Trumps Skandale Lauter leise Knaller

Selten hat ein US-Präsident so skandalbelastet sein Amt angetreten wie Donald Trump. Er entfacht täglich Wirbel, um davon abzulenken. Wie lange kommt er noch damit durch? Die brisantesten Themen im Überblick.

Donald Trump
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Donald Trump

Von , New York


"Ich liebe Chicago", sagte Donald Trump, "tolle Stadt." Nur all diese Morde, "ein schreckliches Gemetzel", "die Leute werden links und rechts erschossen". Dabei sei das Problem doch so einfach zu lösen. Und wenn Chicago das nicht alleine schaffe, werde er das eben selbst in die Hand nehmen müssen.

Es ist eine kurze und doch bezeichnende Passage: Übertreibung, Unwahrheit, Drohung sind Trumps bevorzugte Mittel. Auchin seinem ersten TV-Interview als US-Präsident, das er dem Sender ABC gab, griff er darauf zurück.

Trump wiederholte falsche, haltlose und gefährliche Behauptungen der vergangenen Tage: Das "größte Publikum aller Zeiten" habe seiner Vereidigung beigewohnt. Seine Wahl sei "einer der größten Siege überhaupt" gewesen, trotz millionenfachen Wahlbetrugs. Folter funktioniere - und sei ein probates Mittel im Kampf gegen den Terror.

Die fast schon alltäglichen Aufreger vernebeln den Blick auf die wahren Skandale der noch jungen Ära Trump. Und da gibt es einige. Die vier brisantesten Komplexe im Überblick.

1. Trumps Interessenkonflikte

Seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten sind seine Interessenkonflikte in den Hintergrund gerückt. Zwar ist er von allen Posten seines Konzernkonglomerats zurückgetreten und hat die Leitung an seine ältesten Söhne abgetreten. Trotzdem ist er bis heute der Besitzer.

Am Montag kam dann die erste Klage, eingereicht von der Watchdog-Gruppe Citizens for Responsibility and Ethics (Crew) bei einem New Yorker Bezirksgericht. In dem 37-seitigen Dokument berufen sich die Kläger auf eine Klausel der US-Verfassung, die es dem höchsten Amtsträger verbietet, Vergütungen aus dem Ausland anzunehmen. Trumps Konzern habe zahllose ausländische Investoren und operiere in mehr als 20 Ländern wie China, Taiwan, Indien, Saudi-Arabien, Indonesien, den Philippinen, der Türkei - und Russland. Die Kläger fordern die Offenlegung von Trumps Vermögensverhältnissen und Steuern.

2. Die Steuern

Auch andere wollen Trumps Steuererklärung veröffentlicht sehen. Denn sie könnte womöglich dubiose Quellen seines Reichtums zeigen. WikiLeaks forderte Insider auf, Dokumente doch bitte anonym an die Enthüllungsplattform weiterzureichen - um sie dann online zu veröffentlichen.

Anders als alle US-Präsidenten seit 1976 weigert Trump sich, seine Steuererklärungen herauszugeben. So kann er die vermeintliche Höhe seines Vermögens unwidersprochen darstellen und dessen Herkunft vertuschen. Woher stammen seine Milliarden wirklich? Eines Tages wird diese Frage beantwortet werden.

3. Die Russen

Trumps mutmaßliche Verbindungen zu Moskau stehen im Mittelpunkt mehrerer Ermittlungsverfahren, da dürfte bald mehr durchsickern. Die Geheimdienstausschüsse des Kongresses untersuchen Russlands Hackerangriffe. CIA, FBI und NSA prüfen die angeblichen Verbindungen des Trump-Teams zu Russland - laut Medienberichten soll es Telefonate und "finanzielle Transaktionen" gegeben haben.

