Kritik an Trumps geplantem Taliban-Treffen "Das ist keine Spielshow. Das sind Terroristen"

Donald Trump wollte am Sonntag mit Vertretern der Taliban verhandeln - ausgerechnet in Camp David. Der Termin ist zwar geplatzt, doch für den Plan erntet der Präsident Kritik, auch aus seiner eigenen Partei.

Demokratin Amy Klobuchar: "Ein hastig arrangierter Gipfel, von dem niemand wusste, dass er stattfindet"
Gretchen Ertl/ REUTERS

Demokratin Amy Klobuchar: "Ein hastig arrangierter Gipfel, von dem niemand wusste, dass er stattfindet"


Die Tatsache, dass US-Präsident Donald Trump Vertreter der Taliban heimlich nach Camp David eingeladen hat, stößt in den USA weiterhin auf Kritik - sie kommt aus der Opposition, aber auch von Trumps Republikanern.

"Die Führer einer Terrororganisation, die nie von den Anschlägen des 11. September 2001 abgeschworen haben und weiter Böses tun, dürfen niemals in unser Land gelassen werden. NIEMALS. Punkt", schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger bei Twitter.

Die Republikanerin Liz Cheney kritisierte vor allem den ursprünglich geplanten Treffpunkt. "In Camp David haben sich Amerikas Anführer getroffen, um unsere Reaktion zu planen, nachdem al-Qaida, unterstützt von den Taliban, am 11. September 3000 Amerikaner getötet hat", schrieb sie bei Twitter. "Kein Mitglied der Taliban sollte jemals einen Fuß dort hineinsetzen." Cheney vertritt den Bundesstaat Wyoming im Repräsentantenhaus. Ihr Vater Dick Cheney war zum Zeitpunkt der Attacken vom 11. September 2001 Vizepräsident der USA.

Am Samstagabend hatte Trump via Twitter mitgeteilt, er habe für Sonntag in Camp David ein geheimes Treffen mit den Taliban und - getrennt davon - mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani geplant gehabt. Leider hätten die Taliban aber, "um ihre Verhandlungsposition zu stärken", einen Anschlag in Kabul begangen, bei dem ein US-Soldat und elf weitere Menschen getötet worden seien. Deshalb habe er die Treffen und ebenso die "Friedensverhandlungen" abgesagt, schrieb Trump.

Die USA und die Taliban sprechen seit Juli 2018 über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts in Afghanistan. Der US-Chefunterhändler Zalmay Khalilzad hatte am vergangenen Montag gesagt, man habe sich "grundsätzlich" auf ein Abkommen geeinigt. Dies sei aber erst endgültig, wenn sich Trump damit einverstanden erkläre.

Die Grundsatzeinigung sah vor, dass die USA rund 5000 der insgesamt 13.000 Soldaten von fünf Stützpunkten in Afghanistan abziehen. Die Taliban sollten sich im Gegenzug vom Qaida-Terrornetzwerk lossagen, die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekämpfen und direkte Verhandlungen mit der Regierung in Kabul aufnehmen. Nach Trumps Absage der Gespräche ist es nun unklar, ob und wie es weitergeht.

Pompeo verteidigt Trump gegen Kritiker

US-Außenminister Mike Pompeo schloss eine Wiederaufnahme der Verhandlungen nicht aus. Für einen Neustart der Gespräche müssten die Taliban bedeutsame Zusagen machen und diese vor allem einhalten, sagte Pompeo am Sonntag dem Sender CNN.

Auf die Kritik der Republikaner Kinzinger und Cheney angesprochen, sagte Pompeo im Sender ABC, er kenne und schätze die beiden. Aber: "Wenn Sie über Frieden verhandeln, müssen Sie sich letztendlich oft mit einigen ziemlich schlechten Beteiligten auseinandersetzen." Ihm sei auch die Geschichte von Camp David bekannt, genauso wie Trump und allen anderen Beteiligten. Aber, so Pompeo: "Während es in Camp David oft Diskussionen über den Krieg gab, gab es dort auch Diskussionen über den Frieden."

