Trump in Frankreich Charme-Alarm in Paris

Donald Trump als Ehrengast zum Nationalfeiertag: Mit der Geste schmeichelt Emmanuel Macron dem US-Präsidenten und will sich als Anführer Europas profilieren. Linke Aktivisten mobilisieren gegen den Besuch.

Macron und Trump beim G20-Gipfel in Hamburg
KOPATSCH/ EPA/ REX/ Shutterstock

Macron und Trump beim G20-Gipfel in Hamburg

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Das Restaurant "Jules Vernes" gehört zu den Spitzenadressen der Pariser Luxus-Gastronomie, ist aber vor allem wegen seiner Lage beeindruckend. Hier, in der zweiten Etage des Eiffelturms, mit einem atemberaubenden Blick über die französische Hauptstadt, treffen sich am Donnerstagabend Donald Trump und Emmanuel Macron zu einem "privaten Dinner" - nur in Begleitung ihrer Ehefrauen.

Hauptzweck der galanten Einladung: Nach dem ersten Handshake im Mai will Gastgeber Macron den Amerikaner anlässlich seines ersten Besuchs in Paris von der "Attraktivität Frankreichs" überzeugen. Selbst das Damenprogramm von Brigitte Macron und Melania Trump - Besuch der Kathedrale Notre Dame und eine gemeinsame Bootsfahrt - dient, laut Élysée, demselben Ziel: Die "Stadt der Lichter" soll sich von ihrer besten Seite zeigen.

Keine leichte Aufgabe: Über kaum einen anderen Ort hat Trump so hergezogen wie über Paris. Noch vor einem Jahr beschrieb er Frankreichs Hauptstadt als vom Terror verwüstete "Metropole der Angst", eine Stadt "so außer Kontrolle, so gefährlich." Und nach dem Rückzug der USA aus dem Klimaabkommen beschrieb er sich mokant als Vertreter von "Pittsburgh, nicht Paris".

Einladung eine "kalkulierte Geste"

Macron, der sich nach dem gezielten Affront mit dem Hinweis revanchierte "Macht das Weltklima wieder groß", hat den sperrigen Amtskollegen dennoch als Ehrengast zum Nationalfeiertag am 14. Juli nach Paris geladen - ein Besuch unter höchster Sicherheitsstufe, angesichts des fortdauernden Ausnahmezustands und nur ein Jahr nach der Terrorattacke von Nizza, bei der mehr als 80 Menschen getötet wurden.

Trumps Visite verärgert vor allem die linke Opposition und verbittert Umweltschützer. Für Jean-Luc Mélenchon, Führer der Bewegung "La France Insoumise" (Die Aufsässigen Frankeichs), ist der US-Gast daher "nicht willkommen". Selbst Umweltminister Nicolas Hulot zögert noch, ob er dem US-Präsidenten die Hand schütteln will.

Frankreichs Präsident setzt mit der Einladung zum Nationalfeiertag, einer "kalkulierten Geste", so "Le Monde", auf die Überzeugungskraft seiner Charmeoffensive - zumal sich ein historischer Anlass bietet: Die Festivitäten stehen in diesem Jahr ganz im Gedenken an den Einsatz der alliierten US-Truppen während des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren.

Novizen auf internationalem Parkett

Der Jubiläumstermin nützt beiden Novizen auf internationalem Parkett. Macron, der Ende Mai Präsident Wladimir Putin in Versailles empfing, profiliert sich nun auch auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten und Vorkämpfer europäischer Interessen. Trump, daheim zunehmend unter Druck durch die Russland-Verbindungen während seines Wahlkampfs, kann in der monarchischen Kulisse als geachteter Staatenlenker glänzen.

Das Weiße Haus sieht daher den Besuch als Beweis dauerhafter Solidarität: "Es geht darum, die soliden, freundschaftlichen Bindungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten zu bekräftigen." Der Élysée spricht von einem engen Verhältnis zu einem "befreundeten und alliierten Staat" - und mobilisiert dazu die ganze Pracht der V. Republik.

Nur eine Stunde für politische Diskussionen

Dazu gehört der Empfang am Invalidendom mit militärischem Pomp, die persönliche Führung von Emmanuel Macron durch das Militärmuseum sowie ein Besuch an Napoleons Ehrengrab. Den glanzvollen Höhepunkt des Trump-Besuches bildet jedoch die Teilnahme am traditionellen Defilee auf den Champs-Élysées, zumal auch US-Truppen und Kampfflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe an der Militärparade teilnehmen.

Für politische Diskussionen ist während des zweitägigen Besuchs nur eine gute Stunde angesetzt: Im Minutentakt müssen die beiden Präsidenten die gesamte diplomatische Krisenagenda abarbeiten - Syrien, Nahost, Anti-Terror-Kampf, nebst einem Resümee zum G20-Gipfel in Hamburg. Vielleicht bleibt gar noch Zeit für das kontroverse Klimasujet, aber bestenfalls "am Rande", so die Verlautbarung aus dem Weißen Haus.

