US-Präsident Trump wirft Obama Abhören seines Telefons vor

Die Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams bringen Donald Trump in Bedrängnis. Nun lenkt er die Aufmerksamkeit auf ein anderes Thema: Vorgänger Obama habe Telefone im Trump Tower abgehört. Belege nennt er nicht.

US-Präsident Donald Trump
DPA

US-Präsident Donald Trump


Mit einer Reihe von Tweets hat Donald Trump am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) schwere Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Barack Obama erhoben. Er habe gerade erfahren, dass Obama seine Leitung im Trump Tower kurz vor dem Sieg anzapfen ließ, schrieb Trump. Und weiter: "Wie tief ist Obama gesunken, um meine Telefone während des geheiligten Wahlprozesses anzapfen zu lassen?" Es stelle sich die Frage, ob Obama legal gehandelt habe.

Offenbar in Bezug auf seinen Amtsvorgänger fügte Trump noch hinzu: "Böser (oder kranker) Kerl!" und stellte einen Vergleich mit der Watergate-Affäre in den Siebzigerjahren an. Diese Affäre, in der es auch um illegal angezapfte Telefone ging, hatte zum Rücktritt des Präsidenten Richard Nixon geführt.

Auf welcher Grundlage Trump seine neuen Anschuldigungen erhebt, ist völlig unklar. In den Tweets nennt er keine Quelle dafür. Auf US-Websites wie "Politico" und "The Hill" wird spekuliert, ob er sich darin auf einen Artikel der rechtspopulistischen Website "Breitbart News" von Freitag bezieht. Darin war der Radiomoderator Mark Levin mit der Theorie zitiert worden, dass Obama Methoden des Polizeistaats gegen Trump ergriffen habe.

Es geht allem Anschein nach um Untersuchungen, die FBI und Geheimdienste 2016 in Trumps Umfeld Untersuchungen vorgenommen haben sollen. Angeblich sollte geprüft werden, ob es finanzielle Verbindungen aus Trumps Umfeld nach Russland gab. Nach allem, was bekannt ist, hatte Obama damit nichts zu tun; Abhöraktionen wie die unterstellte müssten von James Comey angeordnet werden, dem Chef des FBI, nicht vom Weißen Haus.

Auffällig ist, dass Trump in seinen vorherigen Tweets noch versucht hatte, seine Affäre um Russland-Kontakte abzuwehren. So schrieb er unter anderem, dass der russische Botschafter Sergej Kisljak mehr als 22-mal im Weißen Haus zu Gesprächen gewesen sei.

Zuletzt war sein Justizminister Jeff Sessions wegen Gesprächen mit Kisljak unter Druck geraten, genauso wie vorher Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn, der deshalb schon seinen Posten räumen musste. Grundlage für die Kritik war in beiden Fällen, dass sie bei Fragen zu den Kontakten zuerst nicht die Wahrheit sagten. Sessions beteuerte sogar unter Eid, dass er sich nicht mit Kisljak getroffen habe - was nachweislich nicht stimmt.

Seth Moutlon, Abgeordneter der Demokraten, sagte dem Sender MSNBC zu den Vorwürfen: "Das kommt geradewegs aus Trumps Reality-TV-Drehbuch. Er versucht von der wirklichen Geschichte hier abzulenken, in der es um die Russland-Kontakte seines Teams geht. Dahinter verbirgt sich ganz offensichtlich eine größere Story, und die Amerikaner müssen wissen, wie weit diese reicht."

Trump ist über das Wochenende in Mar-a-Lago in Florida. "Politico" hatte sich nach eigenen Angaben um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen Obama bemüht, jedoch bislang keine Antwort vom Weißen Haus bekommen.

vks/dpa/AFP



insgesamt 205 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tjhc 04.03.2017
1. Ein Skandal und kriminell...
... sollte es war sein. Aber wahrscheinlich hat er die Information wieder bei Breitbart oder Alex Jones gesehen und dann als Tweet weitergeschickt. Vertrauenswürdig sind Trumps Aussagen im Allgemeinen jedenfalls nicht.
dborrmann 04.03.2017
2. Angriff ist die beste Verteidigung....
So lenkt er von seinem miserablen Team mit all seinen Verfehlungen ab. Aber man wird ihm auf die Schliche kommen. Wer so um sich schlägt, fliegt irgendwann auf die F....e.
Putin-Troll 04.03.2017
3. Belege?
Belege braucht er auch nicht nenenn. Da Obama bzw. seine Geheimdienste bekanntermaßen ALLE Telefone abgehört haben, ist nach einfacher Mengenlehre davon auszugehen, dass Trumps auch dabei war.
Jochenberlin 04.03.2017
4. Und wo sind die Beweise???
Ist ja mal wieder typisch! Per Twitter solche Behauptungen in die Welt setzen und für Aufregung sorgen, aber den Beweis schuldig bleiben. Ich hoffe, ihm fällt bald mal so was Schweres auf die Füße, dass er nicht mehr laufen kann bzw. sich selbst um seinen Posten bringt!
Cluedo 04.03.2017
5. Ach, der Trump und seine Twitteranfälle .....
..... aber seinem Vorgänger mal eben schnell auf Twitter zu bescheinigen, er sei krank im Kopf, das hat schon eine besondere Qualität. - Die USA werden im Sauseschritt zur Bananenrepublik herabgewirtschaftet. Echt erschreckend zu sehen, wie schnell das gehen kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.