Donald Trumps rassistische Hetze Wahlkampf der Dumpfbacken

Donald Trump lässt nicht locker: Der US-Immobilienhai würzt seine Präsidentschaftskandidatur mit immer neuen Tiraden gegen Latinos. Das spricht die Basis an - vergrätzt den Republikanern jedoch ihre wichtigsten Wähler.
Donald Trump im Wahlkampf: Rassistische Tiraden

Donald Trump im Wahlkampf: Rassistische Tiraden

Foto: DOMINICK REUTER/ REUTERS

Das kalifornische Weingut Jordan ist bekannt für seinen Cabernet Sauvignon "im Stil der alten Welt". John Jordan, Erbe der Privatkellerei im Alexander Valley, ist allerdings noch für etwas anderes als seinen Wein bekannt: Der 43-jährige Multimillionär ist einer der aktivsten Geldgeber der US-Republikaner. Allein letztes Jahr spendete er ihnen mehr als 2,3 Millionen Dollar. Zudem besuchten ihn schon viele Top-Kandidaten in seinen Weinbergen, darunter John Boehner, Mitch McConnell und Rick Perry.

Dieser Tage aber ist Jordan gar nicht so angetan von seiner Partei. Besser gesagt: von einem der 14 republikanischen Bewerber, die sich bisher in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 gestürzt haben. Falls dieser Herr an der ersten TV-Debatte im August teilnehme, sagte er der Agentur AP, sollten die anderen sie boykottieren. "Das wünsche ich mir sehr als jemand, dem die Republikanische Partei am Herzen liegt."

Besagter Herr ist Donald Trump, New Yorker Milliardär und Unternehmer, der im Mai in den Wahlkampf einstieg. Seine Antrittsrede war spektakulär missraten, überschattet von einer rassistischen Tirade gegen Einwanderer aus Mexiko: "Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute."

Im Video: Donald Trump über Einwanderer aus Mexiko

Jeder halbwegs vernünftiger Kandidat hätte sich längst entschuldigt und von einem Ausrutscher gesprochen. Doch bei Trump war das kein Ausrutscher. Er meint es ernst - und hat inzwischen sogar noch mehrfach nachgelegt.

Trumps rassistische Tiraden vergrätzen die Latinos

Am Anfang fand mancher Amerikaner die Ausfälle noch amüsant. Rüde, reuelos, realitätsentrückt - Trump spielte Trump, wie man ihn aus seiner NBC-Reality-Show "The Apprentice" kennt. Selbst als sich zuletzt ein Konzern nach dem anderen von ihm lossagte, nahm er kein Wort zurück.

Doch jetzt wird's ernst: Je tiefer sich Trump in sein rassistisches Loch gräbt, umso größer wird die Panik bei den Republikanern. Obwohl der Multimilliardär keine ernsthaften Chancen hat, liegt er zurzeit mit zwölf Prozent auf Platz zwei der Umfragen, hinter Präsidentensohn und -Bruder Jeb Bush (17 Prozent) und weit vor allen anderen. Trump hat damit faktisch das Anrecht, am ersten TV-Gefecht teilzunehmen. Auch wenn er den Republikanern die wichtigste Wählergruppe vergrätzt - die Latinos.

Fast jeder seiner Konkurrenten geht auf Distanz zu Trump. Vor allem Bush, dessen Gattin Columba - eine gebürtige Mexikanerin - Trump am Wochenende via Twitter beleidigte: "Jeb Bush muss mexikanische Illegale ja mögen, wegen seiner Frau." Nur Rechtsaußen Ted Cruz fand Verständnis für "The Donald": "Er sagt die Wahrheit."

Trumps Ausbrüche offenbaren den Unterbauch des konservativen Lagers. Seit der demografische Wandel in den USA die Weißen unausweichlich in die Minderheit drängt, wehren die sich mit immer wilderen Klischees von kriminellen, drogensüchtigen, vergewaltigenden Angehörigen anderer Rassen - pure Hetzreden, die durch alle Statistiken widerlegt werden.

Abstoßend - und scheinheilig

Trump stört sich wenig an der Realität. Einmal belehrte ihn CNN-Moderator Don Lemon, dass er die Zahlen verkehrt lese: 80 Prozent der Einwanderer, die durch Mexiko in die USA kommen, seien Opfer von Vergewaltigungen, nicht Täter. "Irgendjemand ist da am Vergewaltigen, Don", antwortete Trump ungerührt.

Die Liste der Trump-Geschäftspartner, die das Weite suchen, wird unterdessen immer länger. Von Konzernen (Macy's) über TV-Sender (NBC, ESPN, Univision) und Sport-Events (Nascar-Autorennen, PGA-Golf) bis zu Prominenten, die am Sonntag in der nächsten Miss-USA-Schönheitskonkurrenz, die Trump gehört, auftreten sollten - etwa die Moderatoren Thomas Roberts und Cheryl Burke und Rapper Flo Rida.

Selbst New York will seine Trump-Connections jetzt auflösen - obwohl er ein regelrechtes Wahrzeichen der Stadt ist. "Wir prüfen Trumps Verträge", sagte Bürgermeister Bill de Blasio: Seine Bemerkungen seien "abstoßend".

Scheinheilig ist Trump obendrein. Um das festzustellen, reicht ein Besuch bei Trumps neuestem Projekt, dem Umbau eines früheren Postgebäudes in Washington zum Luxushotel. Dort recherchierte die "Washington Post" - und fand heraus, dass die meisten Bauarbeiter illegale Einwanderer aus Mexiko waren.

Video-Überblick: Das sind die Bewerber für die nächste US-Wahl

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