Wahlkampfchef Lewandowski Trumps Zerstörer

Fehler, Handgreiflichkeiten, Beschwerden: Wahlkampfmanager Corey Lewandowski wird für Donald Trump zunehmend zur Belastung. Wer ist der Mann, der die Kampagne in Unruhe stürzt?

AP

Von , Washington


Er versucht es jetzt selbst mit Interviews. Mal Zeitung, mal Website, mal Fernsehen. Corey Lewandowski, der eigentlich hinter den Kulissen seinen Platz hat, ist gerade auf vielen Kanälen. Er steht massiv in der Kritik. Aber ändern? Will er nichts.

"Alles ist gut", meint Lewandowski.

Natürlich ist nichts gut gerade. Donald Trumps Kampagne ist in ziemlicher Unordnung, vielleicht zum ersten Mal so richtig, seit er im Juni 2015 in das Rennen der Republikaner einstieg. Trump hat Wisconsin verloren. Sein Konkurrent Ted Cruz blüht auf. Die Nominierung wird zur Zitterpartie. Und da sind die Probleme mit Corey Lewandowski, seinem Wahlkampfchef, die mit allen anderen Schwierigkeiten so eng verwoben sind.

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Lewandowski in den Schlagzeilen ist. Mal geht es um eine Anklage wegen Körperverletzung. Mal um seinen Umgang mit seinen Mitarbeitern. Dann wieder um schwere strategische Fehler. Kürzlich holte Trump mit Paul Manafort einen Wahlkampfveteranen der Republikaner in sein Umfeld. Trump hat ihn nun noch einmal befördert. Er soll jetzt den Aufpasser für Lewandowski spielen. Aber wird das helfen?

Im System Trump ist Lewandowski wichtig und er scheint mächtiger als normale Wahlkampfchefs. Er hat sich sein eigenes Reich geschaffen. Lewandowski überwacht die Finanzen und die Organisation in den einzelnen Bundesstaaten. Interviews gehen über seinen Tisch, der 41-Jährige bestimmt, wo Trump auftritt und wo nicht.

"Flieg hierher und übernimm"

Was Trump im Großen ist, ist Lewandowski im Kleinen: Ein Herrscher, der einstellt und feuert, wie es ihm passt. Wenn im Team jemand seine Ziele nicht erreicht, ist er rasch seinen Job los. Als Trump ein paar Wochen vor der Wahl in New Hampshire einen Auftritt in Concord hatte, entließ Lewandowski hinter der Bühne kurzerhand den Kampagnenchef des Bundesstaates. Aus dem Auto rief er anschließend einen Vertrauten an: "Flieg hierher und übernimm."

12 Dosen Red Bull trinke er täglich, schrieb das "Wall Street Journal". Wenn es auf Veranstaltungen unruhig wird, geht Lewandowski schon mal persönlich dazwischen. In Florida packte er eine Journalistin am Arm, in Arizona griff er einem Demonstranten an den Kragen. Knallhart, besessen, ruchlos. Andere Kandidaten hätten Lewandowski wohl längst entlassen. Trump gefällt's. "Ich rechne ihm dieses Temperament an", sagt er. Das Verhältnis der beiden ist bemerkenswert, denn bevor Trump Lewandowski im Dezember 2014 für ein Gehalt von einer Viertelmillion Dollar pro Jahr engagierte, kannten sie sich kaum.

Sein eher unkonventioneller Lebenslauf mag für Trumps Interesse eine Rolle gespielt haben. Lewandowski, Vater von vier Kindern, studierte Politik, ging nach dem Uni-Abschluss nach Washington und arbeitete im Kongress. Er wurde festgenommen, als er versuchte, eine Waffe in ein Parlamentsgebäude zu schleusen. Wenig später zog es ihn nach New Hampshire, wo er lokale Republikaner im Wahlkampf beriet.

Er stieg aus und jobbte als Lobbyist in der Nahrungsmittelindustrie, machte einen Abschluss an einer Polizeiakademie, wurde Ordnungshüter auf Teilzeit. Er heuerte bei einer Kommunikationsfirma an und landete schließlich wieder in New Hampshire, wo er in einer Lobbygruppe der schwerreichen Koch-Brüder die PR-Abteilung leitete.

Der strategische Fehler

Für Trump zu arbeiten, ist der Job seines Lebens. Sein Wahlkampfmotto steht auf einer Tafel in seinem Büro: "Lass Trump einfach Trump sein." Viele Termine, große Arenen, lange Fernsehinterviews - das ist die Strategie. Die Fehltritte des Milliardärs, ob im Ton oder inhaltlich, sieht Lewandowski nicht als Fehltritte, sondern als Ausweis von Trumps Authentizität. Die Kandidatur will Lewandowski dem Milliardär allein mit der Kraft seiner Persönlichkeit und seines Ruhms verschaffen. Genau das erweist sich mittlerweile als großes Problem.

