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Fotostrecke: Clinton vs. Trump - das zweite TV-Duell

Foto: Jeff Roberson/ AP

Zweites TV-Duell gegen Clinton Trumps Psychokrieg

Das zweite Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump war zeitweise abscheulich. Nach dem Videoskandal kämpfte der Republikaner um seine Präsidentschaftskandidatur - mit rüden Mitteln.

Von der ersten Minute an ist klar: Das wird hart. Hillary Clinton und Donald Trump treten auf die Bühne, sie kommen aus entgegengesetzten Ecken, schreiten zögerlich und steif aufeinander zu. "Hello, hello", murmelt Clinton. Dann bleiben sie beide stehen, wie angewurzelt, ein paar Meter von einander entfernt. Kein Gruß, kein Handschlag, nichts. Sie schauen sich nicht mal an - siehe Video:

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Und so geht es weiter, mehr als 90 Minuten lang. Bitter beharken sich die demokratische Präsidentschaftskandidatin und ihr republikanischer Rivale, dem seine Partei trotz seines jüngsten Skandals das Mandat noch nicht entzogen hat. Immer wieder unterbrechen, korrigieren und beleidigen sie einander, verbergen ihre Verachtung für den Widersacher nicht, wenden alle Künste der politischen Körpersprache an. Ein Tiefpunkt des Wahlkampfs.

Amerikas zweite TV-Debatte ist Psychokrieg. Kein Wunder: Trumps Wahlkampf hat durch das zwei Tage zuvor lancierte Skandalvideo, auf dem er mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt, schweren Schaden erlitten. Sachthemen treten in den Hintergrund, stattdessen starren alle auf die Frage: Wird er sich mit diesem Duell doch noch retten können? Und wie?

Wie reagierte Trump auf den Videoskandal?

Trump macht schon vorher deutlich, wie er sich aus der Affären ziehen will - mit totalem Angriff. Kurz vor der Debatte erscheint er mit drei Frauen vor der Presse, die Bill Clinton vor langer Zeit der sexuellen Belästigung oder sogar Vergewaltigung beschuldigt haben. Eine vierte anwesende Frau wurde 1975 vergewaltigt, Hillary Clinton war Anwältin des Täters. Ein Schlag unter die Gürtellinie. Während der Debatte dauert es nicht mal eine Viertelstunde, bis er Bill Clintons Vergangenheit aufbringt: "In der Geschichte der Politik gab es keinen, der Frauen so missbraucht hat." Seine eigenen, an die Grenze der Gewalt gehenden Äußerungen über Frauen tut er erneut als "Umkleidekabinen-Gerede" ab, entschuldigt sich - zum ersten Mal - bei seiner Familie und behauptet: "Niemand respektiert Frauen mehr als ich." Hier das Video:

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Wie gab sich Trump auf der Bühne?

Trumps Kalkül: 90 Minuten Verunsicherung. Er tigert umher, steht immer wieder bedrohlich hinter Clinton, macht Grimassen, grinst, schnaubt, zieht immer wieder laut die Nase hoch. Clinton attackiert er zeitweise brutal: "Sie hat enormen Hass im Herzen." Psychokrieg pur. Immer wieder unterbricht er Clinton - und beschwert sich, dass er selbst unterbrochen werde. Clinton dürfe ihre Redezeit überziehen ("um 25 Sekunden!"). Seine Antworten sind meist fahrig, oft zusammenhanglos und unverständlich. Als Clinton sagt, dass Trump zum Glück nicht fürs US-Justizwesen zuständig sei, antwortete er: "Weil du dann im Gefängnis wärst." Das Publikum, das die Fragen stellt, ignoriert er dagegen weitgehend:

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Wo konnte Trump punkten?

Bei den Inhalten, jedenfalls indirekt. Trump hat zwar - wie üblich - große Probleme, seine Pläne zu erläutern und bombardiert die Zuschauer mit endlosen Unwahrheiten, darunter der Behauptung, er sei vor Beginn des Irakkriegs gegen den Einmarsch gewesen. Aber was er schafft: Er lenkt den Fokus regelmäßig auf Felder, auf denen die Demokratin nicht gut aussieht. Ihre E-Mail-Affäre. Ihre Abhängigkeit von reichen Spendern. Ihre Zeit als Außenministerin ("ein Desaster"). Trump macht sie sogar für den Aufstieg der Terrormiliz IS verantwortlich: "Herzlichen Glückwunsch, Hillary, tolle Arbeit." Bemerkenswert auch, dass er sich klar von seinem Vize Mike Pence distanziert, der sich kürzlich in harschen Tönen zu Russland geäußert hatte. "Wir haben nicht gesprochen, und ich stimme dem nicht zu", sagt Trump zum Erstaunen des Publikums.

Wie schlug sich Clinton?

Clinton ist längst nicht so souverän wie bei der ersten TV-Debatte. Sie lässt sich auffallend häufig in die Defensive drängen und ist von Trumps animalischer Aggressivität an einem Punkt so genervt, dass sie sich zu der schnippischen Bemerkungen hinreißen lässt, er trete nur deshalb so radikal auf, weil seine Kampagne "explodiert". Anders als vor zwei Wochen bleiben wenige denkwürdige Momente von ihr hängen. Inhaltlich leistet sie sich freilich keine Fehler. In der Artikulierung konkreter Vorhaben liegen zwischen ihr und Trump abermals Welten, aber die Tatsache, dass er hin und wieder einen Treffer landet, lässt Trump zumindest nicht als klaren Verlierer dastehen. Auch bei der Schlussfrage, was sie Positives über ihren Rivalen zu sagen habe, tut sich Clinton sichtlich schwer. Sie zollt seinen Kindern Respekt, ein indirektes, müßiges und wenig einfallsreiches Kompliment. Hier ist die Szene:

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Und was heißt das jetzt alles?

Gut für Trump: Er ist nicht völlig implodiert. Allein das dürfte seine Kampagne ein Stück weit stabilisieren und verhindern, dass ihm in den kommenden Tagen weitere Vertreter seiner Partei den Rücken kehren. Aber: Seine größte Schwäche - sein Temperament - steht erneut voll im Mittelpunkt. Er schmeißt mit Schmutz, instrumentalisiert Opfer sexueller Belästigung für seine Zwecke, gibt sich aggressiv und laut. Die Frage, wie er mit dieser Art Unentschlossene davon überzeugen will, den richtigen Charakter für das Weiße Haus zu haben, bleibt die Kernfrage. Gut für Clinton: Das Duell wird die Dynamik des Wahlkampfs nicht fundamental verändern - sie bleibt die Favoritin auf den Wahlsieg.

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