Erklärungen für Trumps Sieg Warum?

Donald Trump wird der 45. US-Präsident, mit seinem Sieg hatten die wenigsten gerechnet. Wie konnte es so weit kommen? Fünf entscheidende Faktoren.
Donald Trump

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Es ist die Frage, die sich jetzt die westliche Welt stellt. Und die Frage, die sich auch die Mehrheit des amerikanischen Volks stellt: Warum? Wie konnte Donald Trump die Präsidentschaftswahlen für sich entscheiden?

Dass offenbar eine knappe Mehrheit der US-Wähler gegen ihn gestimmt hat, ändert nichts. Denn es zählen die nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip gewonnenen Staaten, nicht die Gesamtzahl der Wähler.

Bis in die Wahlnacht hinein schien so vieles für Hillary Clinton zu sprechen: Zuallererst die Umfragen, die Einschätzung der Experten, die Attacken Trumps auf alle Wählergruppen - außer weiße Männer.

Warum hat Trump gewonnen?

I. Populistische Botschaft

Im Jahr 2008 wurde ein schwarzer, progressiver US-Senator mit dem Versprechen der Hoffnung Präsident. Acht Jahre später gewinnt ein weißer, rücksichtsloser Immobilien-Tycoon mit der Botschaft vom amerikanischen Niedergang. Dazwischen liegen Welten. Trump agierte von Anfang an als nicht den Fakten verpflichteter Populist. Den politischen Kampf - erst um die Kandidatur der Republikaner, dann ums Weiße Haus - inszenierte er als Reality-TV-Show.

Es gelang dem Rechtspopulisten Trump, sich als Außenseiter zu präsentieren, der das vermeintlich kaputte "System" Washingtons aushebeln wollte. Kritik ging ins Leere, weil sie ja stets zwangsläufig aus dem angeblichen System kam. Trumps Lügen, seine rassistischen und sexistischen Beleidigungen erschienen der wachsenden Anhängerschar wie ein Beleg von Authentizität. Clintons fassadenhaftes Auftreten unterstützte diese Wahrnehmung noch.

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Donald Trump: Ein Leben, ein Trump

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Das Versprechen des Populisten Trump wirkte, weil er auf diese furchtbar komplexe Welt stets sehr einfache Antworten hatte: "Wir werden das reparieren." Und weil der Populist dem Wahlkampf seinen Stempel aufdrückte, ging es nicht mehr um Sachthemen. Nachteil Clinton.

II. Republikanische Partei

Donald Trump hat für seinen Rechtspopulismus keine neue Partei gegründet, sondern sich einer etablierten Partei bemächtigt, also deren Idee, Strukturen, Personal und Finanzen. Daran trägt nicht Trump, sondern die Partei die Schuld. Die Republikaner haben es mit sich machen lassen, sie haben nach Obamas Sieg im Jahr 2008 alles daran gesetzt, diesen Präsidenten zu bekämpfen: "Unser wichtigstes Ziel ist es, Präsident Obama eine zweite Amtszeit zu verwehren", so formulierte es der Spitzenrepublikaner Mitch McConnell.

Fortan bediente man sich der Tea-Party und sonstiger Rechtsaußen-Gesellen, um Obamas Präsidentschaft zu unterminieren. Der moderate Republikaner-Kandidat Mitt Romney hatte 2012 noch mit Mühe und Not dieses anarchistische Potenzial bändigen können; vier Jahre später gelang dies nicht mehr, da galten dann schon Reaktionäre wie der Texaner Ted Cruz als im Vergleich zu Trump moderatere Kandidaten. Der Präsident Trump ist die Konsequenz einer Partei ohne moralischen Kompass. Obama ist nun fort, McConnell und Co. haben ihr Ziel erreicht. Aber um welchen Preis?

III. Medien

Die klassischen Medien, insbesondere das Fernsehen, haben den Kandidaten Donald Trump groß gemacht. Ohne sie gäbe es wohl keinen Präsidenten Trump. Trump hat den Sendern über Jahre hervorragende Quoten gebracht. Als er sich zum Präsidentschaftskandidaten erklärte, verspotteten sie ihn als Clown, boten ihm aber die ganz große Bühne. Die wusste er zu nutzen, mit Kritik drangen die Medien nun nicht mehr zu seinen Anhängern durch. Längst hatte er sie ja als Mainstream-Medien diffamiert. Parallel hat sich in den letzten Jahren ein in Teilen rechtsradikales Netz an Alternativmedien entwickelt, vor allem Radiotalkshows. Trump-Anhänger bewegten sich dort in ihrer eigenen Medienblase, waren nicht mehr erreichbar für rationale Argumente.

IV. Weiße Männer

Trump punktete überdurchschnittlich bei Menschen über 45, bei Weißen und bei Männern. Der Rechtspopulist mobilisierte vor allem weiße Wähler aus nicht-akademischen Schichten, an denen die wirtschaftliche Erholung der vergangenen Jahre vorbeigegangen ist.

Teile seiner Anhänger dürften gesellschaftliche Modernisierung als Bedrohung empfunden und in Trump einen vermeintlichen Bewahrer traditioneller Rollenbilder gesehen haben - er plädiert etwa für ein schärferes Abtreibungsrecht und gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Trump zog zwei Drittel der weißen Wähler ohne Uni-Abschluss auf sich - und die haben am Gesamtelektorat immerhin einen Anteil von rund 40 Prozent.

Clinton konnte kaum von Trumps sexistischen Äußerungen und den Vorwürfen sexueller Übergriffe profitieren. Sie gewann zwar Sympathien von weiblichen Wählern, von Gutgebildeten und Einwanderern - den Rückstand zu Trump konnte das nicht wettmachen. Grundsätzlich schnitt sie bei Frauen sogar deutlich schwächer ab als erwartet: 54 Prozent der Wählerinnen machten ihr Kreuz bei Clinton, das entspricht einem Prozentpunkt weniger als vor vier Jahren bei Barack Obama. Ihr Verhältnis zu weiblichen Wählern war von Anfang an kein Selbstläufer, schon ihr innerparteilicher Konkurrent Bernie Sanders wurde klarer von Frauen unterstützt.

Video-Kommentar: "Wir sind endgültig im Zeitalter des Populismus angekommen"

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V. Kandidatin Clinton

Womöglich waren sich die Demokraten lange Zeit zu sicher, dass man es mit Obamas Unterstützung und Clintons politischer Erfahrung bequem ins Weiße Haus schaffen werde. Doch was zu Beginn des Wahlkampfs noch als Clintons Stärke galt - ihre Biografie als First Lady, Senatorin und Außenministerin - trug sie später als lästigen Ballast mit sich herum. Als "Vertreterin der Eliten" konnte Trump sie immer und immer wieder angreifen.

Clinton fehlten zudem dringend benötigte Stimmen aus dem Unterstützerlager des linken Kandidaten Bernie Sanders. Als er ausschied, wanderten seine Anhänger nicht automatisch zu Clinton, da nutzte auch ein persönlicher Appell Sanders' nichts. Ein Drittel seiner Fans schwor schon im Frühjahr, unter keinen Umständen für Clinton stimmen zu wollen. Ganz egal, wer auf Republikaner-Seite nominiert werden würde.

Daran scheinen sich nicht wenige gehalten zu haben.

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