Trump beim G7-Gipfel Der nervigste Gast

China, Handel, Iran: Beim Gipfel in Biarritz dürften zahlreiche Konflikte zwischen dem US-Präsidenten und den anderen G7-Mitgliedern deutlich werden. Was plant Trump?

Donald Trump wird in Biarritz zum G7-Gipfel erwartet
Susan Walsh/AP

Donald Trump wird in Biarritz zum G7-Gipfel erwartet

Von , Washington


Der schöne Begriff "Temper Tantrum" beschreibt im Englischen plötzliche, hemmungslose Wutanfälle, oft von Kindern. In den USA werden so immer häufiger auch die Twitter-Tiraden oder sonstigen Schimpfattacken von Donald Trump umschrieben.

Nun wird Trump beim heute beginnenden G7-Gipfel im französischen Badeort Biarritz erwartet, und die große Frage lautet: Wird die Welt wieder ein Temper Tantrum des Präsidenten erleben? Und falls ja, wen wird er sich diesmal als Ziel seines Zorns aussuchen?

Geht es gegen die Chinesen, die gar nicht mit am Tisch sitzen? Trifft es Gastgeber Emmanuel Macron? Kanzlerin Angela Merkel? Kanadas Premier Justin Trudeau? Oder fällt das ganz große Drama am Ende aus, weil Trump im Gespräch mit den anderen Regierungschefs ganz handzahm sein wird und lieber später auf dem Rückflug via Twitter gegen sie poltert?

Trump hält eigentlich nichts von derartigen multilateralen Treffen, und er kommt offenbar mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch nach Frankreich. Es läuft derzeit - wieder einmal - nicht rund für ihn. Das Abflauen der US-Konjunktur und der von ihm selbst angezettelte Handelsstreit mit China setzen ihm zu. Bekommt er beide Themen nicht bald in den Griff, könnte ihm dies das Wahljahr 2020 verhageln.

Vor allem der Konflikt mit China scheint nun vollständig außer Kontrolle zu geraten. Weil Peking am Freitag neue Strafzölle auf US-Waren im Wert von 75 Milliarden Dollar verkündet hatte, verhängte Trump kurz vor seinem Abflug nach Frankreich ebenfalls auf breiter Front neue Strafzölle. Die USA belegen demnach in den kommenden Monaten chinesische Waren im Gesamtwert von mehr als 550 Milliarden Dollar mit Zöllen zwischen 15 und 30 Prozent. Zugleich forderte Trump US-Unternehmen auf, ihre Geschäftstätigkeit in China einzustellen.

China steht ganz oben auf der Tagesordnung

Auch wenn Frankreichs Präsident Macron im G7-Kreis zuallererst über einen gemeinsamen Aktionsplan gegen die Feuer im Amazonas sprechen will, dürfte der Handelsstreit zwischen Washington und Peking in Biarritz damit trotzdem das beherrschende Thema werden. Trump hat kurzfristig durchgesetzt, dass ausführlich über die Entwicklung der Weltwirtschaft gesprochen werden soll, China inbegriffen.

Seit Tagen setzen Trump und seine Berater bereits den Ton. Der Präsident will sich selbst offenbar einmal mehr zum Mittelpunkt des Geschehens machen und andere belehren. Es ist zu erwarten, dass Trump seine eigene Wirtschaftspolitik und sein Vorgehen gegen China in den höchsten Tönen loben wird. Die Schuld für die lahmende Weltkonjunktur soll bei anderen abgeladen werden. Frei nach dem Motto: Ich mache alles richtig, aber die Chinesen, die Europäer und alle anderen machen alles falsch.

In Washington streuen Trump-Vertraute, dass der Präsident "sehr deutlich" seine Sicht der Dinge vortragen wolle. Das heißt: Einmal mehr wird er die USA als das Opfer von unfairen Handelspraktiken darstellen. Die Europäer, insbesondere Deutschland, sollen dazu gebracht werden, mehr US-Waren zu kaufen, sie sollen die Steuern senken und die Rüstungsausgaben im Rahmen der Nato erhöhen.

Typisch Trump: Dies sind alles PR-Botschaften, die vor allem für das heimische Wahlvolk gedacht sind. Ein reales Ergebnis dürfte daraus in Biarritz eher nicht folgen.

