Trumps Kabinett Mit Mitt oder ohne Mitt?

Wird er's? Oder wird er's nicht? Die Frage, ob Donald Trump seinen Erzfeind Mitt Romney als Außenminister ins Kabinett holt, elektrisiert die USA. Die Besetzung des Top-Postens wird für Trump zur Belastung.
Mitt Romney

Mitt Romney

Foto: Rogelio V. Solis/ AP/dpa

Mitt Romney ist abgetaucht. Seit der Republikaner sich vor einigen Tagen mit Donald Trump in dessen Golfresort in Bedminster zum Vieraugengespräch traf, ist von ihm nichts zu sehen und nichts zu hören. Er habe sich, so heißt es, in sein Haus in Utah zurückgezogen und warte jetzt einfach mal ab.

Er selbst mag verschwunden sein, sein Name ist allgegenwärtig: Seit seinem Treffen mit Trump scheint nicht völlig ausgeschlossen, dass der Präsidentschaftskandidat von 2012 in die aktive Politik zurückkehrt, und zwar an besonders prominenter Stelle: Er gilt - neben New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani - als einer der Anwärter auf den Posten des US-Außenministers. Romney vertritt die Trump-Regierung in der Welt: Es ist ein Gedankenspiel, das die Republikaner elektrisiert.

Das liegt auch daran, dass niemand die harte Feindschaft im Wahlkampf der beiden vergessen hat. Als "Schwindler" und "Betrüger" hatte Romney den Milliardär in einer großen Rede im März bezeichnet, Trump revanchierte sich unter anderem mit dem Satz, Romney bewege sich "wie ein Pinguin". Die Auseinandersetzung wurde zwischenzeitlich so brutal geführt, dass es nicht leicht fällt, sich die beiden als Tandem auf der Weltbühne vorzustellen.

Ob es so weit kommt, ist völlig unklar. Aber allein die Spekulation über Romney hat zu einer heftigen Debatte im Lager des Wahlsiegers geführt. Die Hardliner befürchten, dass eine Ernennung Romneys für großes Entsetzen an der Basis sorgen würde, da er bei vielen Trump-Anhängern als oberster Vertreter der verhassten Parteielite gilt. Über die Medien versuchen Trumps Vertraute den Wahlsieger davon abzubringen, Romney wirklich zu ernennen.

"20 Leute, die besser passen"

Kellyanne Conway, eine der engsten Beraterinnen Trumps, sprach öffentlich über eine "Flut" an Warnungen vor Romney, die sie erhalten habe. Mike Huckabee, einer von Trumps Gegnern im Vorwahlkampf, geißelte eine mögliche Ernennung des Wahlverlierers von 2012 als "Beleidigung für all die Trump-Wähler, die so hart gearbeitet haben". Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher im Kongress, betonte, es gebe "20 andere Leute, die besser zu Trumps Weltsicht passen würden".

Der Sender "Fox News" berichtet, aus dem Team des gewählten Präsidenten sei inzwischen die Idee an Trump herangetragen worden, Romney nur im Falle einer öffentlichen Entschuldigung für seine Haltung im Wahlkampf ins Kabinett aufzunehmen. Er sehe, so sagt auch Huckabee, nur eine Möglichkeit dafür, Romney überhaupt in Betracht zu ziehen: "Er muss sich ein Mikrofon an einem sehr öffentlichen Platz greifen und alles, was er über Trump gesagt hat, zurücknehmen."

Niemand scheint zu wissen, in welche Richtung der Milliardär tendiert. Anfangs hieß es, Trump tendiere zu Giuliani, dem Ex-Bürgermeister von New York. Der aber hatte über seine Beratungsfirma so viele Kontakte zu fragwürdigen Regierungen, dass die Bestätigung im Senat ein Problem werden könnte. Mit der Einladung nach Bedminster schien Trump Romney ein Versöhnungsangebot gemacht zu haben. Kurz darauf aber spottete er in einem Treffen mit TV-Journalisten, der Ex-Gouverneur wolle den Job des Außenministers unbedingt. Und plötzlich wirkte Romney wie einer, der um einen Job bettle.

Das Problem bei Trump ist: Alles ist denkbar. Möglich ist, dass er Romney ernsthaft als Außenminister in Erwägung zieht. Möglich ist auch, dass sein Termin mit Romney nur ein Signal sein sollte, dass er auch für die alte Garde der Partei ein Ohr hat. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass er den Ex-Gouverneur niemals nehmen würde und einfach nur mal ein paar Tage leiden und hoffen lassen will. Das wäre, nun ja, ein echter Trump.

Nimmt Trump am Ende einen Dritten?

Aber auch aus Romneys Sicht ist die Sache nicht so einfach. Einerseits ist der Posten des Außenministers höchst attraktiv, das Amt wäre ein guter Abschluss seiner Karriere. Er würde Amerika in der Welt vertreten, die Wirtschaft wäre mal keine entscheidende Variable - vielleicht wäre es ein Weg, um sein Image des Raubtierkapitalisten endlich einmal abzulegen.

Andererseits wäre es eben kein normaler Außenministerposten. Mit Trump als Chef müsste sich Romney etlichen Fragen stellen. Wie soll er im Ausland einen Präsidenten vertreten, den er vor der Wahl als Gefahr für die Zukunft Amerikas bezeichnet hat? Wieviel Spielraum hätte er unter einem Oberbefehlshaber Donald Trump, der keinen Hehl aus seinen isolationistischen Plänen macht? Wieviel zählt sein Wort, wenn er fürchten muss, dass Trump tagtäglich seine ganz eigene Außenpolitik macht, indem er andere Staatschefs aus einer Laune heraus mal eben auf dem Handy anruft? Und wie sicher ist es, dass Trump sich in einem Streitfall im Kabinett oder mit anderen Staaten ausgerechnet auf seine Seite schlägt?

Angesichts der Debatte über Romney und die Geschäftsbeziehungen von Rudy Giuliani ins Ausland scheint auch eine andere Lösung denkbar: Trump nimmt einfach eine dritte Person. Namen kursieren bereits: General John F. Kelly, Ex-CIA-Chef David Petraeus und Bob Corker, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat. Die Entscheidung, so streut das Team von Trump, werde wohl noch ein paar Tage dauern.

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