Disput über Strafzölle Trumps wichtigster Wirtschaftsberater tritt zurück

Als Chefökonom von Donald Trump sollte Gary Cohn die US-Wirtschaftspolitik steuern. Nun verlässt er das Weiße Haus. Hintergrund ist offenbar ein Streit über Strafzölle.
Gary Cohn beim Pressebriefing im Weißen Haus

Gary Cohn beim Pressebriefing im Weißen Haus

Foto: Manuel Balce Ceneta/ dpa

Inmitten der Debatte über US-Strafzölle auf ausländischen Stahl und Aluminium verlässt der oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Gary Cohn, das Weiße Haus. Es sei ihm eine Ehre gewesen, als Leiter des Wirtschaftsberatergremiums in der Regierungszentrale "meinem Land zu dienen", heißt es in einer kurzen Mitteilung Cohns. Er sei Trump dankbar für diese Möglichkeit.

Zu den Hintergründen seines Rücktritts äußerte sich Cohn nicht. Er war zuvor in einem internen Ringen um den Kurs in der Handelspolitik unterlegen: Cohn hatte sich gegen die Strafzölle auf Aluminium und Stahl gestemmt, die Trump in der vergangenen Woche angekündigt hatte.

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Der 57-jährige Cohn ist Mitglied der Demokraten, er gilt als maßvoll. Er war es, der Trumps nationalistischer Wirtschaftspolitik unter dem Motto "America First" das Attribut "but not alone" ("aber nicht allein") beifügte und damit zumindest ein gewisses Maß an internationaler Zusammenarbeit einforderte.

Der Investmentbanker war Vizechef der US-Großbank Goldman Sachs, bevor er Anfang 2017 Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates unter Trump wurde. Cohn gilt als Architekt der Steuerreform, die im vergangenen Jahr beschlossen wurde.

Trump bedankte sich bei Cohn für dessen Arbeit, er habe dazu beigetragen, die US-Wirtschaft wieder voranzubringen. "Er ist ein besonderes Talent, und ich danke ihm für seine Dienste am amerikanischen Volk", schrieb der Präsident in einer Erklärung an die "New York Times" . Via Twitter teilte er kurz darauf mit, er werde "bald" über einen Nachfolger entscheiden. "Viele Leute wollen den Job - ich werde eine weise Entscheidung treffen!"

Schon in der Vergangenheit war Cohn nicht immer einer Meinung mit Trump. "Diese Regierung kann und muss besser werden", sagte er beispielsweise im August 2017, damals ging es um Trumps anfangs zögerliche Verurteilung rechtsextremer Gewalt. Cohn war auch einer der Berater, die sich gegen eine Aufkündigung des Pariser Klimaabkommens ausgesprochen hatten.

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Bereits in den vergangenen Tagen hatte es nun Gerüchte über einen möglichen Rücktritt Cohns gegeben. Bis zuletzt soll er noch versucht haben, die Position der USA gegenüber Zöllen für Einfuhren von Stahl und Aluminium aufzuweichen. Trump hatte mit seiner Ankündigung die Sorgen vor einem internationalen Handelskonflikt geschürt. Politiker und Wirtschaftsführer in aller Welt äußerten ihre Besorgnis über eine solche Auseinandersetzung, Kritik kommt auch aus Trumps eigener Partei.

Mit Cohn verliert Trump einen der letzten Befürworter von Freihandel und Globalisierung in seinem direkten Beraterstab. Dies könnte auch Auswirkungen auf die laufenden Verhandlungen über das Freihandelsabkommen Nafta mit den Nachbarn Mexiko und Kanada haben.

Cohn ist einer von zahlreichen Mitarbeitern Trumps, die zuletzt ihren Rücktritt einreichten. Vor einer Woche kündigte seine Kommunikationschefin Hope Hicks an, ihren Posten nach nur rund sechs Monaten aufzugeben. Dass im Weißen Haus Chaos herrsche, dementierte Trump via Twitter. Menschen würden immer kommen und gehen, und es gebe noch Personal, das er austauschen wolle, schrieb er. "Es gibt kein Chaos, nur positive Energie."

Eine Auswahl der Rücktritte und Entlassungen unter Trump im Überblick:

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Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS
aar/AFP/dpa
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