Kurioses Schreiben an Erdogan Kreml zeigt sich über Tonfall des Trump-Briefs verwundert

Das Schreiben von US-Präsident Trump an seinen türkischen Amtskollegen entspricht nicht gerade dem diplomatischen Umgangston. Russland spricht nun von einem "ungewöhnlichen Brief".
Schreiben von Trump an Erdogan: "Seien Sie kein Narr!"

Schreiben von Trump an Erdogan: "Seien Sie kein Narr!"

Foto: The White House/Handout via REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat einen bemerkenswerten Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geschrieben. Bemerkenswert ist er vor allem, weil der Sprachstil stark an die Tweets des Präsidenten erinnert. Von den üblichen diplomatischen Tönen ist er weit entfernt. Das findet auch der Kreml verwunderlich.

"Man trifft nicht oft auf eine solche Sprache in Korrespondenzen zwischen Staatschefs. Es ist ein höchst ungewöhnlicher Brief", sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters.

Trump hatte der Türkei in dem Brief unverhohlen mit der Zerstörung der türkischen Wirtschaft gedroht. Zudem ermahnt Trump den türkischen Präsidenten, er wolle sicher nicht für den Tod Tausender Menschen verantwortlich sein. Die kurdische Seite sei zu Verhandlungen bereit, schrieb Trump demnach weiter. "Sie können ein großartiges Abkommen schließen." Erdogan könne auf positive Weise in die Geschichte eingehen, wenn er in dem Konflikt richtig und menschlich handele. Andernfalls werde er für immer als Teufel erinnert werden.

Brief ist auf Beginn der türkischen Militäroffensive datiert

Ungewöhnlich ist auch das Ende des Briefs: "Seien Sie kein harter Kerl. Seien Sie kein Narr!", appellierte Trump dort. "Ich werde Sie später anrufen", heißt es zum Abschluss.

Trump ist seit Tagen massiver Kritik - auch und gerade aus den Reihen der Republikaner - ausgesetzt, er habe mit dem Abzug amerikanischer Soldaten aus Nordsyrien überhaupt erst den Weg für Erdogans umstrittene Militäroffensive geebnet. Der Brief ist mit dem 9. Oktober datiert. Dem Tag also, an dem die türkische Militäroffensive begann.

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SPIEGEL ONLINE
höh/Reuters
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