Interview-Analyse Trump wettet auf das Ende der EU

Im Interview mit zwei europäischen Zeitungen geizt Donald Trump nicht mit steilen Thesen. Seine kontroversesten - und gefährlichsten - Aussagen im Überblick.

Donald Trump
AP

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Eine Analyse und , Washington und New York


Donald Trump hat am Wochenende wieder ausgiebig getwittert. Diesmal im Visier: Bürgerrechtsheld John Lewis, der scheidende CIA-Chef John Brennan und - abermals - die Sketchshow "Saturday Night Live", die ihn persifliert hatte.

Doch die dramatischsten Schlagzeilen machte der designierte US-Präsident diesmal nicht via Twitter. Sondern mit Hilfe zweier etablierter Zeitungen in Europa, der britischen "Times" und der deutschen "Bild"-Zeitung.

In dem gemeinsamen Interview der beiden Blätter erklärt Trump die Nato für "obsolet", sagt der EU einen schleichenden Tod voraus, bedroht BMW und kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auf den ersten Blick also lauter typische Querschläge.

Auf den zweiten Blick aber offenbart sich ein erstaunlich differenzierter Trump - und einer, der genau weiß, was er sagt und wem. Die kontroversesten Punkte im Überblick.

  • 1. Ach, die Nato

"Die Nato hat Probleme. Sie ist obsolet." Der Satz aus dem Interview ging schnell um die Welt. Aber das ist ein alter Hut, ein Trump-Dauerbrenner. Er selbst sagt in dem Gespräch, dass er diese Meinung schon lange offen vertritt: Die Nato sei zu alt, zu schwach und unfair, da die anderen Staaten keinen "fairen Anteil" für den Schutz durch die USA zahlten. Trump, der sich wenig schert um die Lehren der Geschichte, sieht die Nato also bestenfalls als Kosten-Nutzen-Rechnung - und schlimmstenfalls als Hindernis für seine "Bromance" mit Wladimir Putin.

Ein Nato-Austritt der USA ist freilich selbst unter Trump nicht zu befürchten, so lange die Republikaner - die Partei Reagans und Eisenhowers - ihren Verstand nicht ganz verloren haben. Das versicherten auch einige von Trumps designierten Ministern bereits im Kongress unter Eid: "Wenn wir die Nato heute nicht hätten, müssten wir sie erschaffen", sagte etwa der künftige Pentagon-Chef, General a.D. James Mattis.

"Ich kann bing, bing, bing machen"

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  • 2. Europa? Welches Europa?

Irritierend lesen sich Trumps Sätze zur Europäischen Union. Wo Barack Obama Europa noch als historisches Projekt bezeichnet hatte und die Europäer emotional aufrief, zusammenzuhalten, scheint sein Nachfolger ein baldiges Auseinanderbrechen des Kontinents regelrecht herbeizureden: "Wenn Sie mich fragen: Es werden weitere Länder austreten." Er lobt den Brexit, erklärt die EU zum Klub auf Zeit, der unter der Fuchtel Berlins stehe, sät Zweifel an der Stärke des Euro und bezeichnet Jean-Claude Juncker, den Präsidenten der EU-Kommission, als "angenehm", ohne ihn beim Namen zu nennen. Nach Ansicht Trumps scheint es nur eine Frage der Zeit, bis die EU auseinanderbricht. Es klingt wie eine Wette: Trump sieht die USA als Firma. Von der Schwächung Europas verspricht er sich wirtschaftliche Vorteile für den eigenen Laden. Ganz abgesehen von der Frage, ob das überhaupt eine richtige Annahme ist, sind seine Sätze politisch hochgefährlich. Den rechtspopulistischen Bewegungen Europas signalisiert er damit, dass sie künftig einen Verbündeten im Weißen Haus haben.

  • 3. Die katastrophal großartige Angela Merkel

Trump äußert sich ausführlich zur Kanzlerin. Wie? Nun ja... mal so, mal so: Einerseits nennt er ihre Flüchtlingspolitik einen "katastrophalen Fehler": "All diese Leute reinzulassen, wo auch immer sie herkommen." Da klingt er so plump und populistisch wie im Wahlkampf. Auch sein Hinweis, er wolle Merkel und Wladimir Putin zunächst einmal mit dem gleichen Vertrauen begegnen, wird man im Kanzleramt nicht gerne hören. Andererseits lobt er die deutsche Regierungschefin und erklärt sie zu einer "großartigen Anführerin", vor der er viel Respekt habe. Zuckerbrot und Peitsche - das klingt wirr, aber aus Trumps Sicht macht die Doppelbotschaft Sinn: Wie auf vielen anderen Feldern will der 70-Jährige auch in der transatlantischen Partnerschaft mit Traditionen brechen. Trump möchte Merkel erst mal zappeln lassen und ihr signalisieren, dass sie - nur weil er aus den USA kommt - nicht automatisch auf ein gutes Verhältnis setzen kann. Es ist eine nicht sehr subtile Drohung, sich notfalls anderen Partnern zuzuwenden.