So reagierten die Demokraten

Die Kritik an Trumps Vorgehen kommt auch aus der Opposition. Amy Klobuchar, die für die Demokraten ins Rennen um das Weiße Haus eingestiegen ist, sagte dem CNN-Moderator Jake Tapper, sie sei zwar für Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung und mit den Taliban. Sie sprach aber von einem "hastig arrangierten Gipfel, von dem niemand wusste, dass er stattfindet". Das Ganze ergebe für sie keinen Sinn. Und Trumps Tweet zeige einmal mehr, dass er die US-Außenpolitik "wie eine Art Spielshow" behandle. "Das ist keine Spielshow. Das sind Terroristen."

Julián Castro, ebenfalls demokratischer Präsidentschaftsbewerber, sprach bei CNN von "einer weiteren bizarren Episode". Sie zeige einmal mehr Trumps "unberechenbares Verhalten", und die Menschen hätten es satt. Es sei sehr merkwürdig, eine solche Terrororganisation nach Camp David einzuladen. So würden die USA nicht verhandeln.

So reagierten die Taliban

In einer Erklärung der Taliban hieß es am Sonntag, der Abbruch der Gespräche beschädige die Glaubwürdigkeit der USA und zeige der Welt, dass die USA gegen Frieden seien. Man habe mit der US-Seite ein Abkommen erzielt, mit dem auch die Amerikaner zufrieden gewesen seien. Beide Seiten hätten sich auf die Unterzeichnung des Abkommens vorbereitet. Innerafghanische Gespräche hätten demnach am 23. September beginnen sollen. Die Taliban seien bereit, die Gespräche weiter zu führen, hieß es.

Die Amerikaner waren nach den Attacken vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert. Al-Qaida hatte damals ihre Zentrale in Afghanistan, ihr Chef Osama Bin Laden lebte unter dem Schutz des Taliban-Regimes in dem Land. Die Anschläge jähren sich in der kommenden Woche zum 18. Mal.

aar/dpa/AFP

insgesamt 28 Beiträge
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mohsensalakh 09.09.2019
1. Donald Rumsfeld schickte doch Talibanen nach Afghanistan!
Geschult wurden die Talibanen im salafistischen Land Saudi Arabien, wo Donald Rumsfeld sie besuchte und für den Einmarsch nach Afghanistan gewann " um die Russen dort zu vertreiben". Dass Talibanen Terroristen waren und 100 tausender afghanische unschuldige Menschen ermorden würden, war es Rumsfeld wurst! Was soll also das Theater?
palmas 09.09.2019
2. beispielhafte Toleranz
Die Offenheit und Toleranz, die Donald Trump einmal wieder unter Beweis stellt, ist staatsmännisch. Manche Parteien aus dem hiesigen linken Spektrum, die sich gern als besonders tolerant gerieren, könnten davon lernen.
neutralfanw 09.09.2019
3. Unglaubwürdig
Unglaubwürdige Wahlpropaganda. So diskret wie Trump über den Verhandlungsabbruch per Twitter schreibt, so geheim war auch das angebliche Treffen in Camp David. Eine reine Show. Trump würde nie Zugeständnisse machen, um einen möglichen Frieden zu erzielen. Während den angeblich erfolgreichen Verhandlungen gab es immer wieder Anschläge in Afghanistan. Die Verhandlungen wurden jedoch nicht abgebrochen. Beim letzten Anschlag wurde ein US Amerikaner getötet. Das war die Gelegenheit für Trump
Hans_Suppengrün 09.09.2019
4.
"Frieden schließt man nicht mit seinen Freunden, sondern mir seinen Feinden!" Nelson Mandela hat das gesagt. Ich bin ja immer sofort mit dabei, wenn Trump kritisiert wird und die Art WIE er mal wieder "dealen" will ist sicher auch diesmal wieder kritikwürdig. Aber DAS verhandelt werden muss, wenn in Afghanistan irgendwann mal was erreicht werden soll ist doch sicherlich unstreitig. Und die Cheney steht Trump in Sachen Widerlichkeit in nichts nach...
kuac 09.09.2019
5.
Trump geht es nicht um Afghanistan, sondern um seine one man show, so wie die Geschichte mit Kim, für seine Wiederwahl. Solche Gespräche sind kompliziert und müssen gut vorbereitet sein. Davon versteht aber Donny wenig. Was nun?
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