Trumps Amtsantritt Die Zukunft - ein Zitterspiel

Mit Donald Trumps Vereidigung zum 45. US-Präsidenten brechen ungewisse Zeiten an. Aus Worten kann er nun Realität machen. Die Sorge der Welt ist berechtigt.

Donald und Melania Trump
AFP

Donald und Melania Trump

Ein Kommentar von , Washington


Es war die letzte Reporterfrage an den scheidenden Präsidenten: "Was sagen Sie Ihren Töchtern?" Sprich: Was sagen Sie uns? Wie geht es weiter? Barack Obama brauchte mehrere Anläufe, nur um bei einer kraftlosen Antwort zu landen: "Ich glaube, das wird schon."

Hoffnung hört sich anders an. Dass Obama, die einst personifizierte Hoffnung, diese Worte wählte für den Machtwechsel in den USA, offenbart die prekäre Lage der Nation im Umbruch: bange Fragen, wenig Antworten, ungewisse Zeiten.

Welcome to Trumpworld.

Das Ritual der Amtseinführung eines US-Präsidenten dient der Stabilität, es soll die Gräben des Wahlkampfes mit Patriotismus kitten und die Amerikaner einen. Doch wenn Donald Trump an diesem Mittag vor dem Kapitol auf Abe Lincolns Bibel schwört, dann dürfte das weder stabilisieren noch überbrücken noch einen.

Selten war die Zukunft so ein Zitterspiel. Dabei hat Trump sein Denken nie verheimlicht. Wer alte Interviews nachliest, stößt schon da auf dieselben Parolen, dasselbe Weltbild wie heute. Lügen als PR, Rivalität als Lebensart, America first. "Wir Amerikaner werden ausgelacht", klagte er 1990 im "Playboy". Und was dagegen helfe? Isolationismus, "Law and Order", Autorität, Macht. Nichts ist neu.

Fast 27 Jahre später werden Trumps Worte nun zu politischer Realität, jedenfalls für 323 Millionen Menschen. Wohin wird seine Weltsicht sie treiben? Wird sie Amerika "wieder großartig machen", wie sein Retro-Schlachtruf vor allem weißen Anhängern verspricht? Oder wird sie das Amerika, das man kennt, zerstören?

Die massive Sorge, die auch viele Europäer bewegt, ist berechtigt. Trumps Kabinett der Milliardäre und sein schamloser Nepotismus stehen im Widerspruch zu allen Wahlversprechen an Middle America. Doch das ist benebelt von seiner politischen Reality-Farce und blind gegenüber der Gefahr für die Demokratie.

Welcome to Trumpworld. Intellekt gilt plötzlich als Elitismus, Anstand als Schwäche, Kritik als Hochverrat. Der "New Yorker", kaum linksradikal, sieht in Trump schon "das Antlitz des puren Autoritarismus".

Mehr noch: Der Narzissmus Trumps hat nun globale Wucht. Freiheit, Gleichheit, Fairness: Auf einmal wackelt nicht nur der moralische Kompass der Vereinigten Staaten. Sondern die gesamte Nachkriegsordnung.

Er lobt Moskau, verhöhnt Europa, bringt die Welt aus den Fugen. Der Feind lauert. Eine Provokation, ein Angriff, ein Anschlag: Wie wird Trump dann reagieren? Die atomaren Alpträume früherer Generationen kehren zurück.

Panik ist fehl am Platz, Wachsamkeit angesagt. Das gilt für Amerikas demoralisierte Opposition, aus deren Schock nur langsam Widerstand wird. Das gilt auch für die von Fake News überwältigten US-Medien. Aber eben auch für den Rest der Welt. Wachsamkeit: Trumps Reflexe, Worte, Gesten, Entscheidungen sind spätestens jetzt mehr als nur Show. So ist er, so war er immer schon, so wird er sein: Welcome to Trumpworld.

Obama, der sich fortan als Bürger sieht, fand dafür noch einen anderen Satz; ob er tröstet, bleibt dahingestellt: "Nur das Ende der Welt ist wirklich das Ende der Welt."

Video: Trump in Washington - "Ich liebe euch"

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gunpot 20.01.2017
1. was soll denn die
Überschrift, na ja, SPON kann das Trump Bashing nicht lassen. Ich sehe überhaupt keine Zitterpartie. Trump hat gute Berater, die Börse hat sich gut entwickelt, der Dollar auch, absehbar sind schon mehr Direktinvestitionen in den USA, Mexiko ist auf Einlenken und nicht auf Konfrontation, bisher abgewiesene Ölbohrgenehmigungen werden erteilt, Pipelines werden gebaut (übrigens das mit Abstand billigste und umweltfreundlichste Transportmittel), etc...... Aber ja, da sind ja die möglichen Gefahren, nur zu, immer ordentlich Angst machen, das steigert die Auflage.
dirk.resuehr 20.01.2017
2. Zukunft
Seltsam, da wird gefragt, wie die wohl aussehen wird, die Frage jedoch ist zunächst, ob wir so etwas wie eine Zukunft überhaupt haben werden. Es gilt also das Prinzip Hoffnung, nicht gerade toll. Trump will verlorene Jobs zurückbringen. Das könnte ein Schlüssel sein. Ganze Gruppen vo bewaffneten Bürgerwehren haben im rust-belt Trump gewählt, weil sie seinen Versprechungen glauben. Aber, Jobs in desolate, nicht konkurrenzfähigre Industrien zurückbringen?Hallo, wie geht das? In die Hose wahrscheinlich. Dann ist der selbsternannte Milliardär erledigt und hat kaum noch Sympatisanten, noch mehr Feinde.
f._aus_kleefeld 20.01.2017
3. Hört die Trumpeten
Meine Güte! Trump hier, Trump da, Trump überall. Niemand kann der Katastrophe entkommen. Es ist die Apokalypse schlechthin. Seit Wochen werden wir von sämtlichen Medien zugetrumpt, dass es einem aus den Ohren quillt. Und heute ab 18 Uhr ist er Präsident. Was wird dann erst auf uns niederprasseln? Ich leide jetzt schon an einer akuten Trumpitis und befürchte eine Chronifizierung. Wer entwickelt einen Anti-Trump-Filter für TV, Radio, Internet und Printmedien, damit ich trumpfreie Nachrichten erhalte? Und was machen die armen Detmolder - Autokennzeichen DT...?
grecomuc 20.01.2017
4. Hoffnung
bleibt. Insbesondere dass der US-Kongress selbstbewusst genug ist, Widerstand zu leisten, wo es erforderlich ist, um Trump einzudämmen. Und der Widerstand einer Öffentlichkeit, denen Werte noch etwas bedeuten und die bereit sind, dafür einzustehen, dazu zähle ich auch die US-Presse, die sich gerade neu aufstellt. Ich glaube auch, dass die Bromance zwischen Trump und Putin der realen Wirklichkeit nicht allzulange standhalten wird.
ulli7 20.01.2017
5. US-Präsidentschaft von Trump hat auch positive Seiten
Man muss der beginnenden US-Präsidentschaft von Trump auch eine positive Seite abgewinnen: Donald Trump wird die beratungsresistente deutsche Bundeskanzlerin Merkel regelmäßig auf ihre völlig verfehlte “REFUGEES - WELCOME” - Politik hinweisen. Das wird dann in allen Medien verbreitet.
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