Republikaner kritisieren Trumps Syrien-Plan "Ein kurzsichtiger und verantwortungsloser Schritt"

Für seinen Plan, US-Truppen aus Nordsyrien abzuziehen, erntet Donald Trump massive Kritik auch aus den eigenen Reihen. Washington versucht zu beschwichtigen. Derweil erklärt die Türkei, zu einer Militäroffensive bereit zu sein.

US-Soldaten vor türkischen Militärfahrzeugen bei einer gemeinsamen Übung in Syrien
Delil SOULEIMAN/ AFP

US-Soldaten vor türkischen Militärfahrzeugen bei einer gemeinsamen Übung in Syrien


Die jüngste Syrien-Entscheidung von Präsident Donald Trump bedeutet nach Angaben der US-Regierung keinen Abzug amerikanischer Truppen aus dem Land. Ein ranghoher Regierungsbeamter sagte am Montag in Washington, es würden lediglich etwa 50 Soldaten aus dem Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien an andere Militärstandorte verlegt.

"Das bedeutet keinen Abzug aus Syrien", sagte er. Es gehe lediglich um den Schutz einer "vergleichsweise kleinen Zahl" von US-Soldaten. Sie dürften nicht in Gefahr geraten, "verletzt, getötet oder gefangengenommen zu werden", wenn das türkische Militär die Grenze überschreite und Gefechte mit den Kurden in Nordsyrien beginne.

Der Abzug dieser Kräfte aus Nordsyrien sei auch keineswegs "grünes Licht" für die Türken, ein Massaker an den Kurden zu begehen, betonte er auf Nachfrage. Sollte Ankara so etwas tun, würden die USA die türkische Wirtschaft zerstören. Das habe Trump klar gemacht.

Das Weiße Haus hatte am Sonntag mitgeteilt, US-Streitkräfte würden sich nicht an einer geplanten Offensive der Türkei in Nordsyrien beteiligen und künftig nicht mehr "in der unmittelbaren Region sein". Im Morgengrauen am Montag begannen US-Truppen mit dem Abzug von dort, wie der Sprecher der von Kurdenmilizen dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte bestätigte.

Der Schritt sorgte sowohl in den USA als auch international für Irritationen und Besorgnis. Trump wurde - auch aus den eigenen Reihen - vorgeworfen, die Kurdenmilizen in Nordsyrien im Stich zu lassen. Die YPG-Kurdenmilizen waren im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ein enger Verbündeter der USA. Sie sind Ziel der türkischen Offensive: Die Türkei sieht in der YPG, die an der Grenze Gebiete beherrscht, eine Terrororganisation.

US-Senator Lindsey Graham: Er warnt vor einem drohenden "Desaster" für die US-Außenpolitik
NICHOLAS KAMM/ AFP

US-Senator Lindsey Graham: Er warnt vor einem drohenden "Desaster" für die US-Außenpolitik

  • Der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham, eigentlich ein treuer Trump-Unterstützer, sprach von einem "kurzsichtigen und verantwortungslosen" Schritt und warnte vor einem drohenden "Desaster" für die US-Außenpolitik. Graham sagte, ein Rückzug der US-Truppen wäre ein Sieg für Iran, Syriens Machthaber Baschar al-Assad und den IS.
  • Auch Mitch McConnell, republikanischer Mehrheitsführer im Senat, sagte, ein überstürzter Rückzug würde Russland, Iran, Assad und dem IS in die Hände spielen. McConnell forderte Trump dazu auf, "amerikanische Führung auszuüben".
  • "Wir müssen unsere Verbündeten immer unterstützen, wenn wir erwarten, dass sie uns unterstützen", sagte Nikki Haley, Trumps frühere Uno-Botschafterin. Die Kurden hätten maßgeblich zum erfolgreichen Kampf gegen den IS in Syrien beigetragen. "Sie jetzt sterben zu lassen ist ein großer Fehler."

Nach dieser massiven Kritik an dem angekündigten Rückzug der US-Truppen aus der syrisch-türkischen Grenzregion sprach Trump am Montag eine Drohung an Ankara aus, die aber ebenfalls Fragen aufwarf. "Wenn die Türkei irgendetwas unternimmt, was ich in meiner großartigen und unvergleichlichen Weisheit für tabu halte, werde ich die türkische Wirtschaft vollständig zerstören und auslöschen", twitterte Trump - ohne deutlich zu machen, was er als Verstoß erachten würde.

