Bayern ihrem Frust freien Lauf und arbeitete sich in fast Schröderscher Manier an den USA ab. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", sagte Merkel. Europa müsse sein Schicksal nun "wirklich" in die eigene Hand nehmen.

Getty Images

Merkel ist Transatlantikerin, sie weiß, dass sie kaum eine Krise ohne Washington wird lösen können. Aber in den USA war ihre Ansage gleich eine Top-Nachricht, ihre Worte kamen an wie eine Kündigung der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Etliche Medien zeigten sich entsetzt - wenn auch weniger von Merkel als vom eigenen Präsidenten. "Eine klare Referenz an Trumps desaströse Europa-Tour", sieht die "Washington Post" in Merkels Sätzen. "Trump schadet den tiefsten außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten", schreibt das Magazin "The Atlantic". Die "New York Times" sieht in Merkels Botschaft ein Indiz dafür, dass Trumps Reise "bei den Europäern nicht sehr gut angekommen ist". Und "Bloomberg" schreibt von einer "gruseligen" Bestandsaufnahme der Kanzlerin.

"Sehr unzufriedenstellend"

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Für Trump ist Merkels Kritik unangenehm. Er arbeitet sich gerne an Deutschland und vermeintlich unfairen Exportbedingungen ab, will seine Reise aber auch als Erfolg verstanden wissen. Eine Debatte darüber, wie sehr sein störrisches Agieren den Zusammenhalt des Westens gefährdet, kann er nicht gebrauchen. Er wird sich überlegen müssen, wie er auf Merkel reagiert. Schweigt er, riskiert er als Präsident dazustehen, der sich vor einer deutschen Kanzlerin wegduckt. Beschwichtigt er, wirkt sein Verhalten beim G7-Gipfel im Rückblick wie reine Show. Kontert er, macht er womöglich alles nur noch schlimmer.

Wie lange hält er an Jared Kushner fest?

Kaum zurück in Washington, muss sich Trump auch schon wieder mit der Russland-Affäre herumschlagen. In seiner Abwesenheit hat sie sich wesentlich verschärft: Jared Kushner, sein Schwiegersohn, steht im Fokus des FBI, die Affäre ist damit in Trumps unmittelbarer Umgebung angekommen.

Das Problem: Kushner hat bei seiner Sicherheitsüberprüfung im Januar mehrere Gespräche mit dem russischen Botschafter verschwiegen. Zudem soll er mit diesem vor Trumps Vereidigung über einen geheimen Gesprächskanal nach Moskau gesprochen haben. Warum wollte Kushner ausgerechnet mit Moskau an den eigenen Behörden vorbei kommunizieren? Und warum legte er zu Jahresbeginn nicht einfach alle Kontakte mit russischen Beamten offen?

Führende Demokraten fordern Trump bereits auf, Kushner von sensiblen Informationen fernzuhalten oder ihn bis zur Klärung der Vorwürfe von seiner Arbeit im Weißen Haus freizustellen. Trump dürfte ihn kaum fallen lassen. Sein Schwiegersohn ist einer seiner wichtigsten Berater und mit zentralen Projekten betraut, vom Frieden in Nahost bis zur Verschlankung des Regierungsapparats. Zudem wirkte eine Entlassung wie ein indirektes Eingeständnis, dass Kushner sich etwas zu Schulden kommen ließ. Andererseits: Hält Trump an ihm fest, dürfte die Affäre die Arbeit des Weißen Hauses noch mehr lahmlegen als ohnehin schon. Kann er sich das leisten?

Was passiert im Weißen Haus?

Um die Krise besser handhaben zu können, will Trump sein Team umbauen: Angeblich soll im Weißen Haus eine eigene Einheit entstehen, die die Russland-Affäre bearbeitet. Eine clevere Idee - auch Bill Clinton hatte in der "Lewinsky-Affäre" einst einen solchen "War Room". In Trumps Fall böte sich nicht nur die Möglichkeit, die Kommunikation zu verbessern, die Krisen-Einheit hätte auch den Vorteil, dass der Präsident sich stärker dem Regierungsalltag widmen könnte. Das ist dringend nötig, programmatisch hat er fast noch nichts zustande gebracht seit seiner Vereidigung.

