US-Präsident auf der koreanischen Halbinsel Trump will Speed-Date mit Diktator Kim

Donald Trump ist nach Südkorea gereist. Der US-Präsident kokettierte im Vorfeld damit, Nordkoreas Machthaber Kim an der Grenze treffen zu wollen. Das wäre eine Sensation - würde die Probleme aber nicht lösen.
Südkoreanische Protestdemonstration gegen den Besuch von US-Präsident Trump in Seoul

Südkoreanische Protestdemonstration gegen den Besuch von US-Präsident Trump in Seoul

Foto: Ahn Young-joon/ AP

Manche Menschen denken nach dem Aufstehen an Kaffee. US-Präsident Donald Trump dachte am Samstagmorgen offenbar an Kim Jong Un, den jungen nordkoreanischen Diktator.

Um 7:51 Uhr schrieb Trump auf Twitter, dass er im Anschluss an den G20-Gipfel von Japan nach Südkorea fliegen werde. Dort ist er mittlerweile angekommen. Vor Ort, würde er gerne Nordkoreas Machthaber an der Grenze treffen, schrieb Trump, "nur um seine Hand zu schütteln und Hallo(?)! zu sagen".

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Bislang war für Trumps Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul nur ein Treffen mit Präsident Moon Jae In angesetzt. Moon hat in der Vergangenheit zwischen den USA und Nordkorea vermittelt. "Haben Sie meinen Tweet gesehen?", fragte Trump, als er Moon am Rande des G20-Gipfels begegnete. Als dieser bejahte, ermunterte Trump ihn: "Lassen Sie es uns versuchen."

Trump kann sich Besuch auf nordkoreanischem Territorium vorstellen

Auf seiner Pressekonferenz in Osaka später stellte Trump klar, dass er Kim nur für einen Handschlag und nicht für einen Gipfel treffen wolle. Und, "klar", er würde auch nordkoreanischen Boden betreten. Der US-Präsident brüstet sich immer wieder damit, Dinge zu tun, die sich seine Vorgänger nicht gewagt hätten. Ein solches Treffen würde seine Liste ergänzen.

So spontan Trumps Einfall erscheint, so intensiv wurde in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul in den vergangenen Wochen über ein mögliches Treffen der beiden spekuliert. Der amerikanische Sondergesandte Stephen Biegun ist seit Donnerstag in Seoul, außerdem werden wohl John Bolton, Trumps Nationaler Sicherheitsberater, und US-Außenminister Mike Pompeo den Präsidenten begleiten.

Viele Experten halten ein erneutes Treffen zwischen Trump und Kim dennoch für unwahrscheinlich. Der Grund: Die Konfliktparteien liegen inhaltlich weit auseinander bei den Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm.

Nordkorea reagiert positiv auf Trumps Vorschlag

Indem Trump vorgibt, Kim lediglich kurz treffen zu wollen, "nur zwei Minuten", dämpft er die Erwartungen im Vorfeld. Es geht somit nicht um konkrete Beschlüsse. Das Treffen wäre eine Geste des guten Willens. Das Regime in Pjöngjang reagierte dennoch positiv auf die Einladung: Vize-Außenministerin Choe Son Hui sprach von einem "sehr interessanten Vorschlag".

Erst seit Juni scheinen überhaupt wieder neue Gespräche möglich. Kim und Trump tauschten Briefe aus, die der Amerikaner als "schön" und "warmherzig" bezeichnete, während der Nordkoreaner den "exzellenten Inhalt" lobte.

Seit Ende Februar, seit dem gescheiterten Korea-Gipfel in Vietnam, hatte eine Schockstarre geherrscht. Die USA forderten damals eine "vollständige und verifizierbare Denuklearisierung". Im Gegenzug bot das Weiße Haus die Lockerung von Sanktionen an. Diese hindern das nordkoreanische Regime empfindlich am wirtschaftlichen Wachstum. Was Kim allerdings an Abrüstung bot, war Trump zu wenig. Der "Deal" platzte.

"Keiner glaubt an einen endgültigen Frieden"

Trotz aller neuerlichen Schmeicheleien der unterschiedlichen Brieffreunde ist allerdings immer noch nicht klar, wie genau es nun weitergehen soll.

  • Zwar betont der US-Sondergesandte Biegun, die USA seien für weitergehende Gespräche offen.
  • Und Südkorea versichert immer wieder, Nordkorea sei zu einer vollständigen Abrüstung bereit.
  • Die meisten Experten gehen davon aus, dass Pjöngjang aber kein wirkliches Interesse daran hat. Einige sehen die Äußerung von Moon eher als Schritt, um den Dialog am Leben zu erhalten.

Nordkorea vermittele bislang nicht den Eindruck, dass es auf die von den USA in Hanoi gestellten Forderungen eingehen werde, sagt Woo Jung-Yeop vom südkoreanischen Think Tank Sejong Institute. Er beschreibt die Situation als einen "fragilen Frieden". Zwar gebe es keine starken Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, "allerdings glaubt keiner", so der Experte, "dass wir auf einen endgültigen Frieden zusteuern."

"Es braucht viel Koordination und Arbeit"

Umso wichtiger wird es nun sein, auf Arbeitsebene die Positionen abzutasten. "Um bei der atomaren Abrüstung zu einem guten Ergebnis zu gelangen, braucht es viel Koordination und Arbeit von einem Expertenteam", sagte der führende Nordkorea-Experte Andrei Lankov bereits vor Monaten im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

"Als die Sowjetunion und die USA verhandelten, gab es große Teams, die technische Details jahrelang ausarbeiteten, um diese letztlich den Entscheidern an oberster Stelle vorzulegen." Doch nicht wenige Experten glauben, dass weder die Unterhändler Nordkoreas noch die der USA nun wirklich das volle Vertrauen ihrer Chefs haben.

Einige Mitglieder der Hanoi-Delegation sollen von Kim Jong Un mit Arbeitslagerhaft bestraft worden sein, wobei dieser Bericht einer südkoreanischen Zeitung nicht verifizierbar ist. Ein angeblich exekutierter Diplomat ist laut Quellen des US-Fernsehsenders CNN am Leben.

Moon dürfte auf den Handschlag zwischen Kim und Trump hoffen

Südkorea findet sich derweil in einer zunehmend schwierigen Lage wieder. Denn nur wenn die Sanktionen mit Zustimmung der USA gelockert werden, können geplante wirtschaftliche Projekte im Norden vorankommen. Dort drängt man auf ebendiesen Schritt - und zeigt sich Moon gegenüber zunehmend kühl.

Auch der südkoreanische Präsident würde daher von dem "Handshake" zwischen Trump und Kim profitieren. Eine solche Geste würde auch ihm nach Monaten des Stillstands und wachsender Skepsis an seinem Friedenskurs wieder positive Schlagzeilen bescheren.

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