Trumps italienischer Buddy "Mein Freund Don"

Guido Lombardi ist reich, umtriebig - und umgibt sich gern mit Rechtspopulisten. Seit Kurzem tingelt der Italo-Amerikaner als Kumpel von US-Präsident Trump durch die Medien. Wer ist der Mann?

Getty Images/ Bloomberg

Seit der US-Wahlnacht ist Guido Lombardi hauptberuflich Freund von Donald Trump. Wie der Milliardär privat ist, wie er seine Kinder stolz betrachtet, was er als Präsident vorhat, warum er ein guter Mensch ist: Der Italo-Amerikaner Lombardi erzählt, interpretiert und offeriert sich beiläufig als Türöffner und Kontaktvermittler.

Lombardi wohnt im 63. Stock des Trump Towers, drei Etagen darüber residiert der Hausbesitzer. Auch in Palm Beach, Florida, sind sie quasi Nachbarn, wenn das Wetter in New York zu ungemütlich ist und "man" in den Süden zieht.

Lombardis neue Rolle begann mit der Nacht der US-Präsidentenkür. Live aus dem Trump Tower erzählte er dem italienischen Staatsfernsehen RAI, wie er die vergangenen 15 Monate in den sozialen Medien Wahlkampf für seinen "Freund Don" gemacht habe. Rund 500 Gruppen hätten er und andere Trump-Friends im Netz gegründet, etwa "Radler für Trump", "Lkw-Fahrer für Trump", Juden, Serben, Latinos für Trump. Etwa fünf Millionen Menschen hätten sie damit erreicht, so sagte es der Mittsechziger in Italiens beliebtester Polit-Talkshow. So erzählte er es immer wieder, den großen Zeitungen, in Radio- und TV-Shows, der ARD.

Auf seiner Website preist Lombardi sich als Experte für "Politik, Wirtschaft, Business" in Italien und den USA, was immer das bedeuten mag. Chef des "International Council for Economic Development" sei er gewesen, steht dort auch. Im Internet findet man diese Institution allerdings nicht.

Auch in Lombardis Heimat weiß man eher wenig über den Mann: Er sei 1950 geboren, heißt es - die Quellen- und Faktenlage ist dünn - und in den Siebzigerjahren in die USA emigriert. Dort wurde er im Immobiliengeschäft reich, bekam Kontakt zu den ganz Reichen, wurde Mitglied des wohl exklusivsten Golfklubs der Welt und fuhr wohl ab und an gemeinsam mit Donald Trump im Fahrstuhl nach oben. Gleichwohl sind die meisten Italiener erst einmal begeistert, wenn einer der ihren es geschafft hat, zu den Reichen gehört und zu den Mächtigen immerhin einen guten Draht hat.

Bei der italienischen Rechten, immerhin, könnten ihn einige kennen. Hat er doch vor etlichen Jahren die ausländer- und europafeindliche Lega Nord politisch beraten. Er hat für sie sogar einen Sitz in New York eröffnet.

Offenbar wollten die Lega-Leute ihr globales Image verbessern. Und immerhin gab es etwa ein Jahr später ein Foto von der Lega-Größe Roberto Maroni - damals Innenminister unter Regierungschef Berlusconi, heute Regionalpräsident der Lombardei - gemeinsam mit Trump.

Silvio Berlusconi
AFP

Silvio Berlusconi

Auch Berlusconi und seiner Partei habe er schon geholfen, sagt Lombardi. Trump habe den italienischen Mehrfachregenten "sehr bewundert" und viel von ihm gelernt. Er hätte Berlusconi deshalb gerne kennengelernt. Darum hätten sie ihn mehrfach eingeladen, zum Beispiel, um gemeinsam Weihnachten zu feiern in Trumps Zuckerbäckerresidenz in Palm Beach. Aber Berlusconi hatte nie Zeit dafür. Nun ja, eine gut bestückte Villa hatte der ja auch selber.

Nicht nur der Annäherungsversuch an Berlusconi, auch die Trump-Lombardi-Operation zur Befreiung der Amerikanerin Amanda Knox aus den Klauen der italienischen Justiz endete - medial gesehen - fatal. "Der Engel mit den eiskalten Augen", wie Boulevard-Medien die junge Frau tauften, war im italienischen Perugia des Mordes an einer britischen Studentin angeklagt.

Amanda Knox
REUTERS

Amanda Knox

Der Prozess ging durch etliche Instanzen, Trump schoss viel Geld für die Anwaltskosten zu. Doch als Knox am Ende freigesprochen und in den USA gefeiert wurde, bedankte sie sich in der Öffentlichkeit nicht bei ihrem Gönner.

Erfolglos blieb auch Lombardis Einsatz für Marine Le Pen vom französischen Front National. Als diese Mitte Januar in New York war, wurde sie im Trump Tower gesichtet. Aber nicht, wie sie es erhofft hatte, beim Kaffeetrinken mit dem neuen US-Präsidenten, sondern mit Lombardi. Seit zwei Jahrzehnten würden sich die beiden kennen, so Lombardi, und die "gleichen Werten teilen". Er glaube, dass die Französin bei den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr "Erfolg haben wird".

Das wünscht er auch Geert Wilders, dem Anführer der Rechtsradikalen in den Niederlanden, den Lombardi einen "sehr schlauen Mann" nennt, und den "Freunden" von der österreichischen rechtspopulistischen FPÖ. Auch Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán gehört offenbar zur Welt von "Donald and friends". Orbán soll demnächst, so heißt es, ein freundschaftliches Treffen mit Trump bekommen.

Angela Merkel dagegen wohl eher nicht. Deren Namen kann Lombardi nicht einmal richtig schreiben. So twitterte er über die deutsche Kanzlerin: "A. Markel, friend of RADICAL ISLAMIST but critical of USA and new Trump Administration."

Lombardis eigene Frau ist da offenbar ganz anders. Mit Trump ist sie angeblich schon länger befreundet als ihr Gatte, und ebenso wie jener ist sie radikal lösungsorientiert.

Als ihr erster Ehemann mit 90 Jahren starb, erbte sie um die 300 Millionen Dollar. Das war zwar ganz schön viel, aber das Timing fand die Witwe gleichwohl suboptimal. Denn der Mann verschied mitten in der Ball- und Fest-Saison der Milliardärs- und Multimillionärs-Gesellschaft von Palm Beach.

Und sie, mit noch nicht einmal 60 Jahren, wollte natürlich "keine dieser Partys versäumen", soll sie gesagt haben. So ließ sie den Verblichenen für 40 Tage auf Eis legen. Das erzählte der Buchautor Ronald Kessler der "Washington Post" und der "Daily Mail". Drei Tage nach dem Todesfall habe sie selbst ein rauschendes Fest veranstaltet, heißt es, nur mit Beluga Kaviar und Dom-Pérignon-Champagner.

Ihren neuen, jetzigen Gemahl hat sie dann aber erst nach der Beerdigung geheiratet.



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dr.michaela 02.02.2017
1. Noch ein alter Mann mit schlechtem Geschmack
und dubiosen geldquellen. vieleicht auch eine geldwaschmaschine der mafia?
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