Später ergänzte er, die Türkei werde "große Probleme" bekommen, sollten US-Angehörige in Syrien verletzt werden. Er bestritt, sich in dem Konflikt auf die Seite Erdogans geschlagen zu haben. "Ich stehe auf niemandes Seite."

Trump sagte im Weißen Haus, er habe Verständnis sowohl für die Befürworter als auch für die Kritiker des Rückzugs. Wenn die US-Truppen dort aber blieben, sei unklar, wann sie jemals abgezogen werden könnten. Trump sagte, bei den zurückgezogenen Truppen habe es sich lediglich um 50 US-Soldaten gehandelt. "Ich möchte nicht, dass sie in einer schlechten oder kompromittierenden Position sind."

Es sieht derzeit nicht danach aus, als würde die Türkei von ihrer geplanten Militäroffensive absehen. In der Nacht zu Dienstag teilte das Verteidigungsministerium mit, die Vorbereitungen für einen möglichen Militäreinsatz in Syrien seien abgeschlossen.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu zitierte den Sprecher des Außenministeriums, Hami Aksoy, mit den Worten: Die Türkei sei entschlossen, Terroristen östlich des Euphrat-Flusses zu vertreiben, um das eigene Überleben zu sichern und eine sichere Zone einzurichten. "Auf diese Weise wird eine ernste Bedrohung für die territoriale Ganzheit und Einheit Syriens beseitigt." Zudem werde eine starke Grundlage geschaffen, um die Rückkehr der IS-Terroristen und ähnliche Probleme in der Zukunft zu verhindern.

Ziel der Türkei ist es, in Nordsyrien entlang der Grenze zur Türkei eine Zone unter ihrer eigenen Kontrolle einzurichten. Die Türkei nennt sie wahlweise "Sicherheitszone" oder "Friedenszone". Die Zone soll sich ab dem Euphrat nach Osten bis an die irakische Grenze erstrecken.

aar/dpa/AFP

insgesamt 48 Beiträge
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checkitoutple 08.10.2019
1. Die poltische Botschat der USA ist klar, wer sich mit uns verbündet
der ist schon verraten.
thequickeningishappening 08.10.2019
2. Was sagt Syrien zum geplanten Einmarsch ?
Nur weil Syriens Armee zu schwach ist um ueberall seine legitimen Grenzen zu verteidigen heißt Das nicht Dass Die Tuerkei Da einfach einmarschieren darf ! Ich hoffe Die Kurden arangieren sich mit Assad ( Verbleib im syrischen Staatsgebiet und regionale Autonomie). Was sagt Die UNO ?
Actionscript 08.10.2019
3. Es geht Trump nur um die 2020 Wahl.
Trump denkt, die Truppen abzuziehen, wird ihm weitere Stimmen von US Armee Soldaten geben. Nur darum geht es ihm. Wie immer riskiert er Leben, dieses Mal das Leben vieler Kurden, nur weil es um ihn geht. Es ist absolut nötig, dass Trump abgesetzt wird. Er ist eine Gefahr für den Weltfrieden.
BassErstaunt 08.10.2019
4. Großartige und unvergleichliche Weisheit
Großartige und unvergleichliche Weisheit? Im Ernst? Wer als Politiker in verantwortlicher Position sowas von sich selbst sagt, den sollte man einem Arzt zuführen. Nicht, dass das beim US-Präsidenten eine neue Erkenntnis wäre, aber es ist unglaublich, wie 40% einer ganzen Nation und eine komplette Partei so von einem offensichtlich psychisch herausgeforderten Menschen eingenommen sein können. Idiocracy. So ein Zitat hätte ich Gadaffi oder Nordkorea-Kim zugeordnet. Von der angedrohten Zerstörung der Wirtschaft und den damit verbundenen Phantasien der Allmacht gar nicht zu reden.
StrongTobacco 08.10.2019
5. that I, in my great and unmatched wisdom...
Da fehlen einem die Worte um so ein Verhalten ueberhaupt zu beschreiben.
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