Auch der neue US-Sicherheitsberater Mike Flynn steht im Visier. Er soll an dem Tag, als Obamas Regierung wegen der Cyberaffäre Sanktionen gegen Russland verhängte, mit Moskaus Botschafter in den USA telefoniert haben. Darüber hinaus klagt das Magazin "Politico" auf Freigabe eines internen, zweiseitigen Papiers von CIA und FBI, in dem das angebliche kompromittierende "Erpressungsdossier" Russlands über Trump zusammengefasst wird.

4. Die Medien

Trump hat gesagt, er befinde sich im "Krieg mit den Medien". Das hat viele US-Journalisten mit neuem Tatendrang erfüllt. Landesweit forschen Rechercheteams nach Trumps Geheimnissen.

Die großen Zeitungen, allen voran die "New York Times", entlarven seine Unwahrheiten täglich auf ihren Titelseiten. Die "Times", die Agentur AP und andere haben Websites und Telefonnummern à la WikiLeaks eingerichtet, um anonyme Tipps und Leaks zu ermuntern. Da ist also noch einiges zu erwarten.

Im Video: Mauerbau und Foltergedanken - Trumps Tag

insgesamt 153 Beiträge
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Pombal1976 26.01.2017
1. Er wird damit durchkommen
Er wird mit allem, was er sich vorgenommen hat (leider) mangels parteiübergreifender-inneraberikanischer oder gar republikanischer Opposition gegen ihn durchkommen. Das konnte man schon in der Regierungszeit von George W. Busch schön beobachten. Die Demokraten sin erstarrt und die Presse wird noch dazu sehr bald eingeschüchtert. Grausigen Zeiten sehen wir entgegen...
keksen 26.01.2017
2.
Langweilig wird es mit Trump auf jeden Fall nicht. Das ist nur leider nicht unbedingt positiv zu sehen. Ich halte es durchaus für möglich, dass er während seiner Amtszeit über einen Skandal stolpern wird. Hoffentlich hat er bis dahin nicht zu viel Schaden angerichtet. Bei seinen täglichen Aktionen weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.
Zuppi64 26.01.2017
3. Hoffnung
Vom Äußeren über alle seine Äußerungen bis hin zu seinen Taten lässt Trump keine Gelegenheit aus, sich als Bad Guy darzustellen. Er lügt und lässt seine Berater für ihn lügen. Er stößt ohne Not Nachbarn und Verbündete vor den Kopf. Dazu hat er noch einige Leichen im Keller. Das kann so nicht lange gut gehen, die Amtsenthebung wird immer wahrscheinlicher.
gammoncrack 26.01.2017
4. Im Moment wenig angreifbar
Die momentan gute wirtschaftliche Situation, nicht nur in den USA, räumen ihm schon einen gewissen Freiraum ein. Das wird meines Erachtens aber nicht halten und könnte schon nächste Woche umgekehrt verlaufen. Im Augenblick vergleiche ich das mit einem Schneeballeffekt. Jeden Tag was vermeintlich Gutes verkünden versteckt die kritischen Punkte seiner Amtsführung. Eine klassische Blendung der Leichtgläubigen, die sich in einer solchen Situation sogar gegen die Medien, die sich gegen DT ausrichten, stellen würden. Man darf gespannt sein, wann diese Blase, und mehr ist es wohl auch nicht, platzt.
Holledauer 26.01.2017
5. Trump ist, wie er ist, jedoch muss man sich fragen: welcher Teufel hat seine Wähler geritten?
Es ist schade, dass ein Land, welches sich als Urtyp der Demokratie darstellt, offensichtlich eine Bevölkerung hat, die es erlaubt, dass so ein Mensch wie Trump zum Präsidenten aufsteigt. Man müsste die Menschen, welche jetzt in den USA gegen Trumpf demonstrieren, fragen, ob sie sich denn auch an der Wahl beteiligt haben. Es sind Parallelen zum britischen Brexit erkennbar: Als das Kind in den Brunnen gefallen war, kamen tausende Nichtwähler aus ihren Höhlen.
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