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Trumps Rede zur Außenpolitik So! Oder so! Oder anders!

Wie sähe die Welt mit einem US-Präsidenten Donald Trump aus? Der Republikaner will bei einem Auftritt in der Hauptstadt seine Außenpolitik skizzieren. Es ist nicht ganz leicht, ihm zu folgen.

Washington DC, kurz nach halb eins, das Mayflower-Hotel in Downtown: Donald Trump betritt die Bühne des Ballsaals. Hinter ihm stehen vier US-Flaggen, vor ihm ein Rednerpult und zwei Teleprompter. Das Publikum wurde von seinen Leuten ausgewählt, die großen Fernsehsender übertragen. Der Milliardär spielt schon mal Präsident.

Trump hat sich für seinen Auftritt einen guten Zeitpunkt herausgesucht. Gerade erst hat er in fünf Vorwahlstaaten seine Rivalen gedemütigt, nun, unter dem immer weiter wachsenden Interesse an ihm, will der 69-Jährige etwas machen, worin er wenig Übung hat: Er hält eine Grundsatzrede - zur Außenpolitik. Trump schaltet auf seriös.

Oder?

Man kann nicht wirklich sagen, dass das, was in den rund 40 Minuten folgt, ein kohärenter Plan wäre, wie Amerikas Rolle in der Welt unter einem Präsident Donald Trump aussähe. Das ist eigentlich schade. Der Milliardär steht kurz vor der Präsidentschaftskandidatur und man wüsste wirklich gerne, wie genau er sich das vorstellt mit der Außenpolitik. Ob er eine Chance auf Frieden in Nahost sieht. Wie er zum transatlantischen Verhältnis steht. Was sein Plan ist, um den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. Solche Dinge. Aber es ist fast unmöglich, Details herauszuhören oder wenigstens so etwas wie einen roten Faden zu finden, der seine Rede durchzieht.

Fast unmöglich, wie gesagt.

Obama kommt durchgängig schlecht weg in der Rede Trumps. Aus Sicht des Republikaners war die Außenpolitik des Präsidenten schlecht. Sehr schlecht. Historisch schlecht. Er hat alles falsch gemacht. Zu früh aus dem Irak abgezogen. Zu spät über die Folgen der Libyen-Intervention nachgedacht. Mit Iranern gekuschelt. Israel vernachlässigt. "Die Außenpolitik Obamas ist ein komplettes Desaster", sagt Trump. Es gibt ein paar Klatscher.

Amerika zuerst - auch das ist ein Motiv, das an einigen Stellen der Rede wiederkehrt. Trump ist das sehr wichtig, seine ganze Kampagne ist darauf aufgebaut, das Land wieder "großartig" zu machen und in der Außenpolitik, so sagt er, werde er sämtliche Ansätze unter den Vorbehalt stellen, ob sie den USA nützten oder nicht. "Ich werde der größte Verteidiger Amerikas sein", sagt Trump. Hauptsache, wir zeigen Stärke, dann wird schon alles. Das ist Trumps nationalistisches Kalkül.

Widerspruch reiht sich an Widerspruch

Der Rest der Rede ist sehr, sehr fahrig. Trump wirft Obama vor, alte Verbündete verprellt zu haben und droht dann damit, die Nato-Partner der USA zu einem stärkeren finanziellen Engagement zu zwingen. Er sagt, er wolle "raus aus dem Business", anderen Staaten die Demokratie beizubringen, um ein paar Sätze später zu betonen, wie wichtig es sei, in der Welt "für die Erfolge der westlichen Zivilisation" zu werben. Er meint, Amerika müsse wieder "unberechenbarer" werden, aber verspricht den Freunden der USA, künftig wieder ein verlässlicher Partner zu sein.

Trump will das Verhältnis zu den Chinesen verbessern, aber auch einen Handelskrieg mit ihnen anfangen. Er ist gegen Interventionismus, und wirft Obama vor, dabei zuzuschauen, wie der "Islamische Staat" Christen abschlachte. Er beklagt, die USA hätten "jahrzehntelang in das Militär investiert, um Europa und Asien zu verteidigen" und spricht wenig später von der Notwendigkeit, "das Militär neu aufzubauen".

Überhaupt ist das mit dem Militär bei Donald Trump so eine Sache. Er sagt: "Wenn Amerika kämpft, dann darf es das nur tun, wenn es auch siegt." Das ist an und für sich kein ganz uninteressanter Ansatz. Er ähnelt jenem von Ex-Außenminister Colin Powell. Krieg ist das letzte Mittel - aber wenn wir uns einmischen, dann richtig. So in etwa war dessen Doktrin.

Das Problem ist: Trumps sagt zwar, wie sehr er sich für "Frieden und Wohlstand" einsetzen würde und beschwert sich über "zu viele Waffen auf der Welt." Aber in vielen Punkten spricht er so militaristisch, dass man Schwierigkeiten hat, zu glauben, er würde Amerikas Truppen ausnahmslos sinnvoll einsetzen, geschweige denn das eigene Arsenal reduzieren. Neue Schiffe, neue Bomber, neue Nuklearwaffen. Das ist Trumps Plan zur Abschreckung. "Unsere militärische Dominanz", sagt der Kandidat, "darf künftig von niemandem infrage gestellt werden."

Zu Europa sagt Trump übrigens nicht viel. Aber wir sind dann vielleicht nächstes Mal dran. Es soll, so ist zu hören, nicht die letzte außenpolitische Rede des Kandidaten gewesen sein. Dann gibt es sicher auch konkretere Pläne.

Hier sehen Sie eine Videoanalyse zum Cruz-Kasich-Deal:

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