Was Lewandowski in all dem Trump-Fieber vernachlässigt zu haben scheint, ist die Arbeit im Kleinen, das "inside game", wie die Amerikaner es nennen. Kontakte zu den so wichtigen Delegierten, Treffen mit Parteitags-Strategen. All das, was Ted Cruz seit Monaten macht. Cruz will Trump auf dem Parteitag in Cleveland vom Thron stürzen. Sein Kalkül: Bleibt Trump unterhalt der Schwelle von 1237 Delegierten, könnte es eine Kampfabstimmung mit mehreren Wahlgängen geben, in denen die Delegierten nicht mehr an einen bestimmten Kandidaten gebunden sind. Der Texaner pflegt seit Monaten penibel sein Netzwerk um sicherzustellen, dass die Wahlmänner ihm beim Parteitag treu bleiben.

Auch Trump hat erkannt, wie entscheidend die Loyalität der Delegierten wird, wenn sie frei entscheiden können, auf wessen Seite sie sich schlagen. Um die Parteitagsstrategie soll sich nun Veteran Manafort kümmern. Als Entmachtung Lewandowskis will Trump den Schritt nicht verstanden wissen. Beide würden "eng zusammenarbeiten", ließ er wissen.

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insgesamt 8 Beiträge
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dieter 4711 08.04.2016
1. Kein Stürmer beim FC Bayern?
Ja wer ist Herr Lewandowski denn, kein Fussballspieler beim FC Bayern? (Vorsicht, Ironie)
wi_hartmann@t-online.de 08.04.2016
2. Lewandowski
Ist passgenau für den halbseidenen Trump.
neanderspezi 08.04.2016
3. Auch zum Wahlkampfmanagement des lauthals agierenden republikanischen Kandidaten, gib uns diesen Donald Trump heute
Ist es nicht ein gutes Zeichen, wenn sich längere Zeit niemand dazu aufgefordert sieht, zu dem trostlosen Unternehmen des Trumpschen Wahlkampfmanagements ein Kommentar abzusetzen? Aber einer muss sich eben doch einmal dazu aufraffen, hier der gegenwärtige Schreiberling, und seine Anerkennung zu dieser Zurückhaltung im Kommentarwesen kund tun. Vielleicht war dieser Trump und nun auch sein unbändiger Manager viel zu häufig in aller Munde, äh Medien, was eigentlich fürderhin nur durch gründliche Missachtung dieses Maulheldentums wieder auf ein angemessenes Niveau zurückgeführt werden kann. Wie es gegenwärtig ausschaut ist eben dieser Trump, obwohl er mit seinen ziemlich abartigen Sprüchen dagegen ankämpft, in politischer Hinsicht ein ganz kleines Wüstchen und mit extrem bescheidenen Kenntnissen ausgestattet.
louis.lamesch 08.04.2016
4. Fairness
Bei aller Fairness muss man aber auch dazu sagen, dass die Anklage wegen Körperverletzung ziemlicher Blödsinn war - Herr Lewandowski war zwar im Grunde nicht zuständig für die Sicherheit, aber er hat Trump nur eine Reporterin vom Leib halten wollen und hat diese dazu eben am Arm gepackt und festgehalten. Ihre Aussage, sie sei zu Boden geworfen worden, musste sie dummerweise korrigieren, nachdem eine Videoaufnahme dazu veröffentlicht wurde. Wer sich es selber ansieht, stellt schnell fest, dass Körperverletzung eine totale Übertreibung war. https://www.youtube.com/watch?v=Pd1vWYr51tk
demophon 08.04.2016
5. Übereifriger Lewandowski
Lewandowskis Fehler ist es, dass er persönlich eingreift, wenn sich ein ungebetener Journalist oder Protestler an Trump herandrängt. Für so eine Arbeit hat man seine Untergebenen. Ein Wahlkampfchef darf sich selbst nicht in Gefahr bringen juristisch angreifbar zu machen. Aus dem gleichen Grund lassen sich auch die meisten hochragenden Persönlichkeiten von einem Chauffeur herumfahren, anstatt sich selbst ans Steuer zu setzen und dann bei einem Unfall ggf. vor dem Richter oder sogar im Gefängnis zu landen. Lewandowskis Aufgabe ist es, den Wahlkampf zu leiten, nicht sich in Handgreiflichkeiten einzumischen.
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