Besuch in Tokio Trump wirft Japan unfaire Handelspolitik vor

US-Präsident Trump hat sich in Tokio mit Vertretern der japanischen Wirtschaft getroffen. Er verteidigte den Rückzug aus dem Freihandelsabkommen TPP - und beklagte "massive Handelsdefizite".


US-Präsident Donald Trump hat Japan eine unfaire Handelspolitik vorgeworfen. "Wir wollen fairen und offenen Handel, aber im Augenblick ist unser Handel mit Japan nicht fair und offen", sagte Trump vor Wirtschaftsvertretern in Tokio. Er lobte Japan dafür, dass es amerikanische Militärgüter kaufe. Allerdings würde Japan Millionen Autos in die USA verkaufen. "Und praktisch keine Autos kommen von den USA nach Japan." Die USA litten deshalb seit "vielen, vielen Jahren" unter "massiven Handelsdefiziten" mit Japan. "Also werden wir verhandeln müssen", fügte Trump hinzu. "Und das werden wir auf freundliche Weise tun."

Auch den deutschen Handelsüberschuss hat Trump immer wieder scharf kritisiert. "The Germans are bad, very bad", sagte er bei einem Treffen mit der EU-Spitze im Mai. (Lesen Sie hier, was an Trumps Vorwürfen dran ist).

Japan ist die erste Station einer fast zweiwöchigen Asienreise, die Trump auch nach Südkorea, China, Vietnam und auf die Philippinen führt. Der Konflikt mit Nordkorea dürfte im Mittelpunkt seiner Gespräche stehen. Nach Angaben von US-Regierungsvertretern stehen Handelsfragen auf Trumps Prioritätenliste aber ebenfalls weit oben.

Trump setzt mit seiner "America First"-Politik auf wirtschaftliche Abschottung und kündigte nur drei Tage nach seinem Amtsantritt im Januar das transpazifische Freihandelsabkommen TPP auf, an dem auch Japan beteiligt ist.

Diese Entscheidung verteidigte er bei dem Treffen mit den Wirtschaftsvertretern: "Wir werden mehr Handel haben als im Rahmen von TPP, und die Situation wird viel weniger komplex sein", sagte Trump. TPP sei nicht die richtige Idee gewesen. Das Abkommen sollte rund um den Pazifik die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Japan hält an dem Vorhaben fest.

Gespräche über Nordkorea-Krise

Der US-Präsident war am Samstag in Japan eingetroffen. Nach einem Besuch bei US-Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Yokota reiste er weiter in die Hauptstadt Tokio. Dort empfing ihn Japans Kaiser Akihito. Trump begrüßte den Kaiser mit einem Handschlag und Nicken, verzichtete aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf eine Verbeugung. Barack Obama war für seine tiefe Verbeugung vor Kaiser Akihito 2009 in den USA scharf kritisiert worden.

Am letzten Tag seines Besuches in der japanischen Hauptstadt führt Trump anschließend Gespräche mit Ministerpräsident Shinzo Abe. Japan ist ein wichtiger Verbündeter der USA in der Region.

Außerdem steht ein Treffen von Trump mit Angehörigen von Japanern auf dem Programm, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren von nordkoreanischen Agenten entführt worden waren. Sie sollten nordkoreanischen Spionen unter anderem Japanisch beibringen.

SPIEGEL ONLINE

cte/AFP/dpa



insgesamt 56 Beiträge
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peterpretscher 06.11.2017
1. Woher kommen Handelsdefizite?
Ganz einfach: Das Preis/Leistungsverhältnis muss stimmen, dann kaufen die Kunden. Also Donald merke Dir: Die USA müssen besser und smarter die Waren produzieren, dann geht das US-Defizit runter!
micromiller 06.11.2017
2. Trump macht es richtig!
Natürlich stimmt es, dass Japan viele Handelshindernisse gegen Importe aus den USA implementiert hat, aber den absolut freien Zugang zu dem US Markt voll nutzt. Trump wird den Japanern Zugeständnisse abringen. Deutschland und die EU haben ebenfalls Handelsbarrieren gegen US Produkte im Einsatz um die hiesige Landwirtschaft zu schützen und die Manipulation des EU Aussenwerts durch die EZB hat sicherlich nichts mit freier Marktwirtschaft zu tun.
gastfn 06.11.2017
3. US Autos
Hmmm, die Deutschen kaufen keine Autos aus den USA, die Japaner kaufen auch keine Autos aus den USA... Amerikaner jedoch kaufen zuhauf Autos aus Deutschland und Japan? Was sagt uns das ? Das man in Deutschland und Japan einfach die besseren Autos baut. Warum fordert Trump die Hersteller in den USA nicht einfach dazu auf bessere Autos zu bauen und das "Problem" so zu lösen? Damit wäre den Amerikanern geholfen und die Konsumenten in Deutschland und Japan hätten dann eine größere Auswahl an Fahrzeugen wenn US Autos dadurch endlich zu einer Alternative würden.
dasbertl 06.11.2017
4. Schrottkarren...
Sorry Donald, das mit den Automobilien liegt daran, dass die US.Autofirmen keine vernünftigen Fahrzeuge auf die Räder stellen können (Ausnahme: TESLA, aber nur in Kleinserien...). Sie sind unpraktisch, unzeitgemäß und im Verbrauch indiskutabel. Das braucht man weder in Japan noch in Europa.
favorit601 06.11.2017
5. Wie langweilig,
wir wünschen uns doch sicher auch mehr europäsische (deutsche?) Handyentwicklungen, Betriebssysteme, Computer, Suchmaschinen, Anteile an weltweiten Finanzdienstleistungen usw.. How unfair! Ja, aber Resultat von Marktmechanismen, bei denen die allermeisten Faktoren nachvollziehbar und eben doch fair sind. Was mich aber mehr auf die Palme bringt ist die wohl auch betriebene Durchsetzung von Witschaftspolitik mit juristischen Mitteln durch die USA, erkennbar z.B. In der ungleichen Höhe von Strafzahlungen gegen in- und ausländische Banken oder den Schiedsgerichtsurteilen im Rahmen von NAFTA. Die Gerichte sind ja unabhängig....
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