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US-Republikaner Zahl der Trump-Kritiker wächst. Und wächst.

Sie warnen, sie empören sich, sie wenden sich ab: Der Widerstand führender US-Republikaner gegen ihren Präsidentschaftskandidaten Donald Trump wird immer größer. Er selbst gibt sich betont gelassen.

Zuletzt war es sogar sein eigener Vize, der auf Distanz zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ging: Mike Pence kündigte an, seinen Parteikollegen und "langjährigen Freund" Paul Ryan in dessen Wahlkampf in Wisconsin zu unterstützen - selbiges hatte Trump einen Tag zuvor verweigert.

Pence sagte zwar auch, der Schritt sei mit Trump abgesprochen gewesen, dieser habe ihn sogar sehr ermutigt. Zudem schob er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado noch hinterher, Trump sei nicht aufzuhalten. Doch das Signal ist deutlich. Die Politiker, die eigentlich gemeinsam gegen die US-Demokraten vorgehen sollten, sind zusehends in interne Streitereien verwickelt.

Trump war schon seit Beginn seiner Kampagne nicht der Kandidat, hinter dem sich alle Republikaner geschlossen versammelten. Die jüngste Welle der Kritik löste Trump nun aus, indem er mehrfach die Eltern eines gefallenen US-Soldaten beleidigte (mehr zur Affäre Khan lesen Sie hier). Hinzu kam dann noch seine Weigerung, die Parteikollegen Ryan und John McCain in deren anstehenden Wahlkämpfen offiziell zu unterstützen - es war Trumps Versuch einer Retourkutsche.

Inzwischen habe die Situation eine neue Eskalationsstufe erreicht, zitiert die "Washington Post " den US-Politikexperten Scott Reed. "Es ist Zeit für einen gründlichen Neustart." Ein Überblick über die jüngsten Reaktionen aus dem Lager der Republikaner:

  • Parteichef Reince Priebus - ein enger Vertrauert Ryans - ließ erklären, er sei "außerordentlich empört" über Trumps beispielloses Verhalten gegenüber Ryan.
  • Newt Gingrich, Schwergewicht der Partei, appellierte eindringlich an Trump, sein Auftreten zu ändern. "Er hat noch nicht den Übergang zum potenziellen Präsidenten der Vereinigten Staaten geschafft", sagte Gingrich am Mittwoch dem Sender Fox Business Network. "Seine Äußerungen der vergangenen Woche lassen nichts Gutes für seine Kampagne ahnen."
    Gingrich warf Trump vor, mit fahrlässigen Provokationen die Wähler der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zuzutreiben: "Trump hilft ihr, die Wahl zu gewinnen, weil er noch inakzeptabler ist als sie."
  • Der Abgeordnete Adam Kinzinger, ein Luftwaffenveteran, sagte im Sender CNN, Trump habe "zu viele rote Linien überschritten". Er werde den Kandidaten nicht länger unterstützen - "egal, welchen politischen Preis ich dafür zahlen muss".
  • Schon am Dienstag hatte die Republikanerin und Chefin des IT-Konzerns Hewlett Packard, Meg Whitman, angekündigt, dass sie Clinton unterstützen werde. Der Rechtspopulist Trump sei ein "unehrlicher Demagoge", der das Land "auf einen sehr gefährlichen Weg führen würde", begründete sie ihre Entscheidung in der "New York Times ".

Wie Trump die Sache sieht

Und Trump selbst? Der zeigt sich von den innerparteilichen Turbulenzen unbeeindruckt. Es sei alles prima, seine Wahlkampagne für das Präsidentenamt sei noch nie so geeint gewesen wie jetzt, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida und verbreitete die Aussage noch einmal über seinen Twitteraccount.

Wie die "New York Times " berichtet, läuft es für Trump zumindest in Sachen Spendeneinnahmen recht gut: Er und die Republikaner konnten demnach im Juli 82 Millionen Dollar einnehmen. Dabei soll es sich nach Angaben von Trumps Wahlkampfteam vor allem um Kleinspenden gehandelt haben. Laut der Zeitung lagen die Spendeneinnahmen im Team Clinton bei 90 Millionen Dollar. Das sind allerdings erst die vorläufigen Zahlen aus beiden Lagern. Die offiziellen werden noch in diesem Monat erwartet.

aar/AP/AFP