  • 4. Achtung, Autobauer

Es war sofort einer der meistzitierten Sätze des Interviews - gerichtet an BMW: "Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen." Hintergrund: BMW plant ein Werk in Mexiko, um Wagen für Nordamerika zu produzieren. Die schnell als offizielle "Ankündigung" verbrämte, reine Androhung von Strafzöllen auf Importe in die USA ist freilich ebenfalls nichts Neues: Trump sagt sowas bereits seit dem Vorwahlkampf und hat es auch in den vergangenen Wochen oft wiederholt, mal an die Adresse amerikanischer Firmen wie Ford und GM, mal an den japanischen Toyota-Konzern. Wichtig: Zwischen Trumps Wahlkampfrhetorik und seiner - zumindest formulierten - Politik besteht offenbar kein Unterschied, sein Getöse vom vergangenem Jahr war nicht nur Getöse, sondern ernst gemeint. Wichtig aber auch: Er wird das kaum durchsetzen können. Strafzölle müssen vom Kongress abgesegnet werden. Und da wird es schwer werden, genügend Republikaner zu finden, die einen Handelskrieg mit dem Rest der Welt riskieren wollen. Zumal Experten vorhersagen, dass dies nur zu höheren Autopreisen führt - und wachsendem Unwillen bei der Trump-Basis.



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karlmeitroppe 16.01.2017
1. Ausgerechnet mit der BILD-Zeitung
Man darf gespannt sein, wie die BILD ihrer geneigten Leserschaft dieses Interview erklärt: Sollen sie ihn nun gut finden, weil er ein ähnlich reaktionäres und erfrischens realitätsfernes Weltbild hat wie sie selbst? Oder sollen sie in den BILD´schen Wutmodus verfallen, weil hier "der Ami" wieder mal direkten Einfluss auf Deutschland nehmen will und dabei sogar noch - schockschwerenot! - unsere Autos ins Visier nimmt? Das die Zeitung selbst Trump aber ganz knorke findet, kann ich mir gut vorstellen: Noch einer der mit Lügen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation Politik macht. Ganz wie in der Redaktionsstube auch.
wasistlosnix 16.01.2017
2. zum letzten Absatz
Experten haben in letzter Zeit viel falsches vorausgesagt. Autos mögen teurer werden wenn aber im Gegenzug es neue Arbeitsplätze gibt dann gibt es auch mehr die sich das leisten können. Er muss dann mit einer höheren Inflation rechnen was ihn aber bei seinen Konjunkturprogrammen helfen wird. Im allgemeinen spricht er vieles aus was viele Denken. Die Nato in ihrer jetzigen Form ist obsolet und eine Neuausrichtung würde dem gut tun und wenn die anderen zuwenig zahlen gibt es 2 Möglichkeiten die anderen zahlen mehr oder die USA zahlt weniger. Als nicht Experte erwarte/hoffe ich das zweitere damit diese wahnsinnige Rüstungskosten weniger werden.
auslaender101 16.01.2017
3.
Lieber SPON, welche genau sind die "gefährlichen" Thesen von DT? Dass BMW 35% Zoll zahlen muss? Oder dass viele EU-Länder sich auf steigende NATO-Beiträge einstellen müssen? Oder dass die EU auseinanderfallen kann? Das liegt doch in der Hand der Europäer selbst. Eher meint ihr vermutlich die Kritik an der Flüchtlingspolitik der BK. Aber was genau ist gefährlich an dieser Aussage? Sie ist nicht einmal neu. Euer Medium stand einmal für Seriosität, Sachlichkeit und Kompetenz. Wäre toll, wenn ihr zu diesen alten Standrards zurückkehren würdet und genaue und treffende Begriffe verwendet. Emotionalität ist im Umgang mit einem sehr smarten GEschäftsmann, wie DT fehl am Platze. PS Dass er twittert uind keine Pressekonferenzen macht ist ein Zeichen von Schlauheit aber bei Gott nicht gefährlich.
steveleader 16.01.2017
4. Jetzt wird sich zeigen...
wie mächtig die USA wirklich noch sind. Kann die Welt bzw. Europa die kalte Schulter zeigen oder müssen wir auch anerkennen, dass zuerst die USA kommt. Ich für meinen Teil möchte weder für die Amerikaner noch für die Russen ein Steigbügelhalter sein.
klaus591 16.01.2017
5. Der wahre Grund einen Pakt wie die NATO zu gründen
Lag nicht etwa darin den armen schutzbedürftigen Ländern Westeuropa mit Bestand zur Seite zu stehen, vielmehr darin, die Siegermächte USA,Kanada,Großbritannien mit Truppen in Westeuropa fest zu etablieren und deren Länder politisch,wirtschaftlich,militärisch in ihre Richtung zu drängen. Stalin unterbreitete den Siegermächte in den 50er Jahren den Vorschlag sich aus Westeuropa zurück zu ziehen. Auch Deutschland sollte sich wieder vereinen. Wer aber lehnte das ab,es waren die USA,Großbritannien und Kanada. Erst nachdem die NATO in die Taufe gehoben wurde gründeten die Sowjets den Warschauer Pakt. Ein weiterer Grund Amerikas war und ist,sollte es zur Konfrontation zwischen Russland und EM Westen kommen,dann soll dieser Konflikt in Europa ausgetragen werden und nicht in den USA. Das ist der wahre Grund die NATO zu bewahren.
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