Widerspruch von den Europäern

Wie schon beim letzten G7-Gipfel in Kanada im vergangenen Jahr werden die anderen Gipfelteilnehmer Trumps Sicht kaum folgen. Er wird sie damit eher nerven. Bekanntlich betrachten vor allem die Europäer die von Trump losgetretenen Handelskonflikte mit mit großer Sorge und sehen darin das größte Risiko für die Weltkonjunktur. Der Präsident dürfte sich deshalb in der Runde der Sieben auf einigen Widerspruch gefasst machen. Auch Forderungen nach einer baldigen Beilegung des Konflikts mit China sind von den anderen Teilnehmern zu erwarten.

Reichlich Streitpotenzial zwischen Trump und den übrigen Gipfelteilnehmern gibt es noch an weiteren Stellen. Fast jeden der Staats- und Regierungschefs im Rund hat Trump in den vergangenen Monaten in irgendeiner Form angegriffen. Mit Macron streitet er über die neue französische Digitalsteuer und Strafzölle auf Wein. Mit Merkel zankt er sich über die Ostsee-Pipeline Nordstream 2, die Außenhandelsbilanz und über die deutschen Nato-Ausgaben.

Treffen mit Macron, Merkel und Johnson

Trump will mehrere Einzelgespräche führen, neben Macron trifft er auch mit Merkel und mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson zusammen. Laut "Washington Post" soll Trump intern das Gespräch mit Johnson als einzigen Lichtblick bei dem Gipfel bezeichnet haben.

Trump unterstützt den harten No-Deal-Kurs des neuen Briten-Premiers beim Brexit und könnte dies auch wieder in Biarritz deutlich machen. Das dürfte Macron und Merkel kaum gefallen, die bekanntlich auf den geordneten Austritt der Briten setzen. Mit Macron und Merkel liegt Trump zudem über Kreuz, weil sie seine harte Linie gegenüber Iran ablehnen. Auch dieses Thema dürfte deshalb eine Rolle spielen, wobei es kaum Hoffnung auf eine Annäherung der Positionen gibt.

Bleibt die Frage, ob Trump bei den anderen G7-Mitgliedern erneut für eine Teilnahme von Russlands Präsident Wladimir Putin an künftigen Treffen werben wird. Dies wurde bislang wegen der ungelösten Ukraine-Krise von der Runde abgelehnt.

Das Schöne für Trump: Wenn er sich in dieser Frage durchsetzen will, ist womöglich kein Temper Tantrum notwendig. Im kommenden Jahr darf er den G7-Gipfel in den USA ausrichten. Er bestimmt dann auch maßgeblich, wer eingeladen wird. Und wer nicht.

insgesamt 186 Beiträge
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Seite 1
salomohn 24.08.2019
1. Wie nervig, Spiegel
SIE machen DT Zum Mittelpunkt des Geschehens. Ich wünsche mit weniger Artikel über die mutmassliche Befindlichkeit von Politikern und philosophische Betrachtungen über Eventualitäten.
ubonrat 24.08.2019
2. der nervigste gast
war eindeutig frau merkel !
tomrobert 24.08.2019
3. Trump kommt zahm nach Biaritz
Die Konjunktur schmiert ab und seine Wiederwahl auch. Er braucht uns.Das macht ihn freundlich.
viwaldi 24.08.2019
4. G7 früher und heute
Früher benahmen sich alle mehr oder weniger gesittet, sprachen in diplomatischen Worthülsen und es geschah am Ende: nichts. Man beutete Afrika aus, marschierte in der Krim ein, produzierte CO2 und verseuchte die Meere mit Plastik. Heute pöbelt einer rum, die anderen murren etwas oder pöbeln etwas weniger dagegen, und es passiert am Ende: siehe oben! Also nehmen wir mal den ganzen G7 Rummel nicht zu ernst. Die Mächtigen gehen auf Klassenfahrt, - sonst noch was?
wjruf 24.08.2019
5. In die Schranken
Es ist nur zu hoffen, dass die anderen Teilnehmer Mr. Trump bei aller gebotenen Diplomatie mit klaren Argumenten in dfie Schranbken weisen - und die von ihm vernachlässigte Verantwortung der USA energisch anmahnen.
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