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10. Oktober 2016, 13:23 Uhr

Nach dem Duell Trump vs. Clinton

Jetzt folgen vier Wochen Hölle

Aus St. Louis, Missouri, berichten und

Es war ein würdeloses Spektakel, das sich Clinton und Trump in der zweiten TV-Debatte lieferten. Und ein düsteres Omen für die kommenden Wochen: Im Endspurt droht eine hemmungslose Schlammschlacht.

Dutzende Reporter bedrängen Juanita Broaddrick. Sie brüllen ihr Fragen zu, sie strecken ihr Mikrofone ins Gesicht, einige posieren sogar für Selfies mit ihr. Doch die 73-Jährige bleibt ungerührt: "Es fühlt sich gut an, die Wahrheit zu sagen."

Eine befremdliche Szene an der Washington University von St. Louis, wo gerade die zweite TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ihr unrühmliches Ende gefunden hat. Denn besagte "Wahrheit" ist ein zutiefst persönliches Thema, das früher auf diesem respektablen Polit-Parkett nie zur Sprache gekommen wäre: Broaddrick bezichtigt Ex-Präsident Bill Clinton, sie 1978 vergewaltigt zu haben.

Es ist eine Geschichte, die in den USA schon vor Jahrzehnten hochkochte, doch nie eine abschließende juristische Aufarbeitung fand. Nun hat Trump sie aufgewärmt, um seine Rivalin zu demütigen und von den eigenen Frauenskandalen abzulenken: Er brachte Broaddrick und zwei weitere Damen, die ähnlich abstoßende Vorwürfe gegen Bill Clinton erheben, zur Debatte mit und wollte sie angeblich sogar in seine Familienloge setzen - was die Organisatoren aber im letzten Moment verboten.

Vergewaltigung als Debatten-Stunt, privates Leid als politischer Trick: So tief ist der Diskurs dank Trump gesunken. Doch selbst dieser unsägliche Moment war noch längst nicht das Ende der Peinlichkeiten. Zwar mühten sich die Moderatoren, das Gespräch immer wieder auf Sachthemen zu steuern. Aber dann ging's doch nur um Sex und Schlüpfrigkeiten, um Trumps Lügen und den "tiefen Hass im Herzen" Clintons. (Lesen Sie hier die Analyse - und hier das Minutenprotokoll.)

Doch was ist nun bis zum Wahltag im November noch zu erwarten? Wenn die Debatte ein Omen war - dann ein schlechtes. Hier die Prognosen für die nächsten Wochen:

Wie geht es für Trump weiter?

Wer dachte, Trump wäre nach dem Skandalvideo, in dem er Frauen als willige Sexobjekte herabwürdigte, sofort K.o., der hat sich getäuscht. Mit seinem aggressiven Macho-Auftritt in der Debatte konnte er sich gerade noch einmal retten - und rettete aber ironischerweise damit auch Clinton, die gegen einen Ersatzgegner womöglich einen schwereren Stand hätte. Es bleibt also bei Clinton vs. Trump.

Das ist gut für Clinton, doch schlecht fürs politische Klima. Indem er zur in Amerika so berüchtigten "nuklearen Option" griff und Broaddrick & Co. nach St. Louis einflog, bewies Trump, dass er vor nichts zurückschreckt. Egal, wie viele ihn verteufeln, wie viele Republikaner sich von ihm lossagen - er wird im Alleingang voranpreschen, ohne Rücksicht auf Verluste (auch eigene), Wahrheit oder Anstandsregeln. Schon ist die Rede von weiteren, kompromittierenden Videos - was heißt, dass Trump zu noch drastischeren Reaktionen greifen könnte.

Wie geht es für Clinton weiter?

Die Demokratin kann mit dem Ergebnis der Debatte einigermaßen zufrieden sein, auch ihre Gesamtsituation scheint recht komfortabel. Ihre Angriffe auf Trumps Charakter zeigen Wirkung, die letzte Woche hat aber auch gezeigt, dass sie gar nicht viel machen muss - Trump schadet sich selbst genug. Seine Umfragezahlen sind in vielen Staaten auf einem Tiefpunkt, und der Effekt des Skandalvideos wird sich erst in den kommenden Tagen in den Erhebungen zeigen.

Trotzdem dürfte der Wahlkampfendspurt ein Nervenspiel werden. Clinton hat drei Probleme.

Wie geht es für die Republikaner weiter?

Für die Republikaner hätte die TV-Debatte kaum schlechter ausgehen können. Trump war zu gut, um jetzt noch einen Putsch gegen ihn zu starten, aber zu schlecht, um das Rennen gegen Clinton entscheidend zu ändern. Die Partei ist tief gespalten: Wohl noch nie in der modernen Geschichte der amerikanischen Politik hat es zwischen den mittleren und oberen Führungsebene der "GOP" und dem eigenen Kandidaten solche Gräben gegeben. Unter jenen Parteimitgliedern, die in den Bundestaaten um ihren Senats- oder Abgeordnetenhaussitz kämpfen, herrscht große Panik, dass Trumps chaotische Kampagne auch ihre Chancen schmälert.

Die Republikaner stehen vor zwei Herausforderungen für die kommenden Wochen: Einerseits müssen sie einen Weg finden, um in der großen Misere nicht noch ihre Mehrheit im Kongress zu verlieren. Zweitens müssen sie jetzt schon erste Weichen stellen in der Frage, wie die Partei nach dem 8. November eigentlich aussieht, wer in der "GOP" etwas zu sagen hat und wie sie sich programmatisch erneuert. Diese Aufgabe kommt in jedem Falle auf die Partei zu - ob Trump gewinnt oder nicht.


Zusammengefasst: Hillary Clinton geht gestärkt aus dem zweiten TV-Duell mit Donald Trump hervor - wenn auch nicht als uneingeschränkte Siegerin. Ihr Kontrahent war immerhin gut genug, um seine Kampagne noch einmal in die Verlängerung zu retten. Das macht ihn für seine Partei jedoch zum immer größeren Problem. Denn putschen kann sie nun kaum noch - gewinnen dürfte Trump das Rennen um das Weiße Haus aber wohl auch nicht. Wenn die TV-Debatte der Maßstab für die kommenden Wochen war, dürfte es nun richtig schmutzig werden.

Lesen Sie hier das TV-Duell im Newsblog nach.

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