Umso wichtiger, neben den symbolischen Pflichtterminen, ist daher das intime Tête-à-Tête von Macron und Trump im Eiffelturm: Der locker-joviale Austausch zum Gourmet-Menu von Star-Küchenchef Alain Ducasse soll endlich eine persönliche Chemie schaffen, die Kontroversen und Widersprüchen den bitter-scharfen Beigeschmack nimmt.

"Nicht nachlassen beim Kampf gegen Trump!"

Die angestrebte Herzlichkeit an der Staatsspitze wird von Macrons Landsleuten freilich nicht geteilt. Laut einer jüngsten Umfrage des "Pew Reseach Center" haben nur 14 Prozent der Franzosen Vertrauen in Trumps Management der globalen Probleme - bei Barack Obama waren es 84 Prozent.

Zum Besuch des US-Präsidenten wollen Aktivisten von "Paris gegen Trump" daher auf dem Platz der Republik demonstrieren: "Wir sind gegen seine Haltung zur Klimakrise, seine Politik gegen Migranten, seine sexistischen Reden, seine Islamophobie und seine rassistischen Bemerkungen", so ein Facebook-Statement.

Und wenn Trump zusammen mit Macron am Nationalfeiertag die französisch-amerikanische Parade auf den Champs-Élysées abnimmt, wird sich auch von der Place de Clichy ein Marsch "mit einem amerikanischen Kontingent" in Bewegung setzen. Motto: "Nicht nachlassen beim Kampf gegen Trump!"

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
aa_mode 13.07.2017
1.
Schade, ist Macron also auch nur ein Politiker, der sich aus Eigennutz nicht zu schade dafür ist sich an Menschen wie DT zu bedienen. Ich wünsche mir, dass die Franzosen dafür sorgen, dass es ein Eigentor wird. Macron ist ja noch jung und kann noch viel lernen...
Thilo_Knows 13.07.2017
2. Aktivisten?
Losgelöst vom leidigen Thema Trump: Wer tritt da jetzt zur Demo an? Beim Begriff "Aktivisten" bekomme ich nämlich so langsam Anfälle. Wurde und wird er doch von der Presse immer gerne verwendet, wenn es um linke Chaoten, Rechtsbrecher und Brandstifter geht und ging. Siehe G20. Da setzte sich die Einsicht auch nur Häppchenweise durch, dass die Bezeichnung "Aktivisten" eine Verniedlichung von Leuten ist, die Polizei angreifen und/oder behindern, Straßen und Schienen blockieren und/oder gerne auch mal privates und öffentliches Eigentum zerstören.
dirk.resuehr 13.07.2017
3. Sage mir, mit wem du umgehst,...
so weit, so bekannt J.W. Goethe. Das ist nicht gerade geschickt,aber woher soll ein Franzose auch die Feinheiten dt, Sprache kennen? So den Unterschied zwischen "gesandt" und "geschickt".Na ja, sind beide neu,und einer ist davon garantiert nicht gebildet. Bin gespannt über den "Deal".
seine-et-marnais 13.07.2017
4. Kommunikationspolitik
There's no business like showbusiness, Tennis im Rollstuhl, Boxen, Abseilen à la James Bond in ein U-Boot, einen Bussi für Angela und jetzt eben die Trump-Show. Macron bietet was für's Geld. Genug herumgeschwänzelt um Trump ist Macron ja, und das bei jeder Gelegenheit. Macron will mit den Muskeln spielen, bei den Grossen mitmischen, Trump braucht etwas Glitter, und da er in London und Berlin nicht willkommen ist, haben sich die zwei Richtigen gefunden. Die grosse Show haben beide gespielt, mit Händequetschen, Macrons 'Make the planete great again', dem hochstilisieren der 'Empörungspolitik' durch Macron; dabei waren sich die beiden doch schon einig über den Paris-Ausflug. Das, plus GI's auf den Champs und die Air Force in der Luft organisiert sich eben nicht in acht Tagen, war also zu diesem Zeitpunkt beschlossen. Wer so viel Show inszeniert hat es nötig, das gilt für Trump und für Macron. PS: Einladungen zum 14. Juli sind so eine Sache, Assad war das 2008 auch, damals von Sarkozy. Sarkozy brauchte ihn für seine 'Mittelmeerunion' (wie auch Mubarak, Ghadaffi und Ben Ali), geplant als Gegengewicht zu Merkels Ostseeanrainern. Das hat Sarkozy aber nicht abgehalten Frankreich in das Libyen- und Syriendesaster zu führen.
ChrsMuc 13.07.2017
5. Charme
Nur weil sich der US-Präsident so erbärmlich leicht charmieren lässt, heißt das nicht, dass man es auch tun sollte. Auch politischer Pragmatismus muss seine Grenzen haben.
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