Im Gespräch ist, alte Vertraute zurückzuholen. Vor allem zwei Namen kursieren: Corey Lewandowski, der Ex-Wahlkampfchef, und Sam Nunberg, ein ehemaliger Medienberater von Trump.

Es gibt zwei Probleme: Erstens wird über eine Änderung in Trumps Team bereits seit Wochen geredet - passiert ist bislang nichts. Und je länger es dauert, desto stärker setzt sich der Eindruck fest, dass es dem Präsidenten einfach nicht gelingen will, gute Leute für ein Engagement in seinem Weißen Haus zu gewinnen.

Zweitens wären auch Lewandowski und Nunberg alles andere als eine Ideallösung. Lewandowski wurde im Juni 2016 - ausgerechnet auf Anraten von Kushner - aus dem Wahlkampfteam gefeuert, ihm fehlt jede Erfahrung auf der großen politischen Bühne. Strippenzieher Nunberg wurde von Trumps Anwälten im vergangenen Jahr wegen Geheimnisverrat verklagt. Er gilt inzwischen als begnadigt - hatte aber im Wahlkampf einen Intimfeind: Corey Lewandowski. Ob die beiden einstigen Rivalen das Mannschaftsgefühl in Trumps Weißem Haus verbessern würden, ist entsprechend fraglich.

Im Video: Trumps Europa-Reise zwischen Rempeln und Kritik

REUTERS
insgesamt 201 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stefan.p1 29.05.2017
1. Relativieren
Was die beiden ,international renomierten Zeitung NYT und Washington Post, schreiben, interessiert in den USA nur eine Minderheit. Und was Merkel über ihren Präsidenten denkt wohl noch weniger. Man könnte es so sagen das die beiden Zeitungen das Sprachrohr der demokratischen Eliten (Clinton und Co) ist aber bei dem größten Teil der Bevölkerung sind sie gar nicht bekannt. Ähnlich viel interessiert dem US-Amerikaner wie Europa ihr Land sehen. (Aber das sollte jedem denkenden Menschen spätestens nach der Wahl Tumps klar geworden sein)
claude 29.05.2017
2. Ausgerechnet
Ausgerechnet Kushner, einer der wenigen nicht radikal denkenden Personen um Trump, der wenigstens dafür sorgt, dass die Reden, die Trump vom Blatt abliest, halbwegs passabel sind. Wenn der weg ist, dann werden Bannon & Co noch an Einfluss gewinnen
Christian Svenssson 29.05.2017
3. Danke Trump
Was Trump erreicht hat, ist dass die EU sich mehr zusammenschließen muss und auch die Osteuropäer einsehen müssen, das sie die EU ein Garant für die Sicherheit ist. Vielleicht hören Polen und Ungarn damit auf, die EU zu Destabilisieren.
RalfHenrichs 29.05.2017
4. Irgendwie
kapiere ich nicht, wo eigentlich genau das Problem liegt, wenn es irgendwelche Gespräche zwischen Trumps Team und Russland gab. Hätte es sie nicht gegeben, würde ich dies für problematisch halten. Schließlich macht es doch Sinn, wenn sich der zukünftige US-Präsident schon im Vorfeld auf sein Amt vorbereitet und sich mit der anderen Supermacht abstimmt.
paulpuma 29.05.2017
5. Danke, Herr Trump!
(1) Erst haben Sie TTIP gestoppt und damit unsere Demokratie gerettet. Dieser Kampf war schon fast verloren. (2) Jetzt haben wir Ihnen diesen guten Satz in der Abschlußerklärung zuverdanken: "Wir bestätigen die souveränen Rechte der Staaten, ihre Grenzen zu kontrollieren und klare Grenzen für die Zuwanderung zu setzen." Das war absolut notwendig, und unsere eignene Politiker waren auch dazu nicht willens. (3) Verglichen mit Merkel sind Sie natürlich sehr berechenbar. Man erinnere sich, wie merkel ohne Information oder Konsultation von Partnerländern und Bundesländern einfach die Grenze öffnete. Ihre Motive sind bis heute unklar. Und die Frau ist immer noch an der Macht. Irre.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.