US-Wahlkampf Was passiert, wenn Trump gewinnt? Nichts.

Hillary Clinton wäre klar die bessere Präsidentin, ihr Rivale hat außer leeren Versprechungen nichts zu bieten. Als Regierungschef der USA würde Donald Trump bald scheitern.

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Haben Sie auch die Nase voll von Donald Trump? Von seinen Besserwissereien, von seiner Sucht nach Aufmerksamkeit und Provokation?

Die Einzige, die Trump jetzt noch verhindern kann, ist Hillary Clinton. Sie macht vieles richtig, sie hat das mit ihrer starken Parteitagsrede in Philadelphia wieder bewiesen. Sie wäre mit ihrer Erfahrung ganz klar die bessere Präsidentin, sie hat eine moderne Agenda. Sie hat einen perfekten Parteitag inszeniert. Sie bietet ein klares Gegenmodell zu Trump: sozial, weltoffen, demokratisch. So hat Clinton gute Chancen, die erste Präsidentin der USA zu werden.

Aber was, wenn das alles am Ende womöglich doch nicht reicht? Was passiert, wenn Trump Präsident wird?

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Philadelphia: Clintons Abschlussparty

Es gibt natürlich das "Doomsday-Szenario". Trump, so lautet eine Prognose, würde auf der halben Welt Konflikte und Kriege anzetteln und in den USA eine Art Autokratie à la Wladimir Putin errichten. Nun, es könnte so kommen. Sehr wahrscheinlich ist das aber nicht.

Realistischer wäre wohl eher das Blockade-Szenario: Trump wäre schlicht ein Präsident des politischen Stillstands. Er würde sich mit allen anlegen, das Land und die Welt weiter spalten, nichts voranbringen. Amerika und wir alle würden vier kostbare Jahre verlieren, drängende Probleme blieben ungelöst. Das macht Trump gefährlich. Denn die Welt kann sich keinen Stillstand leisten.

Trump verspricht "Overnight Solutions", wie das die Amerikaner nennen, über Nacht ersonnene Lösungen. Aber die gibt es nicht. Schon gar nicht in einer vernetzten, hochkomplexen Welt. Der Klimawandel, die Probleme der Globalisierung, der Kampf zwischen Arm und Reich, der Rassismus in den USA, das sind gigantische Themen, die verschwinden nicht einfach, nur weil Donald Trump es will. Darauf hat auch Barack Obama in Philadelphia völlig zu Recht hingewiesen. Er muss es wissen.

Polit-Profis würden den Amateur auflaufen lassen

Ein US-Präsident ist mächtig, aber eben nicht allmächtig. Eine Wahl gewinnen ist eine Sache, erfolgreich regieren etwas völlig anderes. Der politische Amateur Trump würde im Regierungsalltag national wie international auf eine Phalanx von hartgesottenen politischen Profis treffen, die sich im Gegensatz zu seinen Wählern von ein paar starken Sprüchen und Drohungen nicht beeindrucken lassen. Sie drohen einfach zurück und lassen ihn genussvoll auflaufen.

Trump will mit den Chinesen neue Handelsabkommen besprechen? Er will, dass die Nato-Partner mehr Geld für das Militär ausgeben? Er will mit einer Koalition ruckzuck den IS zerschlagen? Er will, dass Mexiko für eine Mauer zu den USA bezahlt? Da kann man nur sagen: Viel Spaß.

In der US-Innenpolitik ist es dasselbe: Der Kongress, der Oberste Gerichtshof, das sind alles sehr starke, selbstbewusste Institutionen, auf die er nur begrenzten Einfluss hätte. Wenn Trump sich nicht grundlegend wandelt und mehr auf seine Gegner zugeht, würde er seine politische Agenda gar nicht oder nur im Schneckentempo voranbringen. Wenn er meint, er könne sich über das Gesetz hinwegsetzen, würde ihm "impeachment" drohen, die Amtsenthebung. Eine Diktatur würde Trump nicht errichten, dafür ist die Demokratie in den USA zu stark - und dafür hat dieser Mann zu viele Gegner.

Will Amerika das?

So dürften Trumps große Versprechungen wie etwa die Abschiebung von zehn Millionen illegaler Migranten schon bald im Gestrüpp von Senatsanhörungen und langwierigen Rechtsstreitigkeiten hängen bleiben. Die amerikanische Politik wäre - wie jetzt der Wahlkampf - nur noch eine endlose Fortsetzung von gegenseitigen Schuldzuweisungen, Anfeindungen und vergifteten Twitter-Botschaften. Trumps Nachfolger oder Nachfolgerin dürfte dann das von ihm angerichtete Chaos aufräumen.

Will Amerika das wirklich? Natürlich muss sich jeder vernünftige Mensch wünschen, dass Hillary Clinton am 8. November die Wahl gewinnt. Es ist, wie es der Unternehmer Michael Bloomberg in Philadelphia so überzeugend sagte, ein "Imperativ".

insgesamt 342 Beiträge
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ficino 29.07.2016
1. Die Einzigen,
sehr geehrter Herr Nelles, die Donald Trump jetzt noch verhindern können, sind die Wählerinnen und Wähler! Schon vergessen?
pefete 29.07.2016
2. Ich habe
nicht die Nase von Trump voll, sondern von dem ganzen Kasperltheater, dass um beide, Trump und Clinton, gemacht wird. Zumal ich nicht wählen darf.
Rahvin 29.07.2016
3. Imperativ...
Ob dem so ist, darf man doch anzweifeln. Hier hat man höchstens die Wahl zwischen Pest und Cholera. Trump mag der Präsident des Stillstands sein. Hillary wird die Präsidentin einer an allen Ecken und Enden entzündeten Welt werden. Sie mag auf diplomatischem Parkett bewandert sein. Aber sie unterstützt die Idee einer militärischen Vormachtstellung aktiv, vernetzt das Bankensystem immer stärker mit dem Staatshaushalt - sie gehört zum Establishment. Es mag sein, dass sie die bessere Kandidatin ist, d.h. aber längst nicht, dass sie als Präsidentin taugt. Wir Europäer werden uns bestimmt wie bei Obama noch sehr wundern: Große Hoffnungen haben, um dann enttäuscht zu werden. Big style.
bruno_67 29.07.2016
4.
"...Es gibt natürlich das "Doomsday-Szenario". Trump, so lautet eine Prognose, würde auf der halben Welt Konflikte und Kriege anzetteln..." Wirklich ? Die Gefahr sehe ich eher bei Hillary. Die hat im Nahen Osten schon ihre Blutspur hinterlassen, gießt in der Ukraine Öl ins Feuer und hätte ohne Obamas Besonnenheit die USA noch in einem Bodenkrieg in Syrien geführt. Dagegen hört sich Trump eher moderatr an. Der will sogaer mit Putin wieder reden. Für Herrn Nelles wahrscheinlich undenkbar, denn "ceterum censeo Carthaginem esse delenda"
ls-rio 29.07.2016
5. Was ist denn das fuer eine irre Logik?
Trump ist gefaehrlich fuer das Land, weil seine Gegner, die die Wahl verloren haben, einen Stillstand der Politik herbeifuehren werden. Und deshalb ist Hillary die bessere Wahl. Ganz schoen krause und gruselige Logik
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