Massenmorde in den USA Trump will Ansichten der Waffenlobby respektiert sehen

Nach den Massakern in El Paso und Dayton hat US-Präsident Trump sich mit Waffenlobbyisten getroffen. Er kündigt strengere Regeln beim Waffenkauf an. Ein Verbot von Sturmgewehren soll es aber nicht geben.

"No More Guns! Make Love": Kundgebung in El Paso
Christian Chavez/ DPA

"No More Guns! Make Love": Kundgebung in El Paso


US-Präsident Donald Trump hat knapp eine Woche nach den Massenmorden von El Paso und Dayton Gespräche mit Waffenlobbyisten geführt. Anschließend erklärte er, sich für die Interessen der National Rifle Association (NRA), aber auch für strengere Überprüfungen von Waffenkäufern einsetzen zu wollen.

Der Präsident sagte, er wolle sicherstellen, dass die "sehr starken Ansichten" der Waffenlobby von den Fraktionsführern im US-Kongress einbezogen werden. Zuvor hatte Trump getwittert, er werde mit der NRA sprechen, damit deren Meinungen "gänzlich repräsentiert und respektiert werden".

Im texanischen El Paso waren am Samstag 22 Menschen in einem Supermarkt von einem Mann aus rassistischen Motiven erschossen worden. Am Sonntag tötete ein Mann in Dayton, Ohio, zehn Menschen in einer belebten Straße. Die Täter benutzten Sturmgewehre, die in den USA legal sind. Danach war die Diskussion über laxe US-Waffengesetze neu entbrannt.

An der Seite der NRA: Trump beim Jahreskongress der Waffenlobby im April 2019
Evan Vucci/ DPA

An der Seite der NRA: Trump beim Jahreskongress der Waffenlobby im April 2019

Trump versprach, es würden Schritte unternommen, die dem "gesunden Menschenverstand folgen und gut für alle sind". Es werde "ein gutes Paket an Maßnahmen in Bezug auf Waffen" geben, sobald der Kongress aus der Sommerpause zurückkehre.

Trump sieht keinen Grund zur Eile bei Waffengesetzen

Der Bitte von rund 200 US-Bürgermeistern, der Kongress solle früher als geplant aus den Ferien kommen und sich der Schusswaffenfrage annehmen, erteilte Trump eine Absage. Er sehe keine Notwendigkeit für eine Verkürzung der Parlamentspause wegen neuer Waffengesetze. Ähnlich hatte sich zuvor bereits der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, geäußert.

Die Waffenlobby NRA hatte Trumps Wahlkampf stark unterstützt. Der Republikaner suchte seinerseits gerne die Nähe zur Waffenlobby, weil sich viele konservative US-Amerikaner von ihr vertreten sehen.

Bereits am Donnerstag hatte Trump erklärt, der Verkauf von Waffen solle besser kontrolliert und an psychisch Kranke verhindert werden. Ein Verbot von Sturmgewehren werde im Kongress allerdings keine Mehrheit finden.

Durch die Massaker ist, ähnlich wie bei früheren sogenannten mass shootings, eine Debatte über den Umgang der US-Amerikaner mit Schusswaffen entbrannt. Der Schütze in Dayton, Ohio, hatte eine zur Pistole umgerüstete Version des Sturmgewehrs AR-15 benutzt. 30 Sekunden nach seinem ersten Schuss wurde er selbst von Polizisten niedergeschossen, hatte in der Zeit aber mehr als drei Dutzend verletzt oder getötet. AR-15-Gewehre wurden schon bei anderen Massentötungen verwendet. Der Attentäter von El Paso benutzte eine der russischen AK-47 ähnelnden Waffe, ebenfalls ein Sturmgewehr.

Mit diesen halbautomatischen Waffen lassen sich wegen der großen Magazine und der schnellen Schussfolge in kurzer Zeit besonders viele Menschen töten. Forderungen nach einem Verbot solcher Gewehre, das vor allem Politiker der US-Demokraten immer wieder ins Spiel bringen, scheiterten bislang am Widerstand der Waffenlobby und der republikanischen Partei.

cht